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15% Nachlass für Abonnenten

Schauspiel Hannover

Der Tipp für Kurzentschlossene: Das Schauspiel Hannover gewährt Abonnenten 15% Nachlass auf den Ticketgrundpreis für begrenzte Kartenkontingente ausgewählter Veranstaltungen. Das Angebot gilt ausschließlich an den Kassen des Staatstheaters!

Schauspiel Hannover. Gegen Vorlage der AboPlus-Karte gibt es max. zwei Karten pro Veranstaltung in allen Preiskategorien – solange der Vorrat reicht.
Der Rabatt gilt nur auf den vollen Eintrittspreis (nicht auf ermäßigte Preise) und auschließlich an folgenden Vorverkaufsstellen:

  • Opernhaus, Opernplatz 1
    Mo-Fr: 10-19.30 Uhr
  • Schauspielhaus, Prinzenstr. 9
    Mo-Fr: 10-19.30 Uhr, Sa: 10-14 Uhr
  • Telefonische Kartenbestellung:
    (05 11) 99 99 - 11 11

    Mo-Fr: 10-19.30 Uhr, Sa: 10-14 Uhr 

Bei folgenden Veranstaltungen können Sie im Monat Mai mit AboPlus sparen:

 

SCHAUSPIELHAUS

Tartuffe, 05.05.2017, 19.30 Uhr

Orgon ist ein braver Spießbürger. An den meisten Sachen stößt er sich kaum, denn Orgon ist liberal. Als er eines Tages in der Kirche dem verarmten Tartuffe begegnet, spürt er sofort, dass dieser Mann etwas besitzt, was nicht mit Geld aufzuwiegen ist: Glaube, Inbrunst und Strenge. Mit großer Begeisterung holt Orgon sich Tartuffe ins Haus, um von dessen Frömmigkeit und Moralität zu profitieren. Wie einen Heilsbringer himmeln Orgon und seine Mutter den Unbekannten an. Der Rest der Familie kann darüber nur den Kopf schütteln, denn es ist allzu offensichtlich, dass Tartuffe ein Heuchler und Betrüger ist, der Wasser predigt und fremden Wein säuft. Als Orgon seine Tochter Mariane mit Tartuffe vermählen will, schlagen die Wellen hoch. Alle Versuche, Orgon von der Verschlagenheit Tartuffes zu überzeugen, treiben ihn nur weiter in dessen Arme. Molières radikale und für damalige Zeiten revolutionäre Kritik am religiösen Heuchlertum löste einen Theaterskandal ohnegleichen aus.  Heute scheint die bissige Komödie aktueller denn je zu sein. Wo man auf einen Erlöser hofft, der den rechten Weg proklamiert, läuft man Gefahr, auf Abwege zu geraten und einem Scharlatan auf den Leim zu gehen.

Im Westen nichts Neues, 10.05.2017, 19.30 Uhr

Remarque erzählt die Geschichte von vier Freiwilligen, die von der Schulbank direkt in den Krieg ziehen. Aus eigenem Erleben schildert er die Gräuel der Front, berichtet von den Traumata der Soldaten, von den Hindernissen ihrer Wiedereingliederung, der realitätsfernen Sicht der Zivilgesellschaft auf den Krieg, der Verführungskraft falscher Heldenmythen und der Militärpropaganda. Vor allem die Materialschlachten an der Westfront wurden zum grausamen Sinnbild des Ersten Weltkrieges, in dem der Kampf Mann gegen Mann von dem zwischen Mensch und Maschine abgelöst wurde. Mitten in diesem Kampf verreckten Paul Bäumer, Remarques Protagonist, und Hunderttausende seiner Generation, »die vom Kriege zerstört wurde - auch wenn sie den Granaten entkam.« Nach dem vierjährigen Grauen, dem Morden, dem Sterben scheinen sie unfähig, sich das Zusammenleben in einer zivilen Gesellschaft noch vorstellen zu können. Was machen Soldaten nach dem Krieg? Wie gehen sie mit der Erfahrung um, dass all das, womit sie überlebt haben, überflüssig, unerwünscht, verboten ist?

