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15% Nachlass für Abonnenten

Schauspiel Hannover

Der Tipp für Kurzentschlossene: Das Schauspiel Hannover gewährt Abonnenten 15% Nachlass auf den Ticketgrundpreis für begrenzte Kartenkontingente ausgewählter Veranstaltungen. Das Angebot gilt ausschließlich an den Kassen des Staatstheaters!

Schauspiel Hannover. Gegen Vorlage der AboPlus-Karte gibt es max. zwei Karten pro Veranstaltung in allen Preiskategorien – solange der Vorrat reicht.
Der Rabatt gilt nur auf den vollen Eintrittspreis (nicht auf ermäßigte Preise) und auschließlich an folgenden Vorverkaufsstellen:

  • Opernhaus, Opernplatz 1
    Mo-Fr: 10-19.30 Uhr
  • Schauspielhaus, Prinzenstr. 9
    Mo-Fr: 10-19.30 Uhr, Sa: 10-14 Uhr
  • Telefonische Kartenbestellung:
    (05 11) 99 99 - 11 11

    Mo-Fr: 10-19.30 Uhr, Sa: 10-14 Uhr 

Bei folgenden Veranstaltungen können Sie in den Monaten Februar und März sparen:

 

SCHAUSPIELHAUS

Im Westen nichts Neues, 01.02.2017, 19.30 Uhr

und 21.03.2017, 19.30 Uhr

Remarque erzählt die Geschichte von vier Freiwilligen, die von der Schulbank direkt in den Krieg ziehen. Aus eigenem Erleben schildert er die Gräuel der Front, berichtet von den Traumata der Soldaten, von den Hindernissen ihrer Wiedereingliederung, der realitätsfernen Sicht der Zivilgesellschaft auf den Krieg, der Verführungskraft falscher Heldenmythen und der Militärpropaganda. Vor allem die Materialschlachten an der Westfront wurden zum grausamen Sinnbild des Ersten Weltkrieges, in dem der Kampf Mann gegen Mann von dem zwischen Mensch und Maschine abgelöst wurde. Mitten in diesem Kampf verreckten Paul Bäumer, Remarques Protagonist, und Hunderttausende seiner Generation, »die vom Kriege zerstört wurde - auch wenn sie den Granaten entkam.« Nach dem vierjährigen Grauen, dem Morden, dem Sterben scheinen sie unfähig, sich das Zusammenleben in einer zivilen Gesellschaft noch vorstellen zu können. Was machen Soldaten nach dem Krieg? Wie gehen sie mit der Erfahrung um, dass all das, womit sie überlebt haben, überflüssig, unerwünscht, verboten ist?

Remarques Buch gilt als der bekannteste Antikriegsroman über den Ersten Weltkrieg, dessen Ausbruch sich im Jahr 2014 zum 100. Mal jährte. In mehr als 50 Sprachen übersetzt, ist es eines der meistgelesenen Bücher der Welt überhaupt.

Macht und Widerstand, 02.02.2017, 19.30 Uhr

Bulgarien. Zwei Biografien. Die des Anarchisten Konstantin – zehn Jahre saß er für die Sprengung eines Stalindenkmals in Haft: Lager, Karzer, Zwangsarbeit, Psychiatrie, Kälte- und Hungerfolter, Wanzen, Schläge. Und die seines Folterers Metodi, dem »Michelangelo des Verhörs«, Produkt und Profiteur eines Regimes, das auf das Ressentiment der Zukurzgekommenen setzte und der Brutalität freien Lauf ließ. Doch das ist Jahre her. 1989 wechselt die Regierung, es bricht eine neue Zeit an – zumindest äußerlich. Die Protagonisten der Macht bleiben die gleichen. Sie haben sich ohne größeren Reibungsverlust neu eingerichtet. Erinnerungen sind trügerisch. Und unerwünscht. Konstantin versucht, in den Akten der Staatssicherheit Zeugnisse für das Erlebte zu finden. Er sucht die Wahrheit, zornig und kompromisslos. Seine Unerbittlichkeit wird ihm selbst von Leidensgefährten zum Vorwurf gemacht. Warum zurückschauen? Tatsächlich stößt Konstantin nur auf wenig aussagekräftige Dokumente. Die Sicherheitsbehörden haben gründliche Arbeit geleistet, ihre Arme reichen bis in die Gegenwart. Seine Erfahrungen werden negiert, finden keinen Widerhall. Und so bleiben Opfer und Folterer, Konstantin und Metodi, aneinander gekettet, ihre Biografien auf Lebenszeit miteinander verflochten, makaber aufeinander angewiesen durch die Zeugenschaft, die allein sie sich gegenseitig ablegen können.

Der Autor und Kosmopolit Ilija Trojanow recherchierte fast zwanzig Jahre, führte Gespräche mit Zeitzeugen, bezog Originaldokumente mit ein. Ein eminent politisches Buch, das ein zeitgeschichtliches Panorama von exemplarischer Gültigkeit entfaltet.

Rocco und seine Brüder, 08.02.2017, 19.30 Uhr

»Well, what can a poor boy do / except to sing for a rock ’n’ roll band.« The Rolling Stones

Entweder Musik oder Sport. Simone boxt sich nach oben. Der Zweitgeborene der Familie Parondi versucht, die einzige sich ihm bietende Möglichkeit zu nutzen, um schnell und effektiv der Armut zu entfliehen und aufzu- steigen: den Boxsport. Gemeinsam mit seiner Mutter und den drei jüngeren Brüdern ist er nach dem Tod des Vaters aus dem Elend Süditaliens ins reiche Mailand geflohen. Dort lebt Vincenzo, der älteste Bruder, der für die Familie das Nötigste organisiert: eine Wohnung und gelegentlich Arbeit. Aber Simone will mehr: Erfolg und Anerkennung – und zwar sofort. Er boxt sich von Sieg zu Sieg. Bis er aus der Bahn  geworfen wird: durch die Liebe zu der Prostituierten Nadia, den Druck, sich immer aufs Neue beweisen zu müssen, die Verführungen seines neuen Lebens und die Erwartungen, die die Familie in ihn setzt. Rocco ist  fest entschlossen, ihn auf den richtigen Weg zurückzuführen und bereit, dafür jedes Opfer zu bringen. Nichts wäre gewonnen im neuen Leben, wenn man einen Bruder auf dem Weg verlöre.

