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Vor 550 Gästen

Deutschlands größte liberale Synagoge eingeweiht

Zwei Tage vor dem Holocaust-Gedenktag ist am Sonntag in Hannover Deutschlands größte liberale Synagoge in einer ausgedienten evangelischen Kirche ihrer Bestimmung übergeben worden.
© Surrey

„Es ist etwas Besonderes, wenn sich jüdisches Leben so eindrucksvoll bei uns entfaltet“, sagte Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) bei der Einweihungsfeier vor rund 550 Gästen. „Ich weiß, dass Ihre Gemeinde zu einer friedlichen und gedeihlichen Zusammenarbeit in unserem Land beiträgt.“ Das Gebäude war in den vergangenen beiden Jahren für rund 3,3 Millionen Euro zum jüdischen Gemeindezentrum „Etz Chaim“ (Baum des Lebens) umgebaut worden.

Die Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, nannte es einen „heiklen, mutigen Beschluss“, die ehemalige Gustav-Adolf-Kirche aus dem Jahr 1968 zur Synagoge umzuwandeln: „Damit wurde ein neuer, lange undenkbarer Weg eingeschlagen.“ Der Umbau habe den Dialog zwischen Juden und Christen auf ungeahnte Weise neu belebt. „Beim Einzug der Thora-Rollen empfinden wir Freude und Stolz über das Wachsen und Blühen des Gemeindelebens“, sagte Knobloch. Dennoch werde die Dankbarkeit auf immer verbunden bleiben mit der Trauer über die unzähligen Juden, die während der NS-Zeit von Deutschen qualvoll ermordet worden seien.

Auch die evangelische Landesbischöfin Margot Käßmann erinnerte an den Nationalsozialismus und die Reichspogromnacht von 1938: „Wir haben als Kirche Schuld auf uns geladen, als wir schweigend die Zerstörung der Synagogen hingenommen haben.“ Mehr als 70 Jahre später sei es für Christinnen und Christen ein Anlass zur Freude, dass eine Synagoge in einer früheren Kirche eingeweiht werde. Christen und Juden seien miteinander verbunden, weil Jesus ein Jude gewesen sei.

Käßmann hob hervor, dass die liberale jüdische Gemeinde von Anfang an das Gespräch mit den christlichen Gemeinden gesucht habe. „Natürlich schmerzt es eine Kirchengemeinde, ein Gotteshaus schließen zu müssen“, sagte sie. Doch die Gustav-Adolf-Gemeinde habe den größten Schmerz überwunden. Sie sei nun Teil der Nachbargemeinde und höre dort ihre früheren Glocken.

Die hannoversche Gemeindevorsitzende Ingrid Wettberg sagte, das neue Zentrum solle ein offenes Haus sein, keine geschlossene Einrichtung nur für Juden: „Mit diesem schönen Gebäude hat das liberale Judentum in Niedersachsen nach den Zerstörungen des Nationalsozialismus wieder Fuß gefasst und eine neue Basis gewonnen.“ Der „Baum des Lebens“ mit seinen vielen Ästen und Zweigen stehe symbolisch für die Gemeinde mit ihren mehr als 600 Mitgliedern aus 14 Nationen, sagte sie in Anspielung auf den Namen des Synagoge: „Die Mitglieder sollen sich hier geborgen fühlen wie unter einem großen Baum.“ Bei der Einweihung führte die Gemeinde zugleich ihren neuen Rabbiner Gabor Lengyel in sein Amt ein.


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