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Seht aus wie ein Cayenne, fasst sich an wie ein Cayenne – und ist  doch eine Revolution unter den Porschefahrzeugen: Der neue Cayenne mit Dieselantrieb.

Seht aus wie ein Cayenne, fasst sich an wie ein Cayenne – und ist doch eine Revolution unter den Porschefahrzeugen: Der neue Cayenne mit Dieselantrieb.

Porsche Cayenne

Jetzt dieselt Porsche doch noch los

Im Cayenne proben die Zuffenhausener ihre Selbstzünderrevolution – mit zwiespältigem Ergebnis.

Wie schwer der Mann mit sich gerungen haben muss, weiß kein Mensch. Wendelin Wiedekings Worte, unter seiner Führung werde es niemals einen Porsche mit Dieselantrieb geben, stehen wie in Stein gemeißelt in den Geschichtsblättern der Autoindustrie. Aber die Welt hat sich weiter gedreht, auch um Porsche. Und jetzt gibt es ihn doch, den Diesel. Vielleicht haben Wiedeking die Rennerfolge von Volkswagen und Audi davon überzeugt, dass der Laster- und Treckerantrieb inzwischen auch für sportliches taugt. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass sich der mächtige Porsche-Chef dem Diktat der Gegenwart gebeugt hat. Und das heißt Wirtschaftlichkeit und soziale Akzeptanz.

SUV als tragende Säule

Wer an Porsche denkt, denkt zuerst an den 911er. Doch tatsächlich ist der Cayenne wegen seinen großen Erfolgs längst eine tragende Säule im Geschäft der Zuffenhausener. Das große SUV gab es bislang nur mit potenten Saugmotoren. Dabei werden in diesem Segment inzwischen mehr als 77 Prozent der halbwegs geländegängigen Salonlöwen von Dieselaggregaten angetrieben. Was lag also näher, als den Einstieg in die Welt des Diesels mit dem Cayenne zu wagen, ohne dass allzu sehr am Sportwagen-Image gekratzt wird? Erleichtert wurde diese Entscheidung wohl auch dadurch, dass man im Konzern bei Volkswagen und Audi bereits passende Triebwerke vorfand.

Porsche entschied sich für den Dreiliter-Sechszylinder, der auch im VW Touareg und Audi Q7 seinen Dienst versieht. Nun wäre es für die schwäbische Edelschmiede viel zu profan, einfach einen Benziner gegen einen Diesel aus dem Regal zu tauschen. Also rückten die Ingenieure dem Triebwerk zu Leibe, um es mit Porsche-Genen zu infizieren. Einspritzventile, Drallklappensteuerung und Abgasrückführung wurden so optimiert, dass die Emissionen sanken und die Leistung stieg. Die Maschine bringt es auf 240 PS und hat jetzt ein maximales Drehmoment von 550 Newtonmeter. Was wiederum zur Folge hatte, dass man sich nach einem passenden Getriebe umsehen musste. Denn noch kein Doppelkupplungsgetriebe der Welt hält ein so wuchtiges Drehmoment aus. Man entschied sich für eine Sechsgang-Wandlerautomatik, mit der der Cayenne Diesel ausschließlich angeboten wird.
Doch damit war es nicht getan. Das ganze Auto musste auf Diesel umgetrimmt werden. Ladeluftkühler, Motorabdeckung, Kabel, Leitungen, Schläuche, Instrumente (Drehzahlmesser), Wegfahrsperre, Abgasanlage, Kraftstoffsystem – alles neu. Und, ganz wichtig: Der Diesel durfte nicht nach Diesel klingen, sondern nach Porsche. Also wurde am Sound so lange herumgetüftelt, bis der Diesel wie ein Porsche klang.

Bei Porsche wird anders gerechnet

Das Ergebnis, das noch im Februar zu einem Preis ab 56.436 Euro zu den Händlern fährt, sieht wie folgt aus: Der Cayenne Diesel spurtet in 8,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Er ist damit um 0,2 Sekunden schneller als der bisherige Einstiegsbenziner. In der Spitze bringt er es auf 214 km/h. Der durchschnittliche Verbrauch liegt bei 9,3 Litern, der Kohlendioxidausstoß beträgt 244 g/km. Damit säuft und qualmt das Fahrzeug noch immer. Doch die Porsche-Rechnung sieht anders aus: Im Vergleich zum bisherigen Einstiegsmodell konnte der Kraftstoffverbrauch um 28 Prozent, die CO2-Emissionen um 21 Prozent gesenkt werden. Also: Ziel erreicht.

...und so fährt sich der Diesel

Er sieht aus wie ein Cayenne und fasst sich an wie ein Cayenne – doch unter der Haube hat für Porsche die Revolution stattgefunden. Wir sind den Cayenne Diesel Probe gefahren – mit zwiespältigem Ergebnis: Denn wer einen Porsche bisheriger Machart erwartet, wird enttäuscht sein. Die rassige Aggressivität, das spontane Ansprechen auf die Befehle des Fahrers, besitzt der Cayenne Diesel nicht. Das massige Drehmoment wuchtet das tonnenschwere Fahrzeug zwar ordentlich nach vorne, doch die 240 PS sind am Ende zu wenig, um in jeder Fahrsituation die gewohnten Leistungsreserven zur Verfügung zu stellen.
Das riesige SUV hängt eher verhalten am Gaspedal, zuweilen hat der Fahrer den Eindruck, als reagiere der Motor eher unwillig. Auch das Automatikgetriebe ist, zumindest „gefühlt“, nicht das schnellste. Es kann schon mal vorkommen, dass das Fahrzeug ein Auto wie einen Opel Vectra auf der Landstraße nicht zu packen kriegt. Wer das erwartet, für den hat Porsche eine Reihe anderer Fahrzeuge im Programm.

Punkten kann der Cayenne mit seinem sensationellen Fahrwerk, der direkten Lenkung und den überaus griffigen Bremsen – hier geht es gewohnt souverän zur Sache. Und mit der vergleichsweise hohen Wirtschaftlichkeit. Für Vielfahrer amortisiert sich der Diesel im Vergleich zum Einstiegsbenziner bei einer Laufleistung von 20 000 Kilometern bereits nach einem Jahr.
Von Gerd Piper


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