Remarques Buch gilt als der bekannteste Antikriegsroman über den Ersten Weltkrieg, dessen Ausbruch sich im Jahr 2014 zum 100. Mal jährte. In mehr als 50 Sprachen übersetzt, ist es eines der meistgelesenen Bücher der Welt überhaupt.

ZUM LETZTEN MAL: Rocco und seine Brüder, 13.05.2017, 19.30 Uhr

»Well, what can a poor boy do / except to sing for a rock ’n’ roll band.« The Rolling Stones

Entweder Musik oder Sport. Simone boxt sich nach oben. Der Zweitgeborene der Familie Parondi versucht, die einzige sich ihm bietende Möglichkeit zu nutzen, um schnell und effektiv der Armut zu entfliehen und aufzusteigen: den Boxsport. Gemeinsam mit seiner Mutter und den drei jüngeren Brüdern ist er nach dem Tod des Vaters aus dem Elend Süditaliens ins reiche Mailand geflohen. Dort lebt Vincenzo, der älteste Bruder, der für die Familie das Nötigste organisiert: eine Wohnung und gelegentlich Arbeit. Aber Simone will mehr: Erfolg und Anerkennung – und zwar sofort. Er boxt sich von Sieg zu Sieg. Bis er aus der Bahn  geworfen wird: durch die Liebe zu der Prostituierten Nadia, den Druck, sich immer aufs Neue beweisen zu müssen, die Verführungen seines neuen Lebens und die Erwartungen, die die Familie in ihn setzt. Rocco ist  fest entschlossen, ihn auf den richtigen Weg zurückzuführen und bereit, dafür jedes Opfer zu bringen. Nichts wäre gewonnen im neuen Leben, wenn man einen Bruder auf dem Weg verlöre.

1917, 14.05.2017, 17.00 Uhr

01.01. Der Wanderprediger Rasputin, Berater des Zaren, wird tot aus der Newa geborgen +++ 15.03. Zar Nikolaus II. dankt ab, 300 Jahre Romanow-Herrschaft in Russland beendet +++ 16.04. Lenin nach einer Reise im plombierten Eisenbahnwagen quer durch Deutschland wieder in Russland +++ 14.09. Die provisorische Regierung unter Alex ander Kerenski erklärt Russland zur Republik +++

25.10. Der Panzerkreuzer Aurora gibt das Signal für die Erstürmung des Winterpalais, Aufstand und Machtübernahme durch die Bolschewiki +++ 08.11. Lenins Dekret über Grund und Boden zugunsten der russischen Landarbeiter veröffentlicht +++

Hamlet, 16.05.2017, 19.00 Uhr

Etwas ist faul im Staate Dänemark. Prinz Hamlet spürt es in aller Ohnmacht. An seinem Studienort Wittenberg ereilt ihn die Nachricht vom überraschenden Tod seines Vaters. Heimgekehrt nach Helsingör für das Begräbnis, findet er sich auf dem Hochzeitsfest der Mutter mit seinem Onkel wieder. Dieser beerbt durch diese Heirat den Bruder als Herrscher. Hamlet ist bestürzt. Gerüchte und Vermutungen am Hof tun ihr weiteres. Nächtens erscheint ihm der Geist seines Vaters,  der ihm mitteilt, dass er ermordet worden sei und ihn auf Rache einschwört. Getrieben von der Wahrheitssuche, als Fremder in der eigenen Familie, Verschwörungen überall witternd, spielt der junge Prinz den Verrückten und nimmt auf seinem Weg das Risiko in Kauf, Unschuldige zu opfern, um an die Täter zu kommen. Als Vorlage für dieses Drama diente Shakespeare ein nordischer Sagenstoff aus der Historia Danica von Saxo Grammaticus (Ende des 12. Jahrhunderts). Aus ihm entwickelte er über das Genre der klassischen Rachetragödie hinaus ein vielschichtiges Stück über Politik und Gewalt, über Macht und Moral, aber ebenso auch über eine unglückliche Liebe, eine komplizierte Mutter-Sohn-Beziehung und den Kampf der Generationen. Der isländische Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson, geboren 1978 und aufgewachsen in einer Theaterfamilie, absolvierte seine Regie-Ausbildung an der Kunstakademie Reykjavik und an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin. Er wird zum ersten Mal am Schauspiel Hannover Regie führen und mit dieser Arbeit auch jener berühmten Inszenierung von Nicolas Stemann gedenken, die er an diesem Haus vor 15 Jahren sah.

