Ist das Glas halb voll oder halb leer? Die Privatbrauerei Wittinger schluckt die Herrenhäuser Brauerei.
Von Andreas Voigt
Hannover. Diese Empfehlung hatte Insolvenzverwalter Torsten Gutmann nach NP-Infos Mittwoch dem Gläubigerausschuss gegeben, das fünfköpfige Gremium stimmte diesem Vorschlag zu. Die Wittinger Privat-Brauerei gibt es seit 1429, sie beschäftigt rund 110 Mitarbeiter und produziert 365.000 Hektoliter Bier im Jahr. Einziger Braustandort war bislang Wittingen, eine 12.000-Einwohner-Stadt im Landkreis Gifhorn. Als „stabil, seriös“ und „keine schlechte Adresse“ wurde Wittinger gestern beschrieben. Auch stehe die Brauerei für Kontinuität.
Zweiter ernsthafter Kaufinteressent war die Einbecker Brauerei. Aber auch Herrenhäuser-Chef Manfred Middendorff war im Rennen, er wollte unter Aufsicht des Insolvenzverwalters in die Planinsolvenz gehen. Offenbar waren Torsten Gutmann und die Mitglieder des Ausschusses aber mehr an einer schnellen Lösung interessiert als an einer Entschuldung über Jahre – die Mitglieder (Sparkasse, ein Malzlieferant, ein Sekretär der Gewerkschaft NGG, ein Mitarbeiter des Pensionssicherungsvereins, das Finanzamt) vertreten immerhin 90 Prozent der Brauerei-Verbindlichkeiten. Nach NP-Informationen wäre zur Entschuldung der Herrenhäuser Brauerei eine Summe von 9,5 Millionen Euro notwendig gewesen.
Die rund 70 Herrenhäuser-Mitarbeiter hatten noch am Montag erklärt, auf bis zu zehn Prozent ihres Jahresnettogehaltes verzichten zu wollen – wenn die Brauerei eigenständig bleibt und in Planinsolvenz geht.
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