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15% Nachlass für Abonnenten

Schauspiel Hannover

Der Tipp für Kurzentschlossene: Das Schauspiel Hannover gewährt Abonnenten 15% Nachlass auf den Ticketgrundpreis für begrenzte Kartenkontingente ausgewählter Veranstaltungen. Das Angebot gilt ausschließlich an den Kassen des Staatstheaters!

Schauspiel Hannover. Gegen Vorlage der AboPlus-Karte gibt es max. zwei Karten pro Veranstaltung in allen Preiskategorien – solange der Vorrat reicht.
Der Rabatt gilt nur auf den vollen Eintrittspreis (nicht auf ermäßigte Preise) und auschließlich an folgenden Vorverkaufsstellen:

  • Opernhaus, Opernplatz 1
    Mo-Fr: 10-19.30 Uhr
  • Schauspielhaus, Prinzenstr. 9
    Mo-Fr: 10-19.30 Uhr, Sa: 10-14 Uhr
  • Telefonische Kartenbestellung:
    (05 11) 99 99 - 11 11

    Mo-Fr: 10-19.30 Uhr, Sa: 10-14 Uhr 

Bei folgenden Veranstaltungen können Sie im Monat Januar sparen:

 SCHAUSPIELHAUS

Macht und Widerstand, 03.01.2017, 19.30 Uhr

Bulgarien. Zwei Biografien. Die des Anarchisten Konstantin – zehn Jahre saß er für die Sprengung eines Stalindenkmals in Haft: Lager, Karzer, Zwangsarbeit, Psychiatrie, Kälte- und Hungerfolter, Wanzen, Schläge. Und die seines Folterers Metodi, dem »Michelangelo des Verhörs«, Produkt und Profiteur eines Regimes, das auf das Ressentiment der Zukurzgekommenen setzte und der Brutalität freien Lauf ließ. Doch das ist Jahre her. 1989 wechselt die Regierung, es bricht eine neue Zeit an – zumindest äußerlich. Die Protagonisten der Macht bleiben die gleichen. Sie haben sich ohne größeren Reibungsverlust neu eingerichtet. Erinnerungen sind trügerisch. Und unerwünscht. Konstantin versucht, in den Akten der Staatssicherheit Zeugnisse für das Erlebte zu finden. Er sucht die Wahrheit, zornig und kompromisslos. Seine Unerbittlichkeit wird ihm selbst von Leidensgefährten zum Vorwurf gemacht. Warum zurückschauen? Tatsächlich stößt Konstantin nur auf wenig aussagekräftige Dokumente. Die Sicherheitsbehörden haben gründliche Arbeit geleistet, ihre Arme reichen bis in die Gegenwart. Seine Erfahrungen werden negiert, finden keinen Widerhall. Und so bleiben Opfer und Folterer, Konstantin und Metodi, aneinander gekettet, ihre Biografien auf Lebenszeit miteinander verflochten, makaber aufeinander angewiesen durch die Zeugenschaft, die allein sie sich gegenseitig ablegen können.

Der Autor und Kosmopolit Ilija Trojanow recherchierte fast zwanzig Jahre, führte Gespräche mit Zeitzeugen, bezog Originaldokumente mit ein. Ein eminent politisches Buch, das ein zeitgeschichtliches Panorama von exemplarischer Gültigkeit entfaltet.

Was ihr wollt, 06.01.2017, 19.30 Uhr

Alles beginnt mit einem Schiffbruch. Auf Illyrien finden sich die Gestrandeten dieser Welt. Ihre Bewohner sind Trauernde, Enttäuschte, ihre Sehnsüchte blieben bislang unerfüllt. Mit Ankunft der jungen Viola, die sich zum Schutz in der Fremde in ihren ertrunken geglaubten Zwillingsbruder verwandelt, flammt das Glücksverlangen aller wieder auf. Sie verliert ihr Herz an den liebeskranken Herzog Orsino, der in ihr jedoch nur den Mann sieht. In seinem Dienst muss sie Liebesschwüre der Gräfin Olivia überbringen, diese will von ihm nichts wissen und verfällt dem betörend schönen Jungen mit den weiblichen Zügen. Verwirrende Spiegeleffekte lassen an der eigenen Identität zweifeln. Doch mit zunehmender Angstlust stürzen sich die Liebenden in das Spiel, das sie nicht verstehen. Oder doch? Ihre Gefühle durchleben sie exzessiv - bis zur schmerzlichen Erkenntnis, die schließlich Schein von Sein trennt. Und dann sind da noch Sir Toby, Haushofmeister Malvolio, Sir Andrew, Olivias Dienstmädchen Maria und der Narr Feste, die ihre Langeweile durch Grausamkeiten zu vertreiben versuchen, durch Späße, die nicht folgenlos bleiben.