Lehman Brothers, 17.05.2017, 19.30 Uhr

1844: Heyum Lehmann, Sohn eines Viehhändlers aus dem bayerischen Rimpar, schifft sich nach New York ein, um der Armut zu entfliehen und seinem Leben eine Chance zu geben. Angekommen im Hafen der Sehnsuchtsstadt, ändert er seinen Namen in Henry Lehman. Sein erster Tausch. Zwei Brüder folgen ihm nach. Es ist der Beginn einer atemberaubenden Erfolgsgeschichte, die den amerikanischen Traum in Reinform verkörpert: Aus einem kleinen Gemischtwarenladen in Alabama, den die mittellosen Ankömmlinge auf Kredit eröffnen, entwickelt sich innerhalb dreier Generationen eine der mächtigsten Investmentbanken der Welt. Der Einfluss der "Lehman Brothers" langt in nahezu alle Bereiche des Lebens: Börse, Politik, Militär, Wohnen, Konsum, Unterhaltung. Sie setzen immer auf die richtige Karte, münzen jede Katastrophe in wirtschaftlichen Gewinn um. Das Wachstum scheint unaufhaltsam, das Unternehmen too big to fail. Dann aber, im Herbst 2008, verglühen Irrsinn und Übermut in einer epochalen Krise. Die Investmentbank Lehman Brothers bricht zusammen – und löst eine verheerende Kettenreaktion aus. Das globale Finanzsystem kollabiert, die Welt erleidet einen Vermögensverlust von mindestens 15 Billionen Dollar. Noch immer streiten Regierungen und Experten über die richtigen Lehren aus der Krise. Der Autor Stefano Massini recherchierte drei Jahre lang und schrieb eine Familiensaga, die sich als Autopsie des Kapitalismus lesen lässt

Amerika, 18.05.2017, 19.30 Uhr

Der sechzehnjährige Karl Roßmann schwängert ein Dienstmädchen und wird von seinen Eltern kompromisslos nach Amerika verfrachtet. Mit einem Anzug, einem Koffer und einem Stück Veroneser Salami im Gepäck überquert er den Atlantik, um sein Glück im Exil zu suchen. Die Freiheitsstatue begrüßt die Einwanderer neuerdings mit erhobenem Schwert statt mit Fackel, die Vereinigten Staaten liegen fremd und unübersichtlich in ihrem Rücken. Im ständigen Konflikt zwischen Selbstbestimmung und Selbstbeherrschung, zwischen Freiheit und Disziplin, erlebt der Junge Karl Roßmann schon bald die direkte Umkehrung des Amerikanischen Traums: Vom reichen Onkel kurzfristig adoptiert und spontan auch wieder fortgeschickt, wird er vom Landstreicher zum Liftboy und endet schließlich als privater Sklave einer übergewichtigen Opernsängerin. Jede Bemühung, in der Fremde Fuß zu fassen, scheitert am Fremdsein an sich, jeder noch so kleine Fehltritt wird zum konkreten Anlass des sozialen Abstiegs. Erst als das »Naturtheater von Oklahoma« mit Arbeit für jedermann wirbt, überwindet Karl seine Isolationsgefühle und jagt auch diesem letzten Glücksversprechen hinterher. Franz Kafka, selbst nie in den Vereinigten Staaten gewesen, konstruiert sein Amerika anhand von Fotos, Reiseberichten, Zeitungsartikeln und Stummfilmen – bis ihn die schiere Größe seiner Erzählung selbst überfordert: »Er läuft mir auseinander, ich kann ihn nicht mehr umfassen«, schreibt Kafka zu seinem ersten, unvollendeten Roman Amerika.