Richtfest, 12.02.2017, 17.00 Uhr und 07.03.2017, 19.30 Uhr

«Woll'n auwo wohn'n.»

So lautete ein Transparent-Slogan in einem Hausbesetzer-Comic der frühen 80er Jahre. Inzwischen besetzen Menschen, die «wo» und vor allem «anders» und mit anderen zusammen wohnen wollen, keine Häuser mehr, sie gründen Baugemeinschaften. Zumindest in einem bestimmten Alter, in einem bestimmten Milieu. Eine Baugemeinschaft ist für manche ein Versprechen, für manche eine simple Kosten-Nutzen-Rechnung. Die einen träumen von einem solidarischen Leben, gemeinsamer Kinderbetreuung, Beistand im Alter, die anderen vielleicht nur von einer kostengünstigen Möglichkeit, ihr Traumhaus zu bauen. In jedem Fall muss man sich einigen. Und alle Entscheidungen gemeinsam treffen. Basisdemokratisch. Nach ausgiebiger Diskussion. Und plötzlich ist es auf dem Hausbesitzerplenum doch wieder wie auf dem Hausbesetzerplenum. Nur mit einem Buchstaben und einigen Hunderttausend Euro Unterschied. Lutz Hübner, dessen Stücke früher schon mit großem Erfolg im Schauspiel Hannover gespielt wurden, hat eine turbulente Komödie über Menschen zwischen Utopie und Pragmatismus geschrieben. Dass sich in seinem Stück die Bauherren untereinander bestenfalls flüchtig kannten, bevor sie sich zum gemeinsamen Bauen entschlossen, ist dabei fast das kleinere Problem. Denn wenn man zusammen ein Haus baut, kann man sich schon mal kennenlernen…

Bulgarien. Zwei Biografien. Die des Anarchisten Konstantin – zehn Jahre saß er für die Sprengung eines Stalindenkmals in Haft: Lager, Karzer, Zwangsarbeit, Psychiatrie, Kälte- und Hungerfolter, Wanzen, Schläge. Und die seines Folterers Metodi, dem »Michelangelo des Verhörs«, Produkt und Profiteur eines Regimes, das auf das Ressentiment der Zukurzgekommenen setzte und der Brutalität freien Lauf ließ. Doch das ist Jahre her. 1989 wechselt die Regierung, es bricht eine neue Zeit an – zumindest äußerlich. Die Protagonisten der Macht bleiben die gleichen. Sie haben sich ohne größeren Reibungsverlust neu eingerichtet. Erinnerungen sind trügerisch. Und unerwünscht. Konstantin versucht, in den Akten der Staatssicherheit Zeugnisse für das Erlebte zu finden. Er sucht die Wahrheit, zornig und kompromisslos. Seine Unerbittlichkeit wird ihm selbst von Leidensgefährten zum Vorwurf gemacht. Warum zurückschauen? Tatsächlich stößt Konstantin nur auf wenig aussagekräftige Dokumente. Die Sicherheitsbehörden haben gründliche Arbeit geleistet, ihre Arme reichen bis in die Gegenwart. Seine Erfahrungen werden negiert, finden keinen Widerhall. Und so bleiben Opfer und Folterer, Konstantin und Metodi, aneinander gekettet, ihre Biografien auf Lebenszeit miteinander verflochten, makaber aufeinander angewiesen durch die Zeugenschaft, die allein sie sich gegenseitig ablegen können.

Amerika, 19.02.2017, 19.30 Uhr und 12.03.2017, 19.30 Uhr

Der sechzehnjährige Karl Roßmann schwängert ein Dienstmädchen und wird von seinen Eltern kompromisslos nach Amerika verfrachtet. Mit einem Anzug, einem Koffer und einem Stück Veroneser Salami im Gepäck überquert er den Atlantik, um sein Glück im Exil zu suchen. Die Freiheitsstatue begrüßt die Einwanderer neuerdings mit erhobenem Schwert statt mit Fackel, die Vereinigten Staaten liegen fremd und unübersichtlich in ihrem Rücken. Im ständigen Konflikt zwischen Selbstbestimmung und Selbst- beherrschung, zwischen Freiheit und Disziplin, erlebt der Junge Karl Roßmann schon bald die direkte Umkehrung des Amerikanischen Traums: Vom reichen Onkel kurzfristig adoptiert und spontan auch wieder fortgeschickt, wird er vom Landstreicher zum Liftboy und endet schließlich als privater Sklave einer übergewichtigen Opernsängerin. Jede Bemühung, in der Fremde Fuß zu fassen, scheitert am Fremdsein an sich, jeder noch so kleine Fehltritt wird zum konkreten Anlass des sozialen Abstiegs. Erst als das »Naturtheater von Oklahoma« mit Arbeit für jedermann wirbt, überwindet Karl seine Isolationsgefühle und jagt auch diesem letzten Glücksversprechen hinterher. Franz Kafka, selbst nie in den Vereinigten Staaten gewesen, konstruiert sein Amerika anhand von Fotos, Reiseberichten, Zeitungsartikeln und Stummfilmen – bis ihn die schiere Größe seiner Erzählung selbst überfordert: »Er läuft mir auseinander, ich kann ihn nicht mehr umfassen«, schreibt Kafka zu seinem ersten, unvollendeten Roman Amerika.