Maria Stuart, 08.01.2017, 19.30 Uhr

Maria Stuart gelesen durch die Brille von House of Cards. Schillers historischer Politthriller wird mit nur vier Schauspielern erzählt. Lord Leicester zieht wie Frank Underwood in der amerikanischen Serie die Fäden, intrigiert und schmiedet Allianzen. Die katholische Königin von Schottland, Maria Stuart, sitzt im Gefängnis. Sie wähnte sich bei ihrer protestantischen Verwandten Elisabeth, der Königin von England, in Sicherheit. Aber Elisabeth fürchtete Marias Ansprüche auf den englischen Thron und ließ sie inhaftieren. Die Macht zerfrisst die Seele. Hier lügen alle. Marias Sinnlichkeit verführt den jungen Mortimer, für sie Partei zu ergreifen. Er ist ein ehrlich Glaubender und Liebender und wird im Spiel der Intrigen als erster zerrieben. Am Ende stirbt Maria als Märtyrerin. Elisabeth bleibt verhärtet und allein zurück. Die Macht hat ihren Preis.

Richtfest, 10.01.2017, 19.30 Uhr

«Woll'n auwo wohn'n.»

So lautete ein Transparent-Slogan in einem Hausbesetzer-Comic der frühen 80er Jahre. Inzwischen besetzen Menschen, die «wo» und vor allem «anders» und mit anderen zusammen wohnen wollen, keine Häuser mehr, sie gründen Baugemeinschaften. Zumindest in einem bestimmten Alter, in einem bestimmten Milieu. Eine Baugemeinschaft ist für manche ein Versprechen, für manche eine simple Kosten-Nutzen-Rechnung. Die einen träumen von einem solidarischen Leben, gemeinsamer Kinderbetreuung, Beistand im Alter, die anderen vielleicht nur von einer kostengünstigen Möglichkeit, ihr Traumhaus zu bauen. In jedem Fall muss man sich einigen. Und alle Entscheidungen gemeinsam treffen. Basisdemokratisch. Nach ausgiebiger Diskussion. Und plötzlich ist es auf dem Hausbesitzerplenum doch wieder wie auf dem Hausbesetzerplenum. Nur mit einem Buchstaben und einigen Hunderttausend Euro Unterschied. Lutz Hübner, dessen Stücke früher schon mit großem Erfolg im Schauspiel Hannover gespielt wurden, hat eine turbulente Komödie über Menschen zwischen Utopie und Pragmatismus geschrieben. Dass sich in seinem Stück die Bauherren untereinander bestenfalls flüchtig kannten, bevor sie sich zum gemeinsamen Bauen entschlossen, ist dabei fast das kleinere Problem. Denn wenn man zusammen ein Haus baut, kann man sich schon mal kennenlernen…

Bulgarien. Zwei Biografien. Die des Anarchisten Konstantin – zehn Jahre saß er für die Sprengung eines Stalindenkmals in Haft: Lager, Karzer, Zwangsarbeit, Psychiatrie, Kälte- und Hungerfolter, Wanzen, Schläge. Und die seines Folterers Metodi, dem »Michelangelo des Verhörs«, Produkt und Profiteur eines Regimes, das auf das Ressentiment der Zukurzgekommenen setzte und der Brutalität freien Lauf ließ. Doch das ist Jahre her. 1989 wechselt die Regierung, es bricht eine neue Zeit an – zumindest äußerlich. Die Protagonisten der Macht bleiben die gleichen. Sie haben sich ohne größeren Reibungsverlust neu eingerichtet. Erinnerungen sind trügerisch. Und unerwünscht. Konstantin versucht, in den Akten der Staatssicherheit Zeugnisse für das Erlebte zu finden. Er sucht die Wahrheit, zornig und kompromisslos. Seine Unerbittlichkeit wird ihm selbst von Leidensgefährten zum Vorwurf gemacht. Warum zurückschauen? Tatsächlich stößt Konstantin nur auf wenig aussagekräftige Dokumente. Die Sicherheitsbehörden haben gründliche Arbeit geleistet, ihre Arme reichen bis in die Gegenwart. Seine Erfahrungen werden negiert, finden keinen Widerhall. Und so bleiben Opfer und Folterer, Konstantin und Metodi, aneinander gekettet, ihre Biografien auf Lebenszeit miteinander verflochten, makaber aufeinander angewiesen durch die Zeugenschaft, die allein sie sich gegenseitig ablegen können.