Shockheaded Peter, 27.05.2017, 19.30 Uhr

Wer kennt sie nicht? Die Geschichte vom bösen Friedrich, das zündelnde Paulinchen, den ungelehrigen Daumenlutscher oder Hans-guck-in-die-Luft. Unartig sind sie, hören nicht, strapazieren die Nerven ihrer Eltern, kleine Monster. Ihr Schicksal ist grausam: Daumen ab, Flammentod, Sturz ins Wasser.

Das 1844 verfasste Bilderbuch Struwwelpeter prägte die deutsche Kindheits- und Kulturgeschichte. Dieses Panoptikum tiefschwarzer Pädagogik hatte der Frankfurter Kinderarzt und Psychiater Heinrich Hoffmann für seinen dreijährigen Sohn verfasst; er hatte zuvor kein passendes Weihnachtsgeschenk gefunden. 1998 nahmen sich die britischen Theatermacher und Puppenbauer Phelim McDermott und Julian Crouch dieses legendäre Werk vor und entwickelten gemeinsam mit dem Kopf der Kultband The Tiger Lillies eine furiose Junk-Opera für Erwachsene. Mit ihrer Mischung aus Punk, Zirkusklängen und Bänkelsang sowie ihrem britischen Humor ist ihnen ein Wurf gelungen, der weltweit Erfolge feiert.

CUMBERLANDSCHE Bühne

Die Gerechten, 07.05.2017, 20.00 Uhr

Warum wird jemand Terrorist? Das Attentat, der Aufstand gegen die Ungerechtigkeit und Unterdrückung ist moralisch gerechtfertigt. Wer stellt eigentlich die Maßstäbe auf? Darf man es in Kauf nehmen, dass für eine scheinbar gerechte Sache oder beim Anschlag auf einen Tyrannen auch Unschuldige zu Tode kommen? Auch die scheinbar politisch-korrekte Tat muss letztlich jeder vor seiner eigenen Moral, seinem Gewissen verantworten. Albert Camus setzt sich in Die Gerechten genau mit diesem Problemfeld auseinander. Den historischen Hintergrund für Camus’ Auseinandersetzung mit dem Für und Wider einer revolutionären Aktion liefert eine Episode aus dem vorrevolutionären Russland: Am 4. Februar 1905 warf der Revolutionär und Anarchist Iwan Kaljajew eine Bombe auf den Generalgouverneur von Moskau, der sofort tot war. Ein Mitstreiter Kaljajews, Boris Sawinkow, gab 1931 in Paris seine Erinnerungen eines Terroristen heraus. Camus griff den Stoff auf und verarbeitete ihn zu einem Stück. Auch hier heißt der Bombenwerfer Kaljajew, der beim ersten Attentatsversuch zögert, weil er sieht, dass der Neffe des Großfürsten mit in der Kutsche sitzt. Kaljajew folgt seinem tiefen moralischen Empfinden, das es verbietet, Kinder zu töten, gefährdet damit aber den Erfolg der revolutionären Sache. Der zweite Versuch gelingt.

ZUM LETZEN MAL: Timon aus Athen, 10.05.2017, 20.00 Uhr

Beim Geld hört die Freundschaft auf, heißt es. Auf den ersten Blick scheint Shakespeares späte Tragödie eine Paraphrase auf diese sprichwörtliche Weisheit. In Timon aus Athen geht es um Geld, um sehr viel Geld. Es wird verschenkt, verschwendet, verweigert, wiedergefunden und missbraucht. Beim Tanz ums Goldene Kalb scheiden sich die Geister, bis schließlich das Menschsein als Ganzes auf dem Spiel steht.

