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Spanier feiern in Spanier mit süd-lindenerischer Leidenschaft

Spanier feiern in Spanier mit süd-lindenerischer Leidenschaft.© Christian Behrens

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Linden-Süd

"Klein Iberia" mit Alpen-Blick

Linden-Süd ist eine Insel, auf der die Zeit nie still steht.

Abends in der Kneipe kann man schon mal ins Philosophieren geraten: „Wer nach Linden rein will, muss immer über eine Brücke. Oder unter einer durch. “Peter Lingenfelders Theorie passt zu Linden – das Leben ist eine Insel.

Eine Insel mit Bergen: „Lindener Alpen“ heißt eine der vielen Kleingartenkolonien am Lindener Berg. 89 Meter über den Meerespiegel – für hannoversche Verhältnisse eine gewaltige Erhebung, die erst durch die Aufschüttung des Kronsbergs übertrumpft wurde. Immerhin: Vom Aussichtspunkt neben dem Turmbiergarten sieht man den Deister.

Eine Insel, die auch irgendwo auf der anderen Hälfte des Erdballs liegen könnte: Die ersten Meter der Deisterstraße wirken wie ein großer Basar. Im quirligen „Nour“-Markt gibt es auf 200 Quadratmetern afghanische, persische und türkische Spezialitäten, indische und pakistanische Gewürze, türkische Lebensmittel. Eine Boutique hat mit ihrer kunterbunten Auslage fast den ganzen Bürgersteig belegt, eine Verkäuferin sitzt entspannt mitten im Chaos und feilt ihre Nägel. Eine vollverschleierte Muslimin mit zwei kleinen Kindern steht an der Ampel. Eine dunkelhäutige Rastazopf-Schönheit mit tiefem Dekolleté schäkert mit dem Kioskmann. Zwei Jungs mit Bartflaum auf dunklem Teint bemühen sich um eine coole Miene, während sie Eis schlecken. Linden-Süd trägt das „Süd“ zu Recht.

Hernando del Castillo ist in gewisser Weise ein typischer Einwohner des Stadtteils. „Klein Iberia“, nennt er ihn. Die Augen des Mannes aus dem spanischen Saragossa funkeln. „Das sagt man heute noch!“ In seinem Übersetzungsbüro an der Deisterstraße formuliert er Geburtsurkunden, Scheidungsdokumente und technische Texte, das „internationale Linden“hat er seit den frühen 70ern erlebt. Damals siedelten sich vor allem Spanier und Portugiesen an. „Viele Ethnien leben heute in diesem Stadtteil. Das hat die Mentalität ein bisschen verändert“, glaubt er. Tapas abends an der Bar, ein portugiesischer Galão zum Start in den Tag – „Essen ist eben ein Kulturmittel“, sagt der Spanier mit einem sanftmütigen Lächeln.

Feiern auch. Als die spanische Fußball-Nationalmannschaft 2008 „Campéon de Europa“ wurde, bebte das Ahrbergviertel. Die Fiesta im Centro Galego ging bis in die frühen Morgenstunden – gefeiert haben die Spanier im Norden mit süd-lindenerischer Leidenschaft.

Dabei wurde gerade über die vor wenigen Jahren noch die Nase gerümpft. Linden-Süd, der Name hatte keinen guten Klang. „Na dann viel Glück“, haben Luis Florido Freunde gewünscht, als er 2003 seine „Pastelaria“ auf der Deisterstraße eröffnete. „Mit sarkastischem Unterton natürlich“, merkt der Portugiese an. Die Deisterstraße, die sich gerade wieder aufrappelt, galt damals als „vergessener Boulevard“ – immer mehr alteingesessene Händler, Bäcker und Schlachter hatten auf der Achse zur Hanomag dichtgemacht. Die Theatergruppe „Fensterzurstadt“ mischt Realität und Fik­tion in ihrem Stück „Hannover mon Amour: Lingenfelder“. Das Stück spielt im und vor dem Lampenladen, der kurz vor dem 90-jährigen Jubiläum schloss, und spannt den Bogen von der Gegenwart in die Vergangenheit.

In der schwelgt Peter Lingenfelder, der den Tradi­tionsladen seiner Eltern, so lange es ging, am Laufen hielt. „Die 70er waren gold“, sagt der 50-Jährige träumerisch. Er denkt an ein gutes Dutzend Kneipen in Charlotten- und Ricklinger Straße, in denen Freitagabend nach Schichtende in der Hanomag Bier getrunken wurde. Man blieb im „alten Römer“ hängen – bei Pils, Schmalzbroten, Salzgurken. Linden-Süd. Hart, aber liebenswert. Derb, aber mit Herzenswärme.

Das Auf und Ab der Wellen gehört zum Leben auf einer Insel. „Es ist viel besser geworden“, freut sich Luis Florido heute. Viele kleine Läden und Cafés sind dazugekommen, Initiativen wie das Stadtteilforum kämpfen für Sauberkeit. „Die Deisterstraße lädt wieder zum Flanieren ein.“ Die Zeit bleibt nicht stehen. Auch nicht auf einer Insel.


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