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Häufig führt Unwissen im täglichen Straßenverkehr zu Stressituationen.

Häufig führt Unwissen im täglichen Straßenverkehr zu Stressituationen.© istockphoto-mirefa

Verkehr

Von Menschen und Mythen

Grenzfälle im Verkehr: Nicht immer funktioniert die Partnerschaft auf der Straße reibungslos, obwohl viele Situationen in der Straßenverkehrsordnung geregelt sind. Wir haben einige Paragrafen herausgesucht.

Hannover. Auto fahren ist für viele Verkehrsteilnehmer ein Routinevorgang, bei dem sich im Verlauf der Zeit so manche Gewohnheit einschleicht. Aber mal Hand aufs Herz: Kaum jemand vermag die 53 Paragrafen der Straßenverkehrsordnung korrekt zuzuordnen. Zudem gibt es auch immer wieder Sonder- und Grenzfälle. Wir haben einige davon untersucht.

Blaulicht hat Vorfahrt

Müssen auf Autobahnen einbiegende oder bereits fahrende Krankenwagen stets vorgelassen werden, wenngleich man selbst schneller fahren könnte?

Und ob! „Jeder Verkehrsteilnehmer hat einem sich mit Blaulicht und Martinshorn bewegenden Einsatzfahrzeug umgehend freie Bahn zu verschaffen – notfalls also anzuhalten und nicht noch mit einem riskanten Überholvorgang eine zusätzliche Gefahrenquelle zu schaffen“, erklärt Sven Rademacher, Pressesprecher beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR). So verurteilte das Landgericht Magdeburg (Az.: 10 O 1964/10) eine Autofahrerin, die „eine mit eingeschalteter Notfallsirene und Blaulicht fahrende Feuerwehr zu überholen versuchte und dabei mit dem nach links ausscherenden Einsatzfahrzeug kollidierte“. Allerdings ist auch denkbar, dass ein Krankentransporter eine Schonfahrt zur Behandlung eines Patienten mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit und ohne Martinshorn – lediglich mit eingeschaltetem Blaulicht – ausführt. In diesem Fall darf überholt werden.

Erzwungene Vorfahrt

Was ist beim Reißverschlussverfahren vor Baustellen oder Spurengen zu beachten?

Nahezu jeder Autofahrer kennt die Situation, sich vor einer Fahrbahnverengung einzufädeln, ohne sich vorzudrängeln. Genau darin liegt nach Ansicht von Sven Rademacher vom DVR oft ein Fehler. „Die Autofahrer, die sich richtig verhalten und bis zum Ende der Spur fahren, werden noch als unverschämt betrachtet. Um das zu vermeiden, ordnen sich viele früher ein und bringen somit den Verkehrsfluss zum Stocken.“ In der Rechtsprechung hängt viel von der Einzelfallbetrachtung ab. So entschied das Amtsgericht Dortmund (Az.: 423 C 12873/09), dass „der Spurwechsler jegliche Gefährdung auszuschließen hat und die Fahrspur erst wechseln darf, nachdem er entweder eine ausreichend große Lücke abgewartet oder sich durch Blickkontakt verständigt hat“. Andererseits müssen laut Paragraf 7 die Fahrer in der durchgehenden Spur den anderen das Einfädeln ermöglichen.

Mittelspurblockierer

Ab welchem Verkehrsaufkommen darf man rechts vorbeifahren, ohne dass dies als Überholvorgang zählt?

Oft ist der Ärger über Dauerlinksfahrer derart groß, dass sich so manch Verkehrsteilnehmer wütend entschließt, den trödelnden Linksfahrer einfach rechts zu überholen. Falsch – und verboten! Auch „Mittelspurblockierer“ auf einer dreispurigen Autobahn beanspruchen häufiger das Nervenkostüm und verleiten zum Ausweichen auf die rechte Fahrbahn. So darf in Deutschland grundsätzlich nur links überholt werden. Ausnahmen gibt es bei Stau oder zäh fließendem Verkehr und der damit verbundenen Kolonnenbildung, sagt DRV-Sprecher Rademacher. Dann darf mit maximal 20 Stundenkilometern Differenz rechts überholt werden. Eine Kolonne, die aber mindestens 60 Stundenkilometer fährt, darf nicht überholt werden.

Eine weitere knifflige Situation entsteht auf dreispurigen Autobahnen, sobald sowohl von der linken als auch von der rechten Spur jeweils ein Autofahrer auf die mittlere Spur wechseln möchte. „Beide Autofahrer müssen hier vorsichtig sein und den wichtigen Schulterblick nicht vergessen. Im Zweifel müssen sie mit dem Spurwechsel warten“, erklärt Rademacher.

Blinkmuffel

Muss ich blinken und eine Fahrtrichtungsänderung anzeigen, obwohl ich bei einer abknickenden Vorfahrt geradeaus weiterfahre und meine Fahrtrichtung somit gar nicht ändere?

In der Fahrschule lernten angehende Autofahrer einst, dass jede Fahrtrichtungsänderung anzuzeigen sei. Richtig! Doch Moment mal, gilt das auch für abknickende Vorfahrtsstraßen, die man geradeaus verlassen möchte? „Wer der abknickenden Vorfahrtsstraße folgt, muss blinken. Wer geradeaus fährt, blinkt nicht“, klärt DRV-Sprecher Rademacher auf und sagt, dass „der nachfolgende Verkehr eben am Nichtblinken erkennen muss, dass der Vorausfahrende die Vorfahrtsstraße geradeaus verlassen möchte“. Eine Straße geradeaus verlassen: Auto fahren kann manchmal ganz schön kompliziert sein.

Markus Beims


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