Shockheaded Peter, 24.01.2017, 19.30 Uhr

Wer kennt sie nicht? Die Geschichte vom bösen Friedrich, das zündelnde Paulinchen, den ungelehrigen Daumenlutscher oder Hans-guck-in-die-Luft. Unartig sind sie, hören nicht, strapazieren die Nerven ihrer Eltern, kleine Monster. Ihr Schicksal ist grausam: Daumen ab, Flammentod, Sturz ins Wasser.Das 1844 verfasste Bilderbuch Struwwelpeter prägte die deutsche Kindheits- und Kulturgeschichte. Dieses Panoptikum tiefschwarzer Pädagogik hatte der Frankfurter Kinderarzt und Psychiater Heinrich Hoffmann für seinen dreijährigen Sohn verfasst; er hatte zuvor kein passendes Weihnachtsgeschenk gefunden. 1998 nahmen sich die britischen Theatermacher und Puppenbauer Phelim McDermott und Julian Crouch dieses legendäre Werk vor und entwickelten gemeinsam mit dem Kopf der Kultband The Tiger Lillies eine furiose Junk-Opera für Erwachsene. Mit ihrer Mischung aus Punk, Zirkusklängen und Bänkelsang sowie ihrem britischen Humor ist ihnen ein Wurf gelungen, der weltweit Erfolge feiert.

Amerika, 27.01.2016, 19.30 Uhr

Der sechzehnjährige Karl Roßmann schwängert ein Dienstmädchen und wird von seinen Eltern kompromisslos nach Amerika verfrachtet. Mit einem Anzug, einem Koffer und einem Stück Veroneser Salami im Gepäck überquert er den Atlantik, um sein Glück im Exil zu suchen. Die Freiheitsstatue begrüßt die Einwanderer neuerdings mit erhobenem Schwert statt mit Fackel, die Vereinigten Staaten liegen fremd und unübersichtlich in ihrem Rücken. Im ständigen Konflikt zwischen Selbstbestimmung und Selbst- beherrschung, zwischen Freiheit und Disziplin, erlebt der Junge Karl Roßmann schon bald die direkte Umkehrung des Amerikanischen Traums: Vom reichen Onkel kurzfristig adoptiert und spontan auch wieder fortgeschickt, wird er vom Landstreicher zum Liftboy und endet schließlich als privater Sklave einer übergewichtigen Opernsängerin. Jede Bemühung, in der Fremde Fuß zu fassen, scheitert am Fremdsein an sich, jeder noch so kleine Fehltritt wird zum konkreten Anlass des sozialen Abstiegs. Erst als das »Naturtheater von Oklahoma« mit Arbeit für jedermann wirbt, überwindet Karl seine Isolationsgefühle und jagt auch diesem letzten Glücksversprechen hinterher. Franz Kafka, selbst nie in den Vereinigten Staaten gewesen, konstruiert sein Amerika anhand von Fotos, Reiseberichten, Zeitungsartikeln und Stummfilmen – bis ihn die schiere Größe seiner Erzählung selbst überfordert: »Er läuft mir auseinander, ich kann ihn nicht mehr umfassen«, schreibt Kafka zu seinem ersten, unvollendeten Roman Amerika.

