Zum Auftakt der bundesweiten Bildungsstreik-Woche besetzten knapp 300 Demonstranten das Uni-Gebäudes am Schneiderberg. Dienstag gibts weitere Aktionen, Kundgebung ist am Mittwoch am Klagesmarkt.
Proteste: Schüler haben sich in einem Raum verbarrikadiert.
VON KRISTINA MILICEVIC (Text) UND PATRICE KUNTE (Fotoshow)
Montag, 12.30 Uhr am Schneiderberg (Nordstadt): Knapp 200 Schüler und Studenten stürmen das Universitätsgebäude, besetzen und blockieren Seminarräume und Büros – einige blieben über Nacht. Der hannoversche Auftakt zur bundesweiten Aktionswoche für bessere Lernbedingungen an Schulen und Universitäten blieb überwiegend friedlich.
Mit Workshops und Gesprächsrunden wurde auf die Haupt-Demo am Mittwoch eingestimmt – in Hannover findet eine Kundgebung am Klagesmarkt statt. Für Dienstag und den Rest der Woche sind weitere Aktionen geplant.
Erst am Abend soll es laut der Studentenvertretung AStA zu einem kleinen Handgemenge zwischen einem Dozenten und einem Demonstranten gekommen sein. „Wir waren von der Aktion überrumpelt, sind grundsätzlich aber nicht gegen studentische Aktionen – solange sie friedlich sind“, so eine Sprecherin der Leibniz-Uni.
Organisiert werden die Demos vom Bildungsbündnis Hannover und der Studentengruppe „B-Team“, unterstützt von unter anderem der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW), der Grüne Jugend und des Landesschülerrats. Geplant war lediglich eine Streikwache, die Besetzung des Uni-Gebäudes am Schneiderberg war eine spontane Entscheidung. „Die Wahl des Gebäudes war aber kein Zufall“, so Nathan Maurer (22), ein Sprecher des Bildungsbündnisses, „mit Politik- und Sozialwissenschaften sitzen hier vor allem kritisch ausgerichtete Institute – das passt.“
Die zentralen Forderungen der Protest-Woche: Mehr eigenständige, selbstverwaltete Studierenden- und Schülervertretungen, Abschaffung der Studiengebühren, kleinere Klassen und kein Abitur nach zwölf Jahren an Gesamtschulen, über das der niedersächsische Landtag diese Woche entscheiden will. „Bildung muss für jeden leicht zugänglich sein, außerdem muss der Druck durch die neuen verschulten Studiengänge abnehmen“, so Studentin Julia Amthor (20) bei der Demo.
In der IGS Linden und in der Lutherschule (Nordstadt) sollen Lehrkräfte Schüler kurzzeitig im Schulgebäude festgehalten haben, um sie von der Demo fernzuhalten. IGS-Schülerin Milena Hagemann (14): „Wir haben es trotzdem geschafft, viele unserer Mitschüler zu mobilisieren.“
Kommentare
Rxt Schneiderbergprotest – 17.06.09
Über die inhaltliche Ausgestaltung und Planung des Streiks am Schneiderberg aus Sicht der Streikenden kann man nicht meckern. Auch die Teilnahme der Schüler ist meiner Meinung nach zumindest bedingt gerechtfertigt, da sie später die Grütze ausbaden müssen. Jedoch die Abschaffung der Noten ist wirklich etwas sinnfrei und utopisch gedacht. Feste Richtlinien der Bewertung sind doch für jeden Arbeitgeber wichtig, um zumindest einige objektive Richtlinien zur Einstellung von Bewerbern zu haben.Trotzdem denke ich, dass gerade die Leute, die sich der momentanen Lage einigermaßen bewußt sind und ihr Studium dem Streben nach Veränderung gewitmet haben (also Powis und Sowis) hier die Leittragenden sind. Irgendwer muss bei Streiks immmer benachteiligt sein, dass steht außer Diskussiuon, aber hier sind es irgendwie die Falschen, außer ihr wollt den Schneiderberg mit seinen teilweise miserablen Studienbedingungen ins Fernsehen bekommen um zu sagen: Sehr her hier sitzt eure zukünftige politische und gesellschaftswissenschaftliche Elite. Wir wären gradezu ein Musterbeispiel. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Es gibt auch Leute die sich von dem Streik distanzieren Politik-Student – 16.06.09
Ihr müsst aber auch bedenken, dass es einige gibt, die sich von dem Streik distanzieren. Ihr zwingt anderen Leuten euren Streik auf, indem ihr verhindert, dass wir unserem Studium nachgehen können. Und ja, so unzufrieden bin ich mit unserem Bildungssystem nicht. Klar gibt es Sachen wie z.B. die Studiengebühren über die man diskutieren kann. Aber das ernsthaft befordert wird, über die Abschaffung von Noten nachzudenken, ist ja wohl völliger Schwachsinn. Auch ein Student muss etwas leisten und das muss irgendwie überprüft werden. Schließlich kostet ein Studium wesentlich mehr als durch Studiengebühren entrichtet wird und es ist niemand anderes als der Steuerzahler der diese Kosten trägt. Und das ihr auch nicht von Sachbeschädigungen distanziert sprich eine deutliche Sprache...da bringt es auch nichts wenn man den Schaden notdürftig überstreicht. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenantwort besetzer – 16.06.09
Also zunächst erstmal zur Info die Räume bleiben bis Freitag besetzt.Dann will ich auf einige der Argumente gegen die Besetzung hier eingehen.