Timon, Besitzer eines großen Vermögens, ist allseits beliebt. Der Grund: seine Großzügigkeit. Schenken ist Timon eine Lust, die ihn zum Ver­schwender macht. Wer Geld braucht, wendet sich an ihn und wird nicht enttäuscht. Künstler, Politiker und Freunde lädt er zu kostspieligen Festen, lässt ihnen üppige Präsente zuteil werden und verteilt großzügig Spenden. Dass auch sein Vermögen nicht unerschöpflich ist, kümmert ihn wenig. Seine Freunde, glaubt er, werden ihm ebenso gern geben, wie er ihnen gibt. Doch als sein Bankrott droht, wenden sich alle, die ihm einst nahe­standen, von ihm ab. Sie verschmähen an ihm, wovon sie zuvor profitierten: Verschwenderisch sei er, seine Freigebigkeit ein Fass ohne Boden... Verbittert lädt Timon seine »Freunde« zu einem letzten Festmahl, bei dem er ihnen Wasser und Steine auftischt, bevor er sie aus seinem Haus treibt. Er selbst zieht in die Wildnis vor der Stadt, um als Einsiedler zu leben. Als er auf der Suche nach Essbarem Gold findet, scheinen sich die Ereignisse zu wiederholen. Wäre da nicht der Feldherr Alkibiades, dessen Rache an Athen Timon zu finanzieren beginnt.

CUMBERLANDSCHE Galerie

Abrahams Kinder, 06.05.2017, 17.00 Uhr

Der norwegische Schauspieler Svein Tindberg besucht die Heiligen Stätten in Jerusalem. Gerade hat er gemeinsam mit einer christlichen Reisegruppe den Felsendom besichtigt, als er plötzlich in eine Schießerei gerät. Am nächsten Morgen erinnert am Tempelberg nichts mehr an die Ereignisse vom Vortag, als der Leichnam eines palästinensischen Jungen von einer wütenden Menge über den Platz getragen wurde. Dann erzählt ihm sein arabischer Guide eine erstaunliche Geschichte. Sie führt zu Abrahams Kindern. Es ist eine Geschichte, die er seitdem immer erzählen muss.

ZUM LETZEN MAL: Atlas der abgelegenen Inseln, 17.05.2017, 20.00 Uhr

Judith Schalanskys Atlas der abgelegenen Inseln erzählt 50 Geschichten von 50 unerreichbaren Orten, von gestrandeten Sklaven, verirrten Entdeckern und hoffnungslosen Romantikern. Thom Luz, Spezialist für feinstoffliche Musiktheaterabende und Sympathisant gescheiterter Existenzen, verwandelt diese poetischen Miniaturen über die Ferne in der Cumberlandschen Galerie, die einst das Heimatmuseum beherbergte, in ein Hörstück. Die Produktion wurde eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2015, im Oktober erschien das vom SFR/WDR produzierte Hörspiel der Inszenierung auf CD, welches mit dem europäischen Medienpreis PRIX EUROPA ausgezeichnet wurde.

                                                                                                                                                                                                                   

BALLHOF EINS

Controlling Crowds, 06.05.2017, 19.30 Uhr

So much writing on the wall, can you read it all? / Can you see through the haze, when the writing’s small? / Can you read what it means, does it make any sense? / ’cause it’s all dollar bills and pounds and pence / Telling you what to do and what pills to take / when your head’s in your hands and your belly aches / where to go in the world when you need a change / Don’t you worry ’bout the bill, that can be arranged ...«
aus dem Song Dangervisit der Band Archive)
 
Der Kühlschrank weiß, was fehlt, und bestellt es selber nach, Smartphone-Apps empfehlen Partnerinnen und Partner in der näheren Umgebung, zum Kuscheln oder Ähnlichem. Produkte wollen gekauft und bewertet werden, Freundschaften sind angefragt. Drei Sterne hier, dort einen Daumen hoch. Wie war ich? Wie bin ich? Doch was macht das kritische Bewusstsein, wo bleibt das Aufbegehren gegen die Fremdbestimmung? Die Revolte bleibt aus, die Kaufkraft steigt. Schade eigentlich. Damit man das Denken nicht gänzlich bleiben lässt, entwickelt das Künstlerkollektiv Performance Group mit Jugendlichen aus Hannover und der Region einen radikalen Fragenkatalog aus Musik, Tanz und Schauspiel. Ein Spektakel aus Präsentation und Interaktion, präziser Choreografie und frecher Anarchie. Nieder mit den Glücksversprechungen der rationalen Gewissheit!