Rocco und seine Brüder, 29.01.2017, 17.00 Uhr

»Well, what can a poor boy do / except to sing for a rock ’n’ roll band.« The Rolling Stones

Entweder Musik oder Sport. Simone boxt sich nach oben. Der Zweitgeborene der Familie Parondi versucht, die einzige sich ihm bietende Möglichkeit zu nutzen, um schnell und effektiv der Armut zu entfliehen und aufzu- steigen: den Boxsport. Gemeinsam mit seiner Mutter und den drei jüngeren Brüdern ist er nach dem Tod des Vaters aus dem Elend Süditaliens ins reiche Mailand geflohen. Dort lebt Vincenzo, der älteste Bruder, der für die Familie das Nötigste organisiert: eine Wohnung und gelegentlich Arbeit. Aber Simone will mehr: Erfolg und Anerkennung – und zwar sofort. Er boxt sich von Sieg zu Sieg. Bis er aus der Bahn  geworfen wird: durch die Liebe zu der Prostituierten Nadia, den Druck, sich immer aufs Neue beweisen zu müssen, die Verführungen seines neuen Lebens und die Erwartungen, die die Familie in ihn setzt. Rocco ist  fest entschlossen, ihn auf den richtigen Weg zurückzuführen und bereit, dafür jedes Opfer zu bringen. Nichts wäre gewonnen im neuen Leben, wenn man einen Bruder auf dem Weg verlöre.

Hotel Savoy, 31.01.2017, 19.30 Uhr

»Europäischer als alle anderen Gasthöfe des Ostens scheint mir das Hotel Savoy mit seinen sieben Etagen, seinem goldenen Wappen und einem livrierten Portier. Es verspricht Seife, Wasser, englisches Klosett, Lift, Stubenmädchen in weißen Hauben, freundlich blinkende Nachtgeschirre, wie köstliche Überraschungen in braun-getäfelten Kästchen; elektrische Lampen, aus rosa und grünen Schirmen blühend wie aus Kelchen; schrillende Klingeln, die einem Daumendruck gehorchen; und Betten, daunengepolsterte, schwellend und freudig bereit, den Körper aufzunehmen.«

Das erste Mal nach fünf Jahren hat Gabriel Dan wieder das Gefühl, an den Toren Europas zu stehen. Zwei Jahre verbrachte er im Ersten Weltkrieg an der Ostfront, anschließend drei Jahre in russischer Kriegsgefangen-schaft. Abgerissen und ohne Gepäck strandet er im Hotel Savoy, wo er auf Soldaten, Bankrotteure, Devisenschieber, Millionäre und Varietétänzerinnen trifft. In den oberen Etagen wohnen die Armen, in den unteren die Reichen. Vor ihnen müssen sich nachts junge Mädchen, die nichts mehr zu veräußern haben, in der Hotelbar ausziehen. Das Hotel ist ein Abbild einer aus den Fugen geratenen Zeit, ein Transitraum zwischen Ost und West, in dem sich viele nur auf der Durchreise wähnen und doch zum Bleiben verdammt sind. Alle hoffen auf bessere Zeiten, als der amerikanische Milliardär Bloomfield eintrifft. In der Stadt braut sich unter-dessen ein Arbeiteraufstand zusammen. Revolution. Soldaten schießen, das Hotel brennt und Gabriel bleibt nur, seinen Weg gen Westen fortzusetzen.

CUMBERLANDSCHE Bühne

Madame Bovary - allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie, 14.01.2017, 20.00 Uhr

Sie: die berühmteste Ehebrecherin der Literaturgeschichte – Emma Bovary. Gustave Flaubert schrieb dieses Sittenbild aus der Provinz ausgehend von einer Zeitungsnotiz. Eine junge Frau aus dem normannischen Ry hatte sich vergiftet. Ihr Leben reichte nicht an ihre Träume heran. Die Monotonie des Alltags zermürbte sie. Auch Madame Bovary litt an der »romantischen Krankheit«. Klavierstunden in der Stadt wurden ihr Vorwand für unsittliche Rendezvous.

Er: der virtuose Gratwanderer zwischen grobem Feinsinn und grandiosem Unfug – Clemens Sienknecht. Er produziert eine weitere Folge der Serie Berühmte Seitensprünge der Weltliteratur und begibt sich mit Hilfe seiner Kollegen auf die musikalische Suche nach der Lösung des Konflikts zwischen der Poesie des Herzens und der Prosa der
Verhältnisse.

Alles ist erleuchtet, 15.01.2017, 20.00 Uhr

Der junge Amerikaner Jonathan reist auf den Spuren seiner Familiengeschichte in die Ukraine. Zusammengepfercht in einem winzigen Auto reisen mit ihm sein Dolmetscher Alexander Perchov, ein großmäuliger Wort­akrobat, der Fahrer des Wagens, Alexanders grantiger Großvater, der behauptet, blind zu sein und dessen neurotische Hündin Sammy Davis Jr. Jr..

