Prof. Dr. Jörg Hartung von der Tieräzrtlichen Hochschule Hannover sorgt sich um den Tierschutz in der Geflügelhaltung. (Archivfoto, 2006)
HANNOVER. „Wir sind an einer Grenze angelangt, wo wir darüber nachdenken müssen, wie wir diese Hochleistungsstiere artgemäß und tierschutzgerecht halten können“, sagte Hartung der Nachrichtenagentur dpa. Er ist Direktor des Institutes für Tierhygiene, Tierschutz und Nutztierethologie an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (TiHo). „Zuchtfortschritt sollte nicht nur auf Leistungssteigerung ausgerichtet sein, sondern besonders auch auf eine Verbesserung der Tiergesundheit, eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber Erkrankungen und auf die Erhaltung des Wohlbefindens der Tiere.“
Die meisten Tierschutz-Probleme hängen aus Sicht Hartungs mit einem zu schnellen Wachstum von Masthähnchen und -puten zusammen. „Wenn die Tiere sehr schnell an Gewicht zulegen und die Knochen nicht rasch genug mitwachsen, kann es leicht zu Skelettdeformationen kommen. Dann ist die Bewegung eingeschränkt und es ist zu vermuten, dass es hier auch zu Schmerzen kommen kann“, sagte Hartung.
Putenmäster stehen derzeit in der Kritik, gegen den Tierschutz zu verstoßen. Die Tierrechtsorganisation Peta und die Opposition im niedersächsischen Landtag werfen dabei der familieneigenen Mastkükenbrüterei von Agrarministerin Astrid Grotelüschen (CDU) vor, in angebliche Tierquälereien verwickelt zu sein.
Die Gesundheit der Tiere hänge maßgeblich auch von guter Stalltechnik und einer optimalen Betreuung in den Betrieben ab. Puten, die nicht mehr laufen könnten und verletzt seien, müssten bei den regelmäßigen Stalldurchgängen erkannt und herausgenommen werden. Bei guten Betrieben in der Hähnchenmast sterben nach Darstellung Hartungs weniger als zwei Prozent der Tiere bei einem Mastdurchgang, das heißt in den fünf bis sechs Wochen, in denen die Tiere aufgezogen werden.
„In den letzten dreißig Jahren hat sich eine Intensivierung in der Geflügelhaltung entwickelt“, sagte der TiHo-Professor. Der früher typische Bauernhof mit Kühen, Schweinen und Geflügel sei heute selten geworden. „Das ist aber noch das traditionelle Bild der meisten Verbraucher.“ Bei Legehennen etwa habe sich die Produktion der Eier enorm erhöht. 1960 legte ein Tier 160 Eier pro Jahr, heute seien es doppelt so viele. Dies mache sich für den Verbraucher in den vergleichsweise niedrigen Preisen bemerkbar. (dpa)
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