Hamlet, 22.02.2017, 19.00 Uhr und 16.03.2017, 19.00 Uhr

Etwas ist faul im Staate Dänemark. Prinz Hamlet spürt es in aller Ohnmacht. An seinem Studienort Wittenberg ereilt ihn die Nachricht vom überraschenden Tod seines Vaters. Heimgekehrt nach Helsingör für das Begräbnis, findet er sich auf dem Hochzeitsfest der Mutter mit seinem Onkel wieder. Dieser beerbt durch diese Heirat den Bruder als Herrscher. Hamlet ist bestürzt. Gerüchte und Vermutungen am Hof tun ihr weiteres. Nächtens erscheint ihm der Geist seines Vaters,  der ihm mitteilt, dass er ermordet worden sei und ihn auf Rache einschwört. Getrieben von der Wahrheitssuche, als Fremder in der eigenen Familie, Verschwörungen überall witternd, spielt der junge Prinz den Verrückten und nimmt auf seinem Weg das Risiko in Kauf, Unschuldige zu opfern, um an die Täter zu kommen. Als Vorlage für dieses Drama diente Shakespeare ein nordischer Sagenstoff aus der Historia Danica von Saxo Grammaticus (Ende des 12. Jahrhunderts). Aus ihm entwickelte er über das Genre der klassischen Rachetragödie hinaus ein vielschichtiges Stück über Politik und Gewalt, über Macht und Moral, aber ebenso auch über eine unglückliche Liebe, eine komplizierte Mutter-Sohn-Beziehung und den Kampf der Generationen. Der isländische Regisseur Thorleifur Örn Arnarsson, geboren 1978 und aufgewachsen in einer Theaterfamilie, absolvierte seine Regie-Ausbildung an der Kunstakademie Reykjavik und an der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« in Berlin. Er wird zum ersten Mal am Schauspiel Hannover Regie führen und mit dieser Arbeit auch jener berühmten Inszenierung von Nicolas Stemann gedenken, die er an diesem Haus vor 15 Jahren sah.

Hotel Savoy, 01.03.2017, 19.30 Uhr

»Europäischer als alle anderen Gasthöfe des Ostens scheint mir das Hotel Savoy mit seinen sieben Etagen, seinem goldenen Wappen und einem livrierten Portier. Es verspricht Seife, Wasser, englisches Klosett, Lift, Stubenmädchen in weißen Hauben, freundlich blinkende Nachtgeschirre, wie köstliche Überraschungen in braun-getäfelten Kästchen; elektrische Lampen, aus rosa und grünen Schirmen blühend wie aus Kelchen; schrillende Klingeln, die einem Daumendruck gehorchen; und Betten, daunengepolsterte, schwellend und freudig bereit, den Körper aufzunehmen.«

Maria Stuart, 19.03.2017, 19.30 Uhr

Maria Stuart gelesen durch die Brille von House of Cards. Schillers historischer Politthriller wird mit nur vier Schauspielern erzählt. Lord Leicester zieht wie Frank Underwood in der amerikanischen Serie die Fäden, intrigiert und schmiedet Allianzen. Die katholische Königin von Schottland, Maria Stuart, sitzt im Gefängnis. Sie wähnte sich bei ihrer protestantischen Verwandten Elisabeth, der Königin von England, in Sicherheit. Aber Elisabeth fürchtete Marias Ansprüche auf den englischen Thron und ließ sie inhaftieren. Die Macht zerfrisst die Seele. Hier lügen alle. Marias Sinnlichkeit verführt den jungen Mortimer, für sie Partei zu ergreifen. Er ist ein ehrlich Glaubender und Liebender und wird im Spiel der Intrigen als erster zerrieben. Am Ende stirbt Maria als Märtyrerin. Elisabeth bleibt verhärtet und allein zurück. Die Macht hat ihren Preis.

1917, 28.03.2017, 19.30 Uhr

01.01. Der Wanderprediger Rasputin, Berater des Zaren, wird tot aus der Newa geborgen +++ 15.03. Zar Nikolaus II. dankt ab, 300 Jahre Romanow-Herrschaft in Russland beendet +++ 16.04. Lenin nach einer Reise im plombierten Eisenbahnwagen quer durch Deutschland wieder in Russland +++ 14.09. Die provisorische Regierung unter Alex ander Kerenski erklärt Russland zur Republik +++

25.10. Der Panzerkreuzer Aurora gibt das Signal für die Erstürmung des Winterpalais, Aufstand und Machtübernahme durch die Bolschewiki +++ 08.11. Lenins Dekret über Grund und Boden zugunsten der russischen Landarbeiter veröffentlicht +++

CUMBERLANDSCHE Bühne

Die Nacht von Lissabon, 07.02.2017, 20.00 Uhr

und 17.03.2017, 20.00 Uhr

»Jedes Schiff, das in diesen Monaten des Jahres 1942 Europa verließ, war eine Arche. Der Berg Ararat war Amerika, und die Flut stieg täglich. Die Küste Portugals war die letzte Zuflucht geworden für die Flüchtlinge, denen Gerechtigkeit, Freiheit und Toleranz mehr bedeuteten als Heimat und Existenz. Wer von hier das gelobte Land Amerika nicht erreichen konnte, war verloren. Der Mensch war in dieser Zeit nichts mehr, ein gültiger Pass alles.«

Im Hafen von Lissabon starrt ein Mann sehnsüchtig auf ein Schiff, das für ihn und seine Frau die Rettung sein könnte – wenn er die nötigen Pässe und Gelder besäße. Da bietet ihm ein Unbekannter zwei Schiffspassagen und die nötigen Papiere an, unter einer Bedingung: Er muss zuhören, wenn der Unbekannte die Geschichte seines Lebens erzählt.

