Verdi-Chef Frank Bsirske verteidigt bei einer Kundgebung in Hannover die hohen Lohnforderungen.
Hannover. Im Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes hat Verdi-Chef Frank Bsirske kurz vor der nächsten Verhandlungsrunde die Arbeitgeber zum Einlenken aufgefordert. „Die Arbeitgeber müssen sich endlich in Bewegung setzen“, sagte Bsirske am Montag bei einer Kundgebung in Hannover. Er wies die Kritik von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zurück, der die Forderungen der Gewerkschaft nach 5 Prozent mehr Geld zuvor als „maßlos“ bezeichnet hatte. „Lohnerhöhungen für die rund zwei Millionen Beschäftigten kurbeln die Wirtschaft besser an, als Steuergeschenke für Hoteliers und reiche Erben“, so der Gewerkschaftschef.
Insgesamt traten am Montag bundesweit mehr als 25 000 Beschäftigte erneut in den Warnstreik, der Fokus der befristen Arbeitsniederlegungen lag in Norddeutschland.
In Niedersachsen und Rheinland-Pfalz sorgten die Warnstreiks einiger Verkehrsbetriebe für Staus und Beeinträchtigungen. Betroffen waren außerdem Städte in Schleswig-Holstein, Hamburg, Thüringen, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Auch hier blieben Stadtreinigungen, Winterdienste, Arbeitsagenturen, Krankenhäuser und Kitas geschlossen oder arbeiteten in Notbesetzungen.
Grund für die Warnstreiks sind die stockenden Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst: Die Gewerkschaften fordern für die Beschäftigten von Bund und Kommunen die Übernahme von Auszubildenden, eine flexible Altersteilzeit sowie Einkommenszuwächse in einem Gesamtvolumen von fünf Prozent. Die Arbeitgeber halten das für weit überzogen. Die Verhandlungen sollen an diesem Mittwoch in Potsdam in die dritte Runde gehen.
In der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover zogen am Montag laut Polizei etwa 14 000 Teilnehmer mit Trillerpfeifen und Plakaten bei klirrender Kälte durch die Innenstadt und forderten von den Kommunen Bewegung im Tarifkonflikt. In Mainz war der Nahverkehr stark betroffen. Laut Verdi fuhren von Dienstbeginn an keine Busse, auch die Straßenbahnen seien im Depot geblieben. Die Gewerkschaft hatte auch die Mitarbeiter von zahlreichen Kindergärten sowie die Beschäftigten der Müllabfuhren zum Ausstand aufgerufen.
Für Dienstag hat Verdi Warnstreiks besonders in Berlin angekündigt. In Kitas, Bezirksämtern, Senatsverwaltungen und auch bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) soll der Betrieb weitgehend ruhen. dpa
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Kommentare
Streiks - Tarifverhandlungen Angestellte Ö.D. – 10.02.10
Von diesen Tarifverhandlungen bin ich nicht betroffen, aber ich arbeite als Angestellte im öffentlichen Dienst. Trotz einer sehr qualifizierten Berufsausbildung(Fachhochschulstudium) und langer Berufserfahrung bekomme ich weniger Gehalte als manch schlechter qualifizierter Arbeiter in der Industrie, muss mir überlegen, ob ich mir Kleinwagen samt Zweizimmerwohung in Stadtrandlage leisten kann und fahre kaum und wenn doch sehr günstig in Urlaub. Um meine Stelle musste ich jahrelang kämpfen - soviel zu Arbeitsplatzsicherheit. Natürlich gibt es gut bis überbezahlte Angestellte im Ö.D. - wie in jedem Unternehmen auch. Übrigens: Ich arbeite viel und kann mich dahingehend durchaus mit Mitarbeitern in der Industrie vergleichen. Überstunden sind für mich normal, Abendtermine Pflicht. In den letzte Jahren ist das Gehalt für meinen Berufsstand durch Wegfall von Altersstufen aber massiv abgefallen. Ich bin dabei, mich beruflich umzuorientieren. Viele gute Mitarbeiter werden dem öffentlichen Dienst unter den gegebenen Bedingungen abhanden kommen. Darum halte ich die Forderungen der Gewerkschaft nicht für überzogen.Streik thorsten – 09.02.10
Mir scheint, all zu viele Leute haben vergessen, welchen Sinn und Zweck Warnstreiks haben und wie hart unser ALLER Recht auf Streik einst erkämpft wurde. Einige Kommentare hier stimmen mich zutiefst nachdenklich über den Verlust der Solidarität in der Gesellschaft.Wenn ich die Leistungen der Kolleginnen und Kollegen im öffentlichen Dienst anschaue, vor allen in Kigas und Krankenhäusern, bei der Stadtreinigung, etc. und erlebe wie wenig Geld diese für ihre, teilweise schwierigen Arbeitsbedingungen verdienen, habe ich vollstes Versändniss für die geforderten Lohnerhöhungen. Ich empfehle einigen Vorpostern darüber nachzudenken, falls sie wieder einmal in die Situation kommen, über gestresstes und überlastetes Pflege- und Betreuungspersonal in Krankenhaus oder zu spät geräumte Strassen im Winter zu hetzen.
Streik Andreas – 08.02.10
Die Mehrheit derjenigen, die mit zum streiken gehen, haben doch einfach keinen Bock zu arbeiten. So ist es doch! In der freien Wirtschaft würde KEINER von denen auch nur 1 Woche mit so einer Einstellung überleben. Erst mal Leistung bringen - z.B. im öffentlichen Dienst - Vorgänge schneller bearbeiten, Freundlichkeit und Zuverlässigkeit präsentieren. Dann können wir auch mal über mehr Gehalt/Lohn reden. Herr Bsirske, hören Sie endlich auf zu hetzen!!! Bezahlen Sie die Mehrkosten und Aufwendungen der Menschen, die sich heute ein Taxi nehmen mussten weil der Bus oder die Bahn nicht kam z.B.? Arbeitet lieber, dann kommt Ihr nicht auf dumme Gedanken!dummkopf heide petit – 08.02.10
sie sind sicher so einer von denen, die sich gut "unter"ordnen. tja, so ist.Streiktag schorse – 08.02.10
@ Andreas J.: " Die Mehrzahl derMenschen hat Verständnis für den
Streik " . Eher eine Meinung als eine Tatsache. Die Lohnforderungen
sind viel zu hoch und hier wird so getan als ob " alle im öffentlichen
Dienst " an der Armutzgrenze leben.
Lächerlich! Warum setzen die anderen
Gewerkschaften nicht ihre Lohnforderungen so hoch ? Weil diese
auf Arbeitsplatzsicherung setzen.
Das ist vernünftig und klug. Herr
Weil hat recht wenn er sagt das es
Entlassungen gibt sollten die
Forderungen eintreffen. Aber jammert
dann nicht denn dann seid ihr selbst Schuld.
Streik!! Andreasj.hannover – 08.02.10
Ich weiss ja nicht in welchen Beruf sie arbeiten aber sie verdienen sicherlich sehr gutes Geld einer der wenig Möglichkeiten die wir haben ist der Streik!!Eine andere Möglichkeit gibt es noch wir schaffen Gewerkschaft und Streiks ab und der Arbeitgeber bestimmt unser Lohn dann müssen wir noch Geld mitbringenstreik ???die unkreativste art sich zu äußern heide petit – 08.02.10
tja liebe freunde. für ein paar euro zusätzlich sollten doch die ideen kreativer sein,oder? kleben sie doch bitte nicht so an den lippen von herrlein bsirske. wie arm!!Tarifverhandlungen 2010 Andreasj Hannover – 08.02.10
Wir fahren schon seit 20 Jahren nur Nullrunden in Öffenlichen Dienst die geringen Erhöungen friest die Inflation wieder auf.Mein Arbeitsplatz ist ständig von Privattesierung bedroht,mit meinen Gehalt komme ich gerade über die Runden ich will nicht nur jammern aber die Mehrahl der Befölkerung hatte heute Verständnis für unseren WahnstreikErzieherInnen-Nachwuchs fehlt Georg Weil – 08.02.10
Der drohende Nachwuchsmangel an Erzieherinnen und Erziehern gefährdet den dringend gebotenen Krippenausbau.Selbst wenn die Kommunen bereit wären, ihren Verpflichtungen zum Krippenausbau unverzüglich nachzukommen, droht deren Ausbau daran zu scheitern, dass nicht genug Erzieherinnen und Erzieher ausgebildet werden.
Schuld daran sind einerseits fehlende Ausbildungskapazitäten aber auch die Tatsache, dass ErzieherInnen- und Erzieher zu wenig verdienen.
Wenn in dieser Situation Innenminister Thomas de Maizière (CDU)mit höheren Kita-Gebühren droht, so ist das in hohem Maße zynisch. Weiß er doch genau, dass sich aufgrund der geringen Entlohnung am Nachwuchskräfte-Mangel nichts ändern wird.
Das Ergebnis dieser zynischen Politik kann sich aus Thomas der Maizieres Sicht sehen lassen. Die Gewerkschaftsforderungen sieht er als Auslöser für eine Gebührenerhöhung. In Anbetracht der hohen Gebühren schrecken Eltern davor zurück ihre Kinder in der Kita anzumelden. Der Kita-Ausbau wird mangels Nachfrage eingestellt. Jedoch nicht weil Kinder und Eltern keine Kita für ihr Kind wünschen, sondern weil der Zugang durch die Gebührenschranke versperrt ist.
Kita-Plätze in Krippe, Kindergarten und Hort müssen kostenfrei für alle Kinder völlig unabhängig vom Erwerbsstautus der Eltern angeboten werden! Das Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für drei bis sechsjährige Kinder ist zu erweitern auf einen Rechtsanspruch auf einen Kindergarten-Ganztagsplatz sowie auf Krippenkinder und Hortkinder!