Eine der letzten Fachwerkkapellen in Hannover im Alten Dorf.
Davenstide im Jahr 1540: Landwirte holen die Ernte von ihren Feldern am Benther Berg. Pferdewagen klappern, Glockenklang übertönt das Blöken der Schafe auf den Wiesen. Auf dem Weg zum Gottesdienst in der Dorfkapelle lästern die 120 Einwohner womöglich über ihren Regenten, den Graf von Roden.
469 Jahre später steht Anne Klawitter (46) am Fußgängerüberweg an der Davenstedter Straße und schimpft über die Autofahrer. Die Ampel zeigt grün, ihr Fahrrad schiebt sie aber erst über die Straße, als alle Autos endgültig zum Stehen gekommen sind. „Viele rasen hier durch und gucken gar nicht“, sagt sie. Immer wieder gebe es Unfälle. Der Strom an Autos und Lastwagen reißt nicht ab – der Lärm ist groß.
An der Hauptstraße Davenstedts reihen sich moderne Fassaden der Wohnsiedlungen aneinander. „Davenstedt ist kein gewachsener Stadtteil. Das meiste ist in den 70er Jahren entstanden“, sagt Bezirksbürgermeister Wilfried Gunkel.
Die Bevölkerungszahl sei rasant gestiegen, die rund 10 500 Einwohner aus vielen verschiedenen Kulturen seien für Politik und Vereine eine Herausforderung: „Den sozialen Zusammenhalt stellen überwiegend die Vereine her“, sagt Gunkel. Und wenn es um die Stärkung der Gemeinschaft geht, seien die Davenstedter engagiert. „Die Angebote in den Vereinen werden immer umfangreicher.“
Mehrere Initiativen haben sich gebildet, zum Beispiel zur Belebung des Davenstedter Marktplatzes. Dort wurde 2008 erstmals ein Weihnachtsbaum aufgestellt, und die Arbeitsgemeinschaft Davenstedter Vereine richtet dort ein Marktfest aus. Eigens für die Jugendlichen hat der Bezirksrat nun auch einen „Ort zum Abhängen“ ausgewiesen: An der Fösse sollen sie noch in diesem Jahr einen Bauwagen bekommen. „In Davenstedt tut sich zurzeit sehr viel“, sagt Gunkel.
Entlang des „reißenden Flusses“, wie der Bezirksbürgermeister die mit Wasserpflanzen renaturierte Fösse etwas ironisch bezeichnet, zeigt Davenstedt seine grüne Seite. „Hier kann man wunderbar spazieren gehen“, sagt Christiane Domnik, während sie mit Golden Retriever Marley eine Pause am Freundschaftshain einlegt – einer Fläche, auf der die Davenstedter Bäume pflanzen können und sich häufig treffen.
Wer der Fösse weiter folgt, gelangt entlang der Kleingärten schnell zu den weiten Wiesen und Feldern am Benther Berg außerhalb der Stadtgrenze. Dort weht den Davenstedtern frische Landluft um die Nase. „Das ist das Schöne an Davenstedt. Man wohnt nahe an der Stadt und hat das Grüne vor der Haustür“, sagt Domnik.
Zurück an der Hauptstraße: Etwas unerwartet wird die Geräuschkulisse um das Dröhnen von Kirchenglocken erweitert. Wer dem Klang folgt, gelangt in die Straße Altes Dorf – unter hohen Kastanien verbergen sich dort jahrhundertealte Fachwerkhäuser, an den alten Mauern wächst Efeu, Vögel zwitschern. Landwirte gibt es dort nicht mehr, die alten Höfe wurden zu Wohnhäusern umgebaut. Das Überbleibsel von „Davenstide“.
Der Glockenklang kommt aus dem Türmchen einer Fachwerk-Kapelle, die ihren mittelalterlichen Vorgänger 1790 ersetzte und heute zur St.-Johannes-Kirchengemeinde gehört. „Das ist der schönste Fleck in Davenstedt“, sagt Mechthild Behrendt (76). „Hier fühlt man sich fast wie in alten Zeiten.“
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