Also hört er zu. Die Papiere, die der Unbekannte, der sich Schwarz nennt, anbietet, hat auch er von einem Emigranten »geerbt«. Er war schon 1939 aus einem Konzentrationslager nach Frankreich geflohen. Seine Frau Helen, seine Identität und sein Leben hatte er in Nazideutschland zurücklassen müssen. Doch auch ihn holte der »Emigrantenkoller« ein. Er wagte den mörderischen Weg zurück nach Deutschland, traf Helen in Osnabrück wieder. Doch die Realität des Krieges, Angst und Ungewissheit hatten beide verändert, sie waren einander fremd geworden. Helens Bruder, ein hoher Nazi-Offizier, war auf der Suche nach ihm, er musste erneut fliehen. Aber Helen ließ ihn kein zweites Mal gehen. Die gemeinsame Flucht entwickelte sich zu einer Reise, auf der die beiden Exilanten zu sich selbst und ihre Liebe fanden.

In Lissabon angelangt, begeht die krebskranke Helen Selbstmord. Für Josef Schwarz ergibt es keinen Sinn mehr zu fliehen. Er beschließt, zur Fremdenlegion zu gehen. Am Ende der Nacht verschenkt Schwarz die Papiere, die ihn und seine Frau retten sollten, an den Mann, der ihm eine Nacht lang zuhörte…

Timon aus Athen, 10.02.2017, 20.00 Uhr

und 18.03.2017, 20.00 Uhr

Beim Geld hört die Freundschaft auf, heißt es. Auf den ersten Blick scheint Shakespeares späte Tragödie eine Paraphrase auf diese sprichwörtliche Weisheit. In Timon aus Athen geht es um Geld, um sehr viel Geld. Es wird verschenkt, verschwendet, verweigert, wiedergefunden und missbraucht. Beim Tanz ums Goldene Kalb scheiden sich die Geister, bis schließlich das Menschsein als Ganzes auf dem Spiel steht.

Timon, Besitzer eines großen Vermögens, ist allseits beliebt. Der Grund: seine Großzügigkeit. Schenken ist Timon eine Lust, die ihn zum Ver­schwender macht. Wer Geld braucht, wendet sich an ihn und wird nicht enttäuscht. Künstler, Politiker und Freunde lädt er zu kostspieligen Festen, lässt ihnen üppige Präsente zuteil werden und verteilt großzügig Spenden. Dass auch sein Vermögen nicht unerschöpflich ist, kümmert ihn wenig. Seine Freunde, glaubt er, werden ihm ebenso gern geben, wie er ihnen gibt. Doch als sein Bankrott droht, wenden sich alle, die ihm einst nahe­standen, von ihm ab. Sie verschmähen an ihm, wovon sie zuvor profitierten: Verschwenderisch sei er, seine Freigebigkeit ein Fass ohne Boden... Verbittert lädt Timon seine »Freunde« zu einem letzten Festmahl, bei dem er ihnen Wasser und Steine auftischt, bevor er sie aus seinem Haus treibt. Er selbst zieht in die Wildnis vor der Stadt, um als Einsiedler zu leben. Als er auf der Suche nach Essbarem Gold findet, scheinen sich die Ereignisse zu wiederholen. Wäre da nicht der Feldherr Alkibiades, dessen Rache an Athen Timon zu finanzieren beginnt.

Die Gerechten, 25.02.2017, 20.00 Uhr und 05.03.2017, 20.00 Uhr

Warum wird jemand Terrorist? Sind die moralisch, politisch oder religiös fundierten Rechtfertigungen auch die wirklichen Motive der Täter? Das Attentat, der Aufstand gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung ist moralisch gerechtfertigt. Wer stellt eigentlich die Maßstäbe auf? Darf man es in Kauf nehmen, dass für eine scheinbar gerechte Sache oder beim Anschlag auf einen Tyrannen auch Unschuldige zu Tode kommen? Auch die scheinbar politisch-korrekte Tat muss letztlich jeder vor seiner eigenen Moral, seinem Gewissen verantworten. Albert Camus setzt sich in Die Gerechten genau mit diesem Problemfeld auseinander. Die aufgeworfenen Fragen stellten sich all jenen, die während der deutschen Besetzung Frankreichs im Widerstand kämpften und zu denen auch Camus gehörte. 1949 uraufgeführt, lag der Zweite Weltkrieg erst vier Jahre zurück. Aufstände unterdrückter Kolonialvölker waren nur noch eine Frage der Zeit. Den historischen Hintergrund für Camus’ Auseinandersetzung mit dem Für und Wider einer revolutionären Aktion liefert eine Episode aus dem vorrevolutionären Russland: Am 4. Februar 1905 warf der Revolutionär und Anarchist Iwan Kaliajew eine Bombe auf den Generalgouverneur von Moskau, der sofort tot war. Ein Mitstreiter Kaliajews, Boris Sawinkow, gab 1931 in Paris seine Erinnerungen eines Terroristen heraus. Camus griff den Stoff auf und verarbeitete ihn zu einem Stück. Auch hier heißt der Bombenwerfer Kaliajew, der beim ersten Attentats versuch zögert, weil er sieht, dass der Neffe des Großfürsten mit in der Kutsche sitzt. Kaliajew folgt seinem tiefen moralischen Empfinden, das es verbietet, Kinder zu töten, gefährdet damit aber den Erfolg der revolutionären Sache. Der zweite Versuch gelingt.

