DEBATTE: Die Plakatwerbung des Schauspiels am Kröpcke sorgte für Diskussionen.
HANNOVER. Das Publikum nahm das Stück positiv auf, ein paar Zuschauer würdigten die Leistung der fünf Schauspieler sogar mit stehenden Ovationen. Empörung, Widerstand und Aggression liegen gleich zu Beginn des Stücks in der Luft. Eine Videoeinspielung wird auf die Wand projiziert, die eine aufgebrachte Meute während einer Bürgerversammlung in einer Turnhalle zeigt. Es ist der Ausschnitt eines Fernsehbeitrags aus einem Protest von 2008. Es war eine „pogrommäßige Auseinandersetzung“, sagt Thalheim. Die Rufe „Wir sind das Volk“ lässt die Stimmung in der Turnhalle in Berlin-Heinersdorf erst richtig aufkochen. Ganz offen bringen die Gegner ihre Ressentiments zutage. Mitten in dem Tumult befinden sich der Vorsitzende der Bürgerinitiative, ein Pfarrer, ein Konvertit, eine Zugezogene und der Imam der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde.
Im Theaterstück „MOSCHEE DE“ blicken die fiktiven Figuren auf die Ereignisse zurück. Sie stehen für Typen, die sich in jedem Streit wiederfinden und sich auf jede Stadt übertragen lassen, sagt der Dramaturg des Stückes, Aljoscha Begrich. Da ist zum Beispiel der Vorsitzende der Bürgerinitiative (Rainer Frank), der felsenfest der Meinung ist, wenn die Moschee steht, könnten die Moslems den Deutschen ihre Parkplätze wegschnappen. Insbesondere an Freitagen und Feiertagen. Aber das muslimische Gotteshaus könnte seiner Meinung nach noch weitreichendere Folgen für das Leben aller haben. „Die Kuppel könnte den Funkverkehr der Handys stören.“ Außerdem könnte es ein Stützpunkt für Terroristen sein. Ganz bewusst hätten sich die Gemeindemitglieder für das Grundstück in der Einflugschneise eines Berliner Flughafens entschieden. Dort können sie die Flugzeuge ja abschießen, so seine Meinung.
Dank des Moscheestreits hat der Busfahrer aber einen neuen Lebenssinn erfahren. Er hält Reden vor Tausenden von Menschen, die seine Worte mit Applaus huldigen. Er setzt sich intensiv mit dem Islam auseinander und kennt die Suren besser als manch ein Moslem. Davon ist auch der Imam (Sandro Tajouri) überzeugt. Der Vorsitzende ist immer gut vorbereitet und hat immer einen Aktenordner voller Unterlagen bei sich, meint der muslimische Geistliche. „Zum ersten Mal hatte ich Angst um mein Leben in Deutschland“, sagt der Imam rückblickend auf den Streit. Er versucht, durch seine ruhige Haltung den Menschen klar zu machen, das der Islam freundlich gesinnt ist. Aber ihm ist eins bewusst: „Egal, wo wir bauen, wir werden nicht mit Blumen empfangen. Wir beten für Deutschland.“ In Deutschland gebe es eben drei Sachen, die man in der Nachbarschaft nicht haben wolle: Atomkraftwerk, Mülldeponie und eine Moschee. dpa
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Kommentare
eben nur ein Theaterstück... Jens Böning – 28.02.10
Und genau das ist das Problem: Es ist nur ein Theaterstück.Ich hab´es zwar selbst noch nicht gesehen (mach´ich aber noch!) - doch im Gegensatz zum wahren Leben kann man das Theaterstück so ausgehen lassen, dass sich am Ende wieder alle ganz doll lieb haben und alles wieder Friede, Freude Eierkuchen ist.
So einfach ist das.