Andorra, 15.05.2017, 19.30 Uhr

Andorra ist ein kleines Land. Die Menschen sind stolz auf ihrer Hände Arbeit, blicken mit sich im Reinen auf die Vergangenheit und zuversichtlich in die Zukunft. Man weiß, was einen guten Andorraner ausmacht und kennt sich deshalb umso besser mit den Schwächen der Zugezogenen aus. Die Andorraner wissen, dass der Jude Andri besser mit Geld als mit Holz umgehen kann – genetisch bedingt. Körperliche und geistige Eigenheiten sieht man ihm großzügig nach. In der örtlichen Fußballmannschaft kann man natürlich nicht viel mit ihm anfangen – genetisch bedingt. Aber macht ja nichts, wir schaffen das! Am Ende der Erfolgsgeschichte ist Andri tot, Andorra weiß und keiner Schuld. Und so sehr man auch versucht, die Ereignisse zu rekapitulieren, es bleibt unaufgeklärt, wer den ersten Stein geworfen hat und warum. Was so ein richtiger Andorraner ist, der muss auch mal vergessen können. Andorra ist schließlich nur ein kleines Land.

Othello, 16.05.2017, 19.30 Uhr

Venedig ist pleite, der Staat lebt auf Pump. Ganz oben sitzt die Polit-Schickeria fett im eigenen Filz, ganz unten murrt das Volk. Kein schönes Geräusch, wenn man zu den Filzläusen gehört. Um die schwelende Wut der Bürger zu besänftigen, schickt Venedigs Elite einen Mann an die Front, der von ganz unten kommt: Othello. Vormals Soldat, jetzt General. An seiner Seite: Desdemona. First  Lady, Traumfrau. Höhere Tochter aus altem venezianischen Geschlecht. Ihre Ehe mit Othello gibt das medienwirksame Bild einer Überwindung all jener Differenzen ab, wie sie den Volkskörper notorisch in Wallungen bringen: reich versus arm, arrogant versus erniedrigt. Klingt gut. Einziges Problem: Othello hat keine Ahnung von Politik. Na, macht nichts. Alles, was ein Dilettant braucht, sind gute Mitarbeiter. Othello hat den besten: Jago. Sein einziger Makel: Er ist weiß. So weiß »wie die Blüte der Baumwolle«, an der sich Generationen von Sklaven die Finger wundgepflückt haben. Das kommt nicht gut in einer politisch korrekten Republik, also befördert Othello statt des »Bleichgesichts« Jago den »Araberhengst« Cassio. Was folgt, ist Eifersucht, Rache und – Mord. Florian Fiedler inszeniert Othello als geschmeidigen Parcours durch das rassistische Nervenleiden einer durch und durch weißen Gesellschaft, in der jeder Angst haben muss, der nächste »Neger« zu sein.

BALLHOF Zwei

Der gute Mensch von Sezuan, 15.05.2017, 19.00 Uhr

Drei Götter wollen der Welt beweisen, dass es noch gute Menschen gibt und alles so bleiben kann, wie es ist. Doch in Sezuan hilft ihnen nur die Prostituierte Shen Te. Zum Dank entlohnen sie Shen Te großzügig und stürzen die Unglückliche damit ungewollt ins Elend: Sie investiert in einen Tabakladen und wird plötzlich von allen ausgenutzt. Und so gibt sich Shen Te schließlich als ihr eigener Cousin Shui Ta aus, eröffnet eine Tabakfabrik und lässt nun selbst Billigarbeiter für sich schuften. Welche Möglichkeiten hat der Mensch, gut zu handeln? Brecht gibt die Frage direkt ins Publikum. Für ihn steht Sezuan stellvertretend für alle Orte, an denen Menschen von  Menschen ausgebeutet werden.


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