Hotel Savoy, 01.03.2017, 19.30 Uhr

»Europäischer als alle anderen Gasthöfe des Ostens scheint mir das Hotel Savoy mit seinen sieben Etagen, seinem goldenen Wappen und einem livrierten Portier. Es verspricht Seife, Wasser, englisches Klosett, Lift, Stubenmädchen in weißen Hauben, freundlich blinkende Nachtgeschirre, wie köstliche Überraschungen in braun-getäfelten Kästchen; elektrische Lampen, aus rosa und grünen Schirmen blühend wie aus Kelchen; schrillende Klingeln, die einem Daumendruck gehorchen; und Betten, daunengepolsterte, schwellend und freudig bereit, den Körper aufzunehmen.«

Das erste Mal nach fünf Jahren hat Gabriel Dan wieder das Gefühl, an den Toren Europas zu stehen. Zwei Jahre verbrachte er im Ersten Weltkrieg an der Ostfront, anschließend drei Jahre in russischer Kriegsgefangen-schaft. Abgerissen und ohne Gepäck strandet er im Hotel Savoy, wo er auf Soldaten, Bankrotteure, Devisenschieber, Millionäre und Varietétänzerinnen trifft. In den oberen Etagen wohnen die Armen, in den unteren die Reichen. Vor ihnen müssen sich nachts junge Mädchen, die nichts mehr zu veräußern haben, in der Hotelbar ausziehen. Das Hotel ist ein Abbild einer aus den Fugen geratenen Zeit, ein Transitraum zwischen Ost und West, in dem sich viele nur auf der Durchreise wähnen und doch zum Bleiben verdammt sind. Alle hoffen auf bessere Zeiten, als der amerikanische Milliardär Bloomfield eintrifft. In der Stadt braut sich unter-dessen ein Arbeiteraufstand zusammen. Revolution. Soldaten schießen, das Hotel brennt und Gabriel bleibt nur, seinen Weg gen Westen fortzusetzen.

Alles ist erleuchtet, 02.03.2017, 20.00 Uhr

Der junge Amerikaner Jonathan reist auf den Spuren seiner Familiengeschichte in die Ukraine. Zusammengepfercht in einem winzigen Auto reisen mit ihm sein Dolmetscher Alexander Perchov, ein großmäuliger Wort­akrobat, der Fahrer des Wagens, Alexanders grantiger Großvater, der behauptet, blind zu sein und dessen neurotische Hündin Sammy Davis Jr. Jr..

Eine kuriose Reise voller Übersetzungsschwierigkeiten, Missverständnisse und Pannen führt die kleine Reisegruppe schließlich an den Ort, an dem Jonathans Großvater einst vor den Nazis gerettet worden sein soll. Doch anstelle eines Städtchens ist dort nichts. Das jüdische Schtetl Trachimbrod wurde ausgelöscht. Was bleibt, ist Leere. Was macht man also mit einer verschwundenen Vergangenheit? Man erfindet sie neu. Und so erzählt Jonathan die Geschichte von Trachimbrod und seiner Herkunft greller, fantastischer und bunter, als es die Wirklichkeit je vermocht hätte. Und Alexander, berauscht von der Kraft des Erzählens, schwingt sich zum Chronisten ihrer Reise auf und tritt als Schalk dem Grauen entgegen, weil »humorvoll die einzige wahrheitliche Art ist, eine traurige Geschichte zu erzählen«. Beide Erzählungen aber führen unweigerlich zurück zu den furchtbaren Geschehnissen der Auslöschung: Kann man die Vergangenheit überschreiben? Und wie »nomadenhaft« darf man mit der Wahrheit verfahren?

Die Aristokraten, 11.03.2017, 20.00 Uhr

In einer vom Krieg zerstörten Stadt flüchten sich eine junge Frau und ein junger Mann in eine verlassene Penthousewohnung. Die Umstände haben auch die beiden zu Feinden gemacht. Vor langer Zeit ist Sascha von Schuras Familie aufgenommen worden. Und Schura hat sich durch den Kriegsschauplatz gekämpft, um sie zu finden. Nun erscheint er, dreckig und mit einem Fisch als einzigem Besitz, bei Sascha, die Champagner im Kühlschrank stehen hat. Draußen will Schura jemanden getötet haben, mit dem beide eine gewaltsame Vergangenheit verbindet. Doch begraben ist der Tote noch lange nicht. Erst recht nicht für Sascha. Es beginnt ein Kampf gegen den Verlust von Zivilisation: Teilt man sein Essen, begräbt man die Toten? Weitermachen oder von vorn anfangen? Es scheint ein Spiel ohne Ausweg zu sein, und die beiden spielen es mit vollem Einsatz. Sasha Marianna Salzmann hat mit Die Aristokraten eine Studie über den dünnen Firnis der Zivilisation in einer entmenschten Gesellschaft geschrieben.

Perplex, 30.03.2017, 20.00 Uhr

Carolin und Philippe kommen aus dem Urlaub zurück. Irgendetwas ist beunruhigend anders. Woher kommt die neue Topfpflanze? Warum funktioniert das Licht nicht mehr? Was macht der Müll unter dem Sofa? Schließlich behauptet das befreundete Paar, das eigentlich während ihrer Abwesenheit nur die Blumen gießen sollte, dies sei ihre Wohnung und setzt Carolin und Philippe kurzerhand vor die Tür.
Damit beginnt ein absurder, albtraumhafter Reigen voller überraschender und komischer Wendungen, in dem die kleine bürgerliche Welt der vier Protagonisten mehr und mehr aus den Fugen gerät. Von Szene zu Szene vollziehen sich surreale Verschiebungen, Beziehungen lösen sich auf und setzen sich neu zusammen. Man spannt einander die Partner aus, trägt Elchskostüme, fällt übereinander her und entdeckt Darwins Evolutionstheorie neu - ohne Rücksicht auf Verluste. Währenddessen wird munter weitergeredet und Normalität behauptet, schlagfertig und pointiert, über jede noch so große private Katastrophe hinweg. Ein fulminantes und sehr komisches Stück über die Auflösung letzter sozialer Sicherheiten.
 erzählt 50 Geschichten von 50 unerreichbaren Orten, von gestrandeten Sklaven, verirrten Entdeckern und hoffnungslosen Romantikern. Thom Luz, Spezialist für feinstoffliche Musiktheaterabende und Sympathisant gescheiterter Existenzen, verwandelt diese poetischen Miniaturen über die Ferne in der Cumberlandschen Galerie, die einst das Heimatmuseum beherbergte, in ein Hörstück. Die Produktion wurde eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2015, im Oktober erschien das vom SFR/WDR produzierte Hörspiel der Inszenierung auf CD, welches mit dem europäischen Medienpreis PRIX EUROPA ausgezeichnet wurde.