1. Gab es keinerlei Sachbeschädigungen! In einem! Raum wurde gesprüht, wovon sich die BesetzerInnen zwar nicht distanzieren werden aber bereits zugesagt haben, dass dies bis Freitag überstrichen wird.
2. Die Räume werden nicht sinnlos blockiert. es finden den ganzen tag über Workshops, von den DozentInnen geöffnete thematische Veranstaltungen, Demovorbereitungen, interessante Diskussionen uvm. statt.
JedeR kann sich einbringen und ist eingeladen.
3. das Leute jünger als irgendwer anderes sind ist kein Argument. außerdem beteiligen sich selbstverständlich auch Studierende. das sich an den Protesten mehr SchülerInnen beteiligen sollte jedem kritischem Studenten eher peinlich sein. auf jedenfall kann man das dann nicht auch noch den Demonstrierenden vorhalten.
4. Wenn es genügend selbstverwaltete, unkommerzielle Räume gäbe in denen alle Menschen selbstbestimmt diskutieren, Widerstand aufbauen, und ihr Leben in die eigenen Hände nehmen könnten müsste auch nichts besetzt werden.
5. bildet euch nicht soviel auf eure credit points und eure karriere ein. Die Krisenhaftigkeit der aktuellen Wirtschaftsordnung wird sich weiter zuspitzen da hilft euch das alles garnicht. ihr solltet lieber anfangen solidarische strukturen aufzubauen und euch mit allen Betroffenen zu organisieren.
Liebe grüße Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Schneiderbergproteste: Gegen wen??? Rxt – 16.06.09
@politik - Student und Student! Ihr habt so recht!!! Absolut die falsche Zielgruppe gewählt. Den Sozialwissenschaftlern geht es ähnlich: Prüfungen stehen an, entscheidende Fragen sind noch offen und die letzten auch nur begehbaren Arbeitsäume werden noch demoliert. Nichts gegen solche Aktionen, aber....wo ich der Gegner??? Ich bin es nicht und kann auch nichts dafür. Ich kenne die Problematik und muss deswegen nicht meine eigene Wirkungsstätte/Hauptquartier auseinander nehmen. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenEs trifft die Falschen Politik-Student – 16.06.09
Ob der Streik gerechtfertigt ist oder nicht, darauf möchte ich in diesem Kommentar garnicht eingehen. Meiner Meinung nach trifft der Streik jedoch die falschen. Die Räume am Schneiderberg werden hauptsächlich von Schüler besetzt. Obendrein sind einige, erst vor zwei Jahren renovierte Räume, massiv mit Graffiti besprüht worden. Vielen Dank, dass ich in so welchen beschmierten Räume ab sofort Seminare hab! Des Weiteren ist der Zeitpunkt äußerst schlecht gewählt, immerhin sind in zwei Wochen Klausuren...Außerdem möchte ich auch, wenn ich schon Studiengebühren zahle, etwas davon haben und nicht vor blockierten Räumen stehen und mir von wesentlich Jüngeren sagen lassen, dass ich heute nicht reingelassen werde. Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenWas ist Morgen, Mitwoch am Schneiderberg? ein Student! – 16.06.09
Vielleicht kannst Du mir ja dann auch sagen ob ihr morgen den Schneiderberg auch wieder dicht macht. Habe da nämlich am Abend ein Seminar und keine Lust wieder umsonst anzureisen!Danke Dir Auf diesen Kommentar antworten Kommentar melden
Und wieder sicher nicht die Richtigen getroffen ein Student! – 16.06.09
Ich verstehe halt immer noch nicht was es bringt andere Studenten vom lernen abzuhalten wenn ich für mehr Bildung bin! Hat Streik nicht auch was damit zu tun die "Gegenseite" damit zu treffen? Die einzigen die benachteiligt werden sind die Kommilitonen die nicht in ihre Seminare kommen und nun noch eine Woche ans Semester dranhängen dürfen, DANKE!! Wie wäre es dann mal mit ein bisschen Fantasie gewesen? Vielleicht die Verwaltung im Hauptgebäude besetzen oder was vor dem Kultusministerium und damit deren Freiraum so einschränke wie der der Studenten von denen eingeschränkt wird?
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Widerstand und Selbstorganisation sind viel arbeit.. Besetzer – 16.06.09
Was du da schreibst ist doch total undifferenzierter Quatsch. Ich bin im besetzten Unigebäude und in den letzten beiden Tagen haben wir uns die Räume hier angeeignet um selbstorganisiert Workshops anzubieten, die Demo morgen vorzubereiten und die Diskussion zu führen was für ein Bildungssystem und was für eine Gesellschaft wir wollen. Daran haben sich an beiden Tagen mehrere hundert Leute beteiligt darunter auch einige DozentInnen. Hat nichts damit sich nicht selber mühe zu geben sondern ist sehr viel arbeit!! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenpah! btw – 16.06.09
erstmals an die eigene Nase packen und sich selbst Mühe geben, bevor man wieder demonstriert, dass der Staat einem den Ars.. nachträgt! Auf diesen Kommentar antworten Kommentar meldenKommentar schreiben