Eine kuriose Reise voller Übersetzungsschwierigkeiten, Missverständnisse und Pannen führt die kleine Reisegruppe schließlich an den Ort, an dem Jonathans Großvater einst vor den Nazis gerettet worden sein soll. Doch anstelle eines Städtchens ist dort nichts. Das jüdische Schtetl Trachimbrod wurde ausgelöscht. Was bleibt, ist Leere. Was macht man also mit einer verschwundenen Vergangenheit? Man erfindet sie neu. Und so erzählt Jonathan die Geschichte von Trachimbrod und seiner Herkunft greller, fantastischer und bunter, als es die Wirklichkeit je vermocht hätte. Und Alexander, berauscht von der Kraft des Erzählens, schwingt sich zum Chronisten ihrer Reise auf und tritt als Schalk dem Grauen entgegen, weil »humorvoll die einzige wahrheitliche Art ist, eine traurige Geschichte zu erzählen«. Beide Erzählungen aber führen unweigerlich zurück zu den furchtbaren Geschehnissen der Auslöschung: Kann man die Vergangenheit überschreiben? Und wie »nomadenhaft« darf man mit der Wahrheit verfahren?

Timon aus Athen, 28.01.2017, 20.00 Uhr

Beim Geld hört die Freundschaft auf, heißt es. Auf den ersten Blick scheint Shakespeares späte Tragödie eine Paraphrase auf diese sprichwörtliche Weisheit. In Timon aus Athen geht es um Geld, um sehr viel Geld. Es wird verschenkt, verschwendet, verweigert, wiedergefunden und missbraucht. Beim Tanz ums Goldene Kalb scheiden sich die Geister, bis schließlich das Menschsein als Ganzes auf dem Spiel steht.

Timon, Besitzer eines großen Vermögens, ist allseits beliebt. Der Grund: seine Großzügigkeit. Schenken ist Timon eine Lust, die ihn zum Ver­schwender macht. Wer Geld braucht, wendet sich an ihn und wird nicht enttäuscht. Künstler, Politiker und Freunde lädt er zu kostspieligen Festen, lässt ihnen üppige Präsente zuteil werden und verteilt großzügig Spenden. Dass auch sein Vermögen nicht unerschöpflich ist, kümmert ihn wenig. Seine Freunde, glaubt er, werden ihm ebenso gern geben, wie er ihnen gibt. Doch als sein Bankrott droht, wenden sich alle, die ihm einst nahe­standen, von ihm ab. Sie verschmähen an ihm, wovon sie zuvor profitierten: Verschwenderisch sei er, seine Freigebigkeit ein Fass ohne Boden... Verbittert lädt Timon seine »Freunde« zu einem letzten Festmahl, bei dem er ihnen Wasser und Steine auftischt, bevor er sie aus seinem Haus treibt. Er selbst zieht in die Wildnis vor der Stadt, um als Einsiedler zu leben. Als er auf der Suche nach Essbarem Gold findet, scheinen sich die Ereignisse zu wiederholen. Wäre da nicht der Feldherr Alkibiades, dessen Rache an Athen Timon zu finanzieren beginnt.