Willkommen im ewigen Leben, 16.03.2017, 20.00 Uhr

Abends in der Stammkneipe: Ein Mann tritt ein, bestellt ein Bier am Tresen. Vielleicht ein bisschen müde, vielleicht ein bisschen frustriert beginnt er so zu reden, wie man das am Tresen tut – er erzählt vom Tag auf der Arbeit, den nervigen Vorgesetzten, dem trostlosen Alltag. Langsam zieht er die Zuhörer hinein in die Dunkelheit des dritten Jahrtausends. Michel Houellebecq polarisiert. Der Franzose ist Zivilisationskritiker, Zyniker, verbitterter Romantiker und vor allem einer der schärfsten Denker unserer Zeit. Texte aus seinen ersten vier Romanen bilden die Grundlage für den Kneipenmonolog des Ensemblemitglieds Günther Harder.

                                                                                                                                                                                                                                                 

BALLHOF EINS

Othello, 02.02.2017, 19.30 Uhr

Venedig ist pleite, der Staat lebt auf Pump. Ganz oben sitzt die Polit-Schickeria fett im eigenen Filz, ganz unten murrt das Volk. Kein schönes Geräusch, wenn man zu den Filzläusen gehört. Um die schwelende Wut der Bürger zu besänftigen, schickt Venedigs Elite einen Mann an die Front, der von ganz unten kommt: Othello. Vormals Soldat, jetzt General. An seiner Seite: Desdemona. First  Lady, Traumfrau. Höhere Tochter aus altem venezianischen Geschlecht. Ihre Ehe mit Othello gibt das medienwirksame Bild einer Überwindung all jener Differenzen ab, wie sie den Volkskörper notorisch in Wallungen bringen: reich versus arm, arrogant versus erniedrigt. Klingt gut. Einziges Problem: Othello hat keine Ahnung von Politik. Na, macht nichts. Alles, was ein Dilettant braucht, sind gute Mitarbeiter. Othello hat den besten: Jago. Sein einziger Makel: Er ist weiß. So weiß »wie die Blüte der Baumwolle«, an der sich Generationen von Sklaven die Finger wundgepflückt haben. Das kommt nicht gut in einer politisch korrekten Republik, also befördert Othello statt des »Bleichgesichts« Jago den »Araberhengst« Cassio. Was folgt, ist Eifersucht, Rache und – Mord. Florian Fiedler inszeniert Othello als geschmeidigen Parcours durch das rassistische Nervenleiden einer durch und durch weißen Gesellschaft, in der jeder Angst haben muss, der nächste »Neger« zu sein.

Andorra, 03.02.2017, 19.30 Uhr und 07.03.2017, 19.30 Uhr

Andorra ist ein kleines Land. Die Menschen sind stolz auf ihrer Hände Arbeit, blicken mit sich im Reinen auf die Vergangenheit und zuversichtlich in die Zukunft. Man weiß, was einen guten Andorraner ausmacht und kennt sich deshalb umso besser mit den Schwächen der Zugezogenen aus. Die Andorraner wissen, dass der Jude Andri besser mit Geld als mit Holz umgehen kann – genetisch bedingt. Körperliche und geistige Eigenheiten sieht man ihm großzügig nach. In der örtlichen Fußballmannschaft kann man natürlich nicht viel mit ihm anfangen – genetisch bedingt. Aber macht ja nichts, wir schaffen das! Am Ende der Erfolgsgeschichte ist Andri tot, Andorra weiß und keiner Schuld. Und so sehr man auch versucht, die Ereignisse zu rekapitulieren, es bleibt unaufgeklärt, wer den ersten Stein geworfen hat und warum. Was so ein richtiger Andorraner ist, der muss auch mal vergessen können. Andorra ist schließlich nur ein kleines Land.

1984, 07.02.2017, 19.30 Uhr

Ozeanien 1984, vielleicht auch später. Die Mitbestimmung des Volkes ist abgeschafft. Informationen über das Zeit- und Weltgeschehen werden zugeteilt. Das System hat die Sicherheit zum höchsten Gut erhoben und gewährleistet sie durch die penible Überwachung aller Lebensbereiche. Winston Smith ist ein fleißiger Teil des Systems. Ein Fälscher, der längst archivierte Veröffentlichungen korrigiert, sobald sie mit der Gegenwart nicht mehr übereinstimmen, denn wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert auch die Zukunft. Doch Winston zweifelt. An der Wirklichkeit des andauernden Krieges, den ununterbrochen guten Wirtschaftsmeldungen, der totalen Überwachung, dem plötzlichen Verschwinden von Mitmenschen, der verordneten Vereinsamung. Er lernt Julia kennen und mit ihr ein Leben ohne Angst. Als sie sich entscheiden, gegen das System zu rebellieren, sind sie schon längst in die Schusslinie geraten.

Demian, 16.02.2017, 19.30 Uhr und 15.03.2017, 19.30 Uhr

Die Geschichte einer Jugend. Emil Sinclair, moralisch-religiös erzogen, erliegt der Faszination des Straßenjungen Kromer. Willig lässt er sich von ihm wegen einer harmlosen Lügengeschichte erpressen und gerät in zunehmende Abhängigkeit. Aus diesem Albtraum erlöst ihn erst der neue Mitschüler Max Demian, ein ungewöhnlich frühreifer Junge, der Sinclair mit seinen Ansichten über die hellen und dunklen Anteile im Menschen beeindruckt und den freien Willen predigt. Jeder müsse selbst entscheiden, was erlaubt und was verboten ist, da sich Regeln wie gesellschaftliche Konventionen mit der Zeit ändern und Verbote nur in ihrer jeweiligen Zeit gelten würden. Die Wege beider trennen sich, doch bleibt Demian wichtigster Orientierungspunkt im Leben Sinclairs. Dann bricht der Erste Weltkrieg aus. Die jungen Männer ziehen an die Front. Nach einer Verwundung durch eine Granate trifft Sinclair ein letztes Mal im Lazarett auf Demian, der ebenfalls schwer verletzt wurde. Am nächsten Morgen ist dessen Bett leer.

23 - Nichts ist so wie es scheint, 28.02.2017, 19.30 Uhr

Die Bundesrepublik Deutschland in den 1980er Jahren: Der 19-jährige Schüler Karl Koch ist ein Hacker der ersten Stunde. Mit einem Commodore-PC und einem Akustikkoppler gelingt es ihm gemeinsam mit einem Freund, das damals gerade entstehende Datennetz auszutricksen. Inspiriert von der Romanfigur Hagbard Celine aus der Illuminatus-Trilogie, macht Koch sich auf die Suche nach den Hintergründen politischer und wirtschaftlicher Macht, lässt sich vom sowjetischen Geheimdienst einspannen, auch von Journalisten, hackt sich vor laufender Kamera ins Atomkraftwerk Jülich, gerät ins Visier des deutschen Staatsschutzes, entdeckt die Omnipräsenz der Zahl 23 und befeuert damit seine Verschwörungsfantasie. Dem zunehmenden Druck entflieht er in die Kokainsucht. Paranoide Schübe suchen ihn heim – nicht alle sind unberechtigt. Wiederholt liefert er sich in die Psychiatrie ein, kooperiert mit dem BND, erhält eine neue Identität – schließlich wird seine verkohlte Leiche in einem Waldstück nahe Wolfsburg aufgefunden.

Wie ich Johnny Depps Alien-Braut abschleppte,

01.03.2017, 19.30 Uhr

David ist verliebt. Das Problem: Zelda ist die neue Patientin auf dem »Irrenhof« seines Vater und äußerst gewaltbereit. Außerdem behauptet sie, vom Planeten Vahalal zu kommen und mit einer Mission auf die Erde geschickt worden zu sein. Zelda soll ihren Seelen- verwandten Johnny Depp finden und ihn in den vahalalianischen Zoo bringen. Verrückt oder nicht – David beschließt, der Schönen zu helfen, und wendet sich an seine Stiefschwester Malou, die über diverse prominente Kontakte verfügt. Doch anstelle des Frauenschwarms treffen sie auf eine wilde Horde Vahalalianerinnen, die Zeldas Schlüssel benutzen wollen, um in ihre Heimat zurückzukehren. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn der Schlüssel gilt nur noch 23 Stunden. Wenn die Mission scheitert, muss Zelda für immer auf der Erde bleiben.

Die Physiker, 23.03.2017, 19.30 Uhr

Sitzen drei Irre in der Klapse. Sagt der Eine: Ich bin irre, ich halte mich für Einstein. Sagt der Zweite: Ich bin auch irre, ich halte mich für Newton, obwohl ich Einstein bin. Sagt der Dritte: Ich bin nicht irre, ich tu nur so, damit keiner merkt, dass ich eine physikalische Formel entwickelt habe, mit der man den ganzen Planeten zum Teufel jagen kann. Und jetzt die Preisfrage: Wer ist eigentlich irre? In Dürrenmatts Komödie wird alles, was wir über Normalität und ihr Gegenteil zu wissen glauben, durch den Fleischwolf gedreht. Nicht nur die sogenannte geistige Normalität, sondern auch die sogenannte moralische. Wer ist hier gut, wer böse? Was soll man von einem genialen Wissenschaftler halten, der erst die Weltformel zur Weltvernichtung entwickelt, um sie dann aus ethischen Gründen geheim zu halten? Was von einer Irrenärztin, die durch perfide Strategien an die Formel gelangen will, dabei aber nicht von pathologischer Zerstörungswut beseelt ist, sondern von produktivem Elan? Kann man ja was Gutes machen aus der Formel! Wo wäre die Menschheit, wenn der Erfinder des Faustkeils vor zwei Millionen Jahren gesagt hätte: Nö, das Patent geb ich nicht her, daraus kann man nicht nur ein Werkzeug basteln, sondern auch eine Waffe. Ja, wo wären wir. In der Steinzeit oder im Paradies? Und was steht uns noch bevor, wenn der Wind des Fortschritts weiterhin so kräftig bläst, von der Genmanipulation bis zur Cyberüberwachung? Dürrenmatts heiter klappernde Komödienmaschine zerschnetzelt Werte, Wissen, Weisheiten. Und wie bei jedem Fleischwolf kommt das Große - zum Beispiel die Ethik - unten in kleinen Würstchen wieder raus. Mit Salz und Zwiebeln kann man sich das dann aufs Brot schmieren.

BALLHOF Zwei

Bis hierher lief's noch ganz gut, 12.02.2017, 19.30 Uhr

Eine junge Frau mit libanesischem Hintergrund, die das Herkunftsland ihrer Eltern noch nie besucht hat, fängt plötzlich an, die Schulkorridore mit Hisbollah-Flaggen zu bekritzeln. Der 18-jährige Halbiraner, der sich lange mit Drogen betäubte, besucht nun die Koranschule und trainiert Kampfsport, weil »man das auf der Straße gebrauchen kann«. Eine Sozialarbeiterin bringt es auf den Punkt: »Was ein Staat von einer bestimmten Bevölkerungsgruppe hält, zeigt sich immer darin, wie er diese finanziert.« Für das Junge Schauspiel Hannover entwickelt Ulrike Günther ein Theaterstück, das sich speziell mit der Situation von Jugendlichen in sozialen Brennpunkten Hannovers auseinandersetzt. Dafür hat sie Interviews mit Sozialarbeitern, Lehrern, Jugendlichen und Polizisten geführt. Das Material untersucht, wie Armut, Chancenlosigkeit und das Gefühl des Ausgeschlossenseins dazu führen können, dass Jugendliche in ihrer verzweifelten Identitätssuche beginnen, sich zu radikalisieren. Durch die Übersetzung der konkreten lokalen Verhältnisse in einen Theaterabend lassen sich Phänomene aufzeigen, die über Hannover hinausweisen und eine gesamtdeutsche Situation charakterisieren.

Der gute Mensch von Sezuan, 01.03.2017, 19.30 Uhr

Drei Götter wollen der Welt beweisen, dass es noch gute Menschen gibt und alles so bleiben kann, wie es ist. Doch in Sezuan hilft ihnen nur die Prostituierte Shen Te. Zum Dank entlohnen sie Shen Te großzügig und stürzen die Unglückliche damit ungewollt ins Elend: Sie investiert in einen Tabakladen und wird plötzlich von allen ausgenutzt. Und so gibt sich Shen Te schließlich als ihr eigener Cousin Shui Ta aus, eröffnet eine Tabakfabrik und lässt nun selbst Billigarbeiter für sich schuften. Welche Möglichkeiten hat der Mensch, gut zu handeln? Brecht gibt die Frage direkt ins Publikum. Für ihn steht Sezuan stellvertretend für alle Orte, an denen Menschen von  Menschen ausgebeutet werden.

Auerhaus, 21.03.2017, 19.30 Uhr

Birth, school, work, death. In diese vier Ordner passt das ganze Leben. Als Frieder bei school angekommen ist, will er einen Ordner überspringen, aber der Suizid misslingt und er landet auf der Geschlossenen. Frieder, den alle nur den Bauern nennen, der aussieht »wie ein Spasti«, wenn er lacht. Frieder, der noch nie mit einem Mädchen geschlafen hat und der niemandem sagt, warum er sich umbringen wollte. Da der Arzt ihm empfiehlt, erstmal nicht bei den Eltern zu wohnen, gründet Frieder in dem leerstehenden Haus seines Opas eine Wohngemeinschaft mit seinem Freund Höppner. Außerdem lässt Frieder zusätzlich Pauline, die Pyromanin, die er aus der Klapse kennt, auf dem Dachboden einziehen. Nun beginnt für alle das richtige Leben, mit Aufstehen, selber Frühstück machen, Federball spielen, Essen klauen, Essen kochen und Aufpassen auf Frieder. Eines Tages platzt Harry in das Dorfidyll. Harry ist schon bei work, macht eine Lehre zum Elektriker, hat uneingeschränkten Zugang zu Marihuana und wäre am liebsten eine Drag-Queen. Als diese Drag-Queen ihm die Freundin ausspannt, ist Höppner wenig erfreut. Doch dessen ungeachtet mausert sich das Auerhaus zur Partyzentrale und Frieder setzt erneut zum Sprung an. »Alle Personen sind erfunden, alle Handlungen verjährt«, betont Bov Bjerg, bevor der Roman beginnt – und das gilt vielleicht für die vier Jugendlichen, die in den achtziger Jahren ein westdeutsches Provinznest zum Leben erwecken, weniger aber für den Puls der Zeit, der uns aus dieser Geschichte entgegenschlägt. Eine Hommage an den bittersüßen Vogel Jugend und seine Lieder über Liebe, Lebensmüdigkeit, Freundschaft und Trost. Gestern wie heute und morgen. Eine zeitlich limitierte Kampfansage ans Erwachsenwerden und an alle, die stolz auf ihre birth-, school- und work-Ordner sind.

Monster, 28.03.2017, 19.30 Uhr

Duck ist 16 und die Sorte unscheinbarer Mädchen, die hoffen, eines Tages an der Supermarktkasse von einem berühmten Filmregisseur entdeckt zu werden. Sie sorgt für ihren Vater, einen an Multipler Sklerose erkrankten, kiffenden Ex-Biker, der Computerspiele, Horrorfilme und Fertigpizza liebt und seit dem tödlichen Unfall seiner Frau mit seiner Tochter in einer winzigen Wohnung haust. Ducks Vater weiß, dass sie langsam wirklich Hilfe nötig haben, denn ihm droht die Erblindung. Duck geht mit überbordender Fantasie gegen die soziale Härte ihres Alltags vor: Sie präsentiert ihre Welt mal als Märchen, mal als Talkshow, Musical oder Katastrophenfilm. Als sich eines Tages die Sozialfürsorge anmeldet, um Sie in Obhut zu nehmen, entwickelt das Mädchen einen aberwitzigen Plan, der alle Beteiligten in ein Gewirr aus haar- sträubenden Lügen, wilden Zufällen und hochkomischen Verwechslungen stürzt.


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