A-ha-Effekt: Sänger Morten Harket tat beim Konzert in Hannovers TUI-Arena so, als sei er 20 - und das durchaus glaubhaft.
Von Fabian Mast
Hannover. Große Worte sind ihre Sache nicht. Was gesagt werden muss, wird gesungen – Small Talk mit dem Publikum können andere besser als a-ha, von großen Traueransprachen ganz zu schweigen. „Enke R.I.P.“ flimmert kurz vor Konzertende auf der Leinwand, doch dann rollt schon der „Cry Wolf“ an und erstickt dankenswerterweise die Gedanken an die Schwermut.
A-ha kam als Wohlfühl-Medizin nach Hannover in die TUI-Arena, und der Patient – 6000 Besucher – ließ sich nur zu gern genesen. Wie die Zuschauer im Innenraum die Stuhlreihen ignorierten, war schon bemerkenswert – das Konzert war eine rauschende Party, die im Wesentlichen am Bühnenrand stieg, Auge in Auge mit dem ewig-juvenilen Sänger Morten Harket.
50! Wie macht dieser gertenschlanke Mann das in diesem Alter nur? Das lange „Left to aaaaaask“ am Ende von „Summer moved on“ braucht normalerweise eine Pferdelunge (oder die entsprechende Nachbearbeitung am Mischpult), doch Harket stößt es immer noch mühelos heraus, als puste er nur eine Kerze aus. Das Falsett klingt fast so glockenhell wie zu „Take-on-me"-Zeiten und wirft die Frage auf, in welchem norwegischen Jungbrunnen das Trio wohl geplanscht hat.
Die Zeit hatte keinen Zutritt an diesem Abend. Mittdreißiger wurden zu Teenies, und Magne Furuholmens Keyboard spuckte nach Kräften die Achtziger durch die Halle. Pixelige Pacman-Verwandte krochen bei „Dream Myself Alive“ über die Videoleinwand, als hätte jemand seinen Commodore angeschlossen. Die glitzer-grauen Anzüge, die die Musiker zumindest zu Beginn noch trugen, hatten sie vermutlich in der Retro-Abteilung gekauft – andererseits war es für Norwegen-Pullis auch einfach zu heiß in der Halle.
Alles wie damals
Ebenso die Musik: Sie klang wie damals (sie tut es ja auch auf dem aktuellen Album „Foot of the Mountain“) – a-ha ließ sich da auf wenig Experimente ein. Schade eigentlich. Man hätte zum Beispiel „Manhattan Skyline“ (gesungen mit einem Megafon) ein krachendes Gitarrensolo gegönnt, und auch Gitarrist Pal Waaktaar (48) hüpfte dazu, als könnte er gerade nicht, wie er gerne wollte. Wenigstens wagte a-ha bei „And you tell me“ dann mal einen unplugged-Ausflug, wobei der Song auch als Albumversion recht schnörkellos daherkommt. Das Publikum lechzte nach mehr – und bekam erst in der Zugabe bei „Living Daylights“ das Mikro entgegengestreckt (ein Angebot, das es nicht abschlagen konnte).
Es war längst der Moment gekommen, als auch die Stühle auf den Tribünen überflüssig wurden. Und auch der Vordermann, der „natürlich nur wegen seiner Frau“ in die TUI-Arena gekommen war, hat sein Weizenbier abgestellt, weil seine Hände beim aufgerockten Finalsong „Take on Me“ nicht anders können als klatschen. Sie alle, Band und Zuschauer, entschwebten jetzt gemeinsam der Gegenwart, im Tanzschritt in Richtung Erinnerung. Eine gemeinsame Zukunft gibt es nicht mehr, a-ha tourt weiter bis nach Oslo und löst sich danach auf – die Reunion in zehn Jahren will schließlich vorbereitet werden.
Bewertung: 4/5.
| Städtewetter |
| Ihre Stadt/Ihr Ort |
Tagestemperatur |
|
Nachttemperatur |
|
Regenprognose |
|
Windstärke |
|
Pollenflug |
|
Kommentare
super! flo – 17.11.09
ich war auch dort. Es war super!a-ha Fans wollten tanzen!!! Najla – 16.11.09
Was für ein schönes Konzert, was für eine Band. Die Mischung aus alten und neuen Stücken hat mir sehr gut gefallen.Wer hatte nur die irrwitzige Idee gehabt, den Innenraum zu bestuhlen??? Es war klar, dass mit dem ersten Takt der Band a-ha alle Fans aufstehen würden. Warum haben die beiden "Ordnerinnen" nur krampfhaft versucht, mich am tanzen zu hindern. So ein Quatsch!!! Es war auch klar, dass Morten Harket so gegen Mitte des Konzertes die Fans nach vorne winken wird. So ist es dann auch geschehen, as I told you. Lasst doch das nächste Mal die Stühle weg und hindert die Leute nicht daran, bei einem Pop-Rock-Konzert zu tanzen.
Najla