Perplex, 29.01.2017, 20.00 Uhr

Carolin und Philippe kommen aus dem Urlaub zurück. Irgendetwas ist beunruhigend anders. Woher kommt die neue Topfpflanze? Warum funktioniert das Licht nicht mehr? Was macht der Müll unter dem Sofa? Schließlich behauptet das befreundete Paars, das eigentlich während ihrer Abwesenheit nur die Blumen gießen sollte, dies sei ihre Wohnung und setzt Carolin und Philippe kurzerhand vor die Tür.
Damit beginnt ein absurder, albtraumhafter Reigen voller überraschender und komischer Wendungen, in dem die kleine bürgerliche Welt der vier Protagonisten mehr und mehr aus den Fugen gerät. Von Szene zu Szene vollziehen sich surreale Verschiebungen, Beziehungen lösen sich auf und setzen sich neu zusammen. Man spannt einander die Partner aus, trägt Elchskostüme, fällt übereinander her und entdeckt Darwins Evolutionstheorie neu - ohne Rücksicht auf Verluste. Währenddessen wird munter weitergeredet und Normalität behauptet, schlagfertig und pointiert, über jede noch so große private Katastrophe hinweg. Ein fulminantes und sehr komisches Stück über die Auflösung letzter sozialer Sicherheiten.
 erzählt 50 Geschichten von 50 unerreichbaren Orten, von gestrandeten Sklaven, verirrten Entdeckern und hoffnungslosen Romantikern. Thom Luz, Spezialist für feinstoffliche Musiktheaterabende und Sympathisant gescheiterter Existenzen, verwandelt diese poetischen Miniaturen über die Ferne in der Cumberlandschen Galerie, die einst das Heimatmuseum beherbergte, in ein Hörstück. Die Produktion wurde eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2015, im Oktober erschien das vom SFR/WDR produzierte Hörspiel der Inszenierung auf CD, welches mit dem europäischen Medienpreis PRIX EUROPA ausgezeichnet wurde.
                                                                                                                                                                                                                                                 

BALLHOF EINS

1984, 07.01.2017, 19.30 Uhr

Ozeanien 1984, vielleicht auch später. Die Mitbestimmung des Volkes ist abgeschafft. Informationen über das Zeit- und Weltgeschehen werden zugeteilt. Das System hat die Sicherheit zum höchsten Gut erhoben und gewährleistet sie durch die penible Überwachung aller Lebensbereiche. Winston Smith ist ein fleißiger Teil des Systems. Ein Fälscher, der längst archivierte Veröffentlichungen korrigiert, sobald sie mit der Gegenwart nicht mehr übereinstimmen, denn wer die Vergangenheit kontrolliert, kontrolliert auch die Zukunft. Doch Winston zweifelt. An der Wirklichkeit des andauernden Krieges, den ununterbrochen guten Wirtschaftsmeldungen, der totalen Überwachung, dem plötzlichen Verschwinden von Mitmenschen, der verordneten Vereinsamung. Er lernt Julia kennen und mit ihr ein Leben ohne Angst. Als sie sich entscheiden, gegen das System zu rebellieren, sind sie schon längst in die Schusslinie geraten.

Othello, 24.01.2017, 19.30 Uhr

Venedig ist pleite, der Staat lebt auf Pump. Ganz oben sitzt die Polit-Schickeria fett im eigenen Filz, ganz unten murrt das Volk. Kein schönes Geräusch, wenn man zu den Filzläusen gehört. Um die schwelende Wut der Bürger zu besänftigen, schickt Venedigs Elite einen Mann an die Front, der von ganz unten kommt: Othello. Vormals Soldat, jetzt General. An seiner Seite: Desdemona. First  Lady, Traumfrau. Höhere Tochter aus altem venezianischen Geschlecht. Ihre Ehe mit Othello gibt das medienwirksame Bild einer Überwindung all jener Differenzen ab, wie sie den Volkskörper notorisch in Wallungen bringen: reich versus arm, arrogant versus erniedrigt. Klingt gut. Einziges Problem: Othello hat keine Ahnung von Politik. Na, macht nichts. Alles, was ein Dilettant braucht, sind gute Mitarbeiter. Othello hat den besten: Jago. Sein einziger Makel: Er ist weiß. So weiß »wie die Blüte der Baumwolle«, an der sich Generationen von Sklaven die Finger wundgepflückt haben. Das kommt nicht gut in einer politisch korrekten Republik, also befördert Othello statt des »Bleichgesichts« Jago den »Araberhengst« Cassio. Was folgt, ist Eifersucht, Rache und – Mord. Florian Fiedler inszeniert Othello als geschmeidigen Parcours durch das rassistische Nervenleiden einer durch und durch weißen Gesellschaft, in der jeder Angst haben muss, der nächste »Neger« zu sein.

