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Calenberger Neustadt

Eine Insel voller Sehenswürdigkeiten

Die Calenberger Neustadt bietet Kultur, Sport, Feste – und Ruhe.
Mit dem Schützenfest wird die Calenberger-Neustadt zum Partyzentrum der Landeshauptstadt.

Mit dem Schützenfest wird die Calenberger-Neustadt zum Partyzentrum der Landeshauptstadt.

© Patrice Kunte

Sie sind vielfältig, die Eigenschaften der Calenberger Neustadt. Studentisch und alternativ. Bürgerlich und gediegen. Staatsmännisch und förmlich. Multikulturell und exotisch. Sportlich und grün. Das alles trifft auf einen Stadtteil zu, der vom Schnellen Graben im Süden bis zum Zusammenfluss von Ihme und Leine im Norden reicht – und somit eine Insel ist. Über drei Kilometer Länge erstreckt sich das Gebiet, quer durch die Innenstadt. Was viele nicht wissen: AWD-Arena, Schützenplatz, Skulpturenmeile, Waterloosäule, Innen- und Umweltministerium, Friederikenstift, Leibniz-Grab, Clemenskirche, Glocksee, die Beachbar Strandleben am Weddigenufer – das alles ist die Calenberger Neustadt. Das alles – und noch viel mehr.

Zwischen Hartwig- und Gerberstraße ragen die Giebel der Gründerzeithäuser majestätisch in den Himmel, die Jugendstilfassaden glänzen im Sonnenlicht. Daneben schlängelt sich die Leine durch die Häuserzeilen, entlang des Franz-Mock-Weges genießen Spaziergänger die Natur.

„Dielen, Stuck, Flügeltüren – in unserer Altbauwohnung haben wir das alles“, sagt Gesine Köhne (35), die einen Kinderwagen durch das Viertel schiebt. Vor einem halben Jahr ist die junge Mutter in die Calenberger Neustadt gezogen. „Erst haben wir in Linden gesucht, aber wo findet man dort schon so schöne Vier-Zimmer-Wohnungen?“ Ