Wettbergen: ein beschaulicher Ort mit "Wir-sind-Wir-Mentalität"
Die kleine Kirche, gegenüber der Bäckerladen, die Straße weiter das Toto-Lotto-Geschäft. Und ein Discounter, untergebracht in einer restaurierten Scheune. Alles da, in Wettbergen. Klein, überschaubar. Man trifft sich beim Brötchenholen, bei der Lottoschein-Abgabe. Und man kennt sich – seit Jahren.
„Wettbergen ist immer noch ein beschaulicher Ort“, sagt Florist Achim Duda. Trotz der Eingemeindung in die Landeshauptstadt 1974. Ein Ort mit Charakter: „Ein bisschen von dieser bayerischen ‚Wir-sind-wir’-Mentalität.“ Der 43-Jährige muss es wissen. Nicht, weil er seit 19 Jahren Blumen in Wettbergen bindet – sondern weil er in seinem Beruf viel rumkommt, vergleichen kann, national wie international. Ob beim Champions-League-Finale in Rom oder beim Opernball in Hannover, Dudas Blumenkunst wird geschätzt. „Wettbergen ist was Besonderes: Ich bin in zehn Minuten im Deister, in 15 in der Innenstadt“, sagt Duda. Die Randlage machts möglich.
Die auch die Grätzs schätzen. Ortstermin im schmucken Neubaugebiet nahe dem Ricklinger Friedhof. Vor sechs Jahren zog die Familie hierhin. Schicke, moderne Häuser stehen hier, keine von der Stange, ein Stückchen Individualität hat sich jeder bewahrt. „Durch den Stadtbahnendpunkt mit zwei Linien ist die Anbindung perfekt“, sagt Babette Grätz. Ihre Kinder Thierry (7), Fabienne (12) und Chiara (14) können sorgenfrei auf der Straße spielen. „Unser Zuhause ist perfekt.“
Das Daheim-Gefühl. Viele Wettberger betonen es. Frank Kumm beispielsweise. 49 ist er, „vor 20 Jahren eingeheiratet“. Mit Frau Bärbel betreibt er ein Bistro nahe der Kirche. Bei ihm trifft man sich zum Frühstück, vorzugsweise sonnabends. Bei einem Espresso wird dann das Neueste aus Wettbergen beredet. Klatsch und Tratsch, Neues und Nichtiges.
Noch weiter raus aus der Stadt. Ein kleines Gewerbegebiet, mittelständische Betriebe. Im Hintergrund die Hochhäuser des Bothe-Parks, einer typischen Bausünde von Ende der 60er Jahre. 14 Stockwerke, fast wie Plattenbau. Hier ist Wettbergen fast großstädtisch und bleibt trotzdem ruhig. Außer, wenn sich der Berufsverkehr durch die Rehre in Richtung B 217 schiebt. Die vierspurige Bundesstraße, die den höchsten Punkt des Ortes markiert, ist so etwas wie eine Grenze. Denn „drüben“, wie viele Alt-Wettberger sagen, hinter der Straße, liegt Wettbergen-West. Stadtbahnendstation. Gleichförmig aussehende Reihen- und Mehrfamilienhäuser. Mitte der 80er gebaut, am Reißbrett entworfen. „Im Nachhinein problematisch“ gibt Heinz-Erich Schäfer, ehemaliges Ratsmitglied und Alt-Wettberger, zu. Nichts entstand, alles wurde vorgegeben. Inzwischen hat sich die Lage entspannt, leben auch viele Familien hier. Bevorzugt in Hanglage am äußersten Stadtrand mit Blick auf den Deister. Trotzdem, die Kluft zwischen ehemaligem Dorf und „den Westlern“ bleibt.
Was aber nichts mit Abgrenzung zu tun hat. „Bei uns sind alle willkommen“, betont Gerd Hagemann, Vorsitzender des Sportvereins. Mitten im Wettberger Holz: viel Grün, ein bisschen Wasser. Radfahrer, Spaziergänger mit Hunden. Ein stattlicher Reithof, Land-Atmosphäre. Caroline Brennecke (6) streichelt ihr Pony Max. Ihre Mutter Natascha (37) hat sich hier „einen Jugendtraum erfüllt – und eine zweite Existenz aufgebaut“. Eine moderne Reitanlage, 44 belegte Boxen, ein Pferde-Paradies. Ein paar Straßen weiter betreibt ihr Mann Matthias nach wie vor Landwirtschaft. Er hat viel zu tun. Es gibt viele Felder rund um Wettbergen, die noch bestellt werden müssen.
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