Andorra, 25.01.2017, 19.30 Uhr

Andorra ist ein kleines Land. Die Menschen sind stolz auf ihrer Hände Arbeit, blicken mit sich im Reinen auf die Vergangenheit und zuversichtlich in die Zukunft. Man weiß, was einen guten Andorraner ausmacht und kennt sich deshalb umso besser mit den Schwächen der Zugezogenen aus. Die Andorraner wissen, dass der Jude Andri besser mit Geld als mit Holz umgehen kann – genetisch bedingt. Körperliche und geistige Eigenheiten sieht man ihm großzügig nach. In der örtlichen Fußballmannschaft kann man natürlich nicht viel mit ihm anfangen – genetisch bedingt. Aber macht ja nichts, wir schaffen das! Am Ende der Erfolgsgeschichte ist Andri tot, Andorra weiß und keiner Schuld. Und so sehr man auch versucht, die Ereignisse zu rekapitulieren, es bleibt unaufgeklärt, wer den ersten Stein geworfen hat und warum. Was so ein richtiger Andorraner ist, der muss auch mal vergessen können. Andorra ist schließlich nur ein kleines Land.

BALLHOF Zwei

Der gute Mensch von Sezuan, 09.01.2017, 19.30 Uhr

Drei Götter wollen der Welt beweisen, dass es noch gute Menschen gibt und alles so bleiben kann, wie es ist. Doch in Sezuan hilft ihnen nur die Prostituierte Shen Te. Zum Dank entlohnen sie Shen Te großzügig und stürzen die Unglückliche damit ungewollt ins Elend: Sie investiert in einen Tabakladen und wird plötzlich von allen ausgenutzt. Und so gibt sich Shen Te schließlich als ihr eigener Cousin Shui Ta aus, eröffnet eine Tabakfabrik und lässt nun selbst Billigarbeiter für sich schuften. Welche Möglichkeiten hat der Mensch, gut zu handeln? Brecht gibt die Frage direkt ins Publikum. Für ihn steht Sezuan stellvertretend für alle Orte, an denen Menschen von  Menschen ausgebeutet werden.

Und auch so bitterkalt, 13.01.2017, 19.30 Uhr

»Ich möchte euch von einem Gefühl erzählen. Von einem Gefühl, das einem früher oder später abhanden kommt, wenn man nicht aufpasst. Das ist das Gefühl, im Moment zu sein.« Malina hat jemanden, die dieses Gefühl in ihr hervorruft und das ist ihre große Schwester Lucinda. Wenn sie mit Lucinda zusammen ist, fühlt sie sich unbesiegbar. Auf »ihrer« morschen Brücke balancieren sie am Abgrund; gemeinsam fliehen sie sich in Fantasiewelten, verstecken sie sich nachts mit ihren Wunschlisten vor ihren Eltern im Garten, um auf Sternschnuppen zu warten. Dass ihre Schwester alles andere als unbesiegbar ist, muss Malina dann aber am eigenen Leib erfahren: vor ihren Augen verschwindet Lucinda zusehends. Sie isst nicht mehr. Malina bleibt in der harten Realität zurück. Sie muss lernen, ihre Sternschnuppen-Wunschliste alleine zu formulieren. »Ich will, dass du hier bist.« Lucinda ist still.

Bis hierher lief's noch ganz gut, 15.01.2017, 19.30 Uhr

Eine junge Frau mit libanesischem Hintergrund, die das Herkunftsland ihrer Eltern noch nie besucht hat, fängt plötzlich an, die Schulkorridore mit Hisbollah-Flaggen zu bekritzeln. Der 18-jährige Halbiraner, der sich lange mit Drogen betäubte, besucht nun die Koranschule und trainiert Kampfsport, weil »man das auf der Straße gebrauchen kann«. Eine Sozialarbeiterin bringt es auf den Punkt: »Was ein Staat von einer bestimmten Bevölkerungsgruppe hält, zeigt sich immer darin, wie er diese finanziert.« Für das Junge Schauspiel Hannover entwickelt Ulrike Günther ein Theaterstück, das sich speziell mit der Situation von Jugendlichen in sozialen Brennpunkten Hannovers auseinandersetzt. Dafür hat sie Interviews mit Sozialarbeitern, Lehrern, Jugendlichen und Polizisten geführt. Das Material untersucht, wie Armut, Chancenlosigkeit und das Gefühl des Ausgeschlossenseins dazu führen können, dass Jugendliche in ihrer verzweifelten Identitätssuche beginnen, sich zu radikalisieren. Durch die Übersetzung der konkreten lokalen Verhältnisse in einen Theaterabend lassen sich Phänomene aufzeigen, die über Hannover hinausweisen und eine gesamtdeutsche Situation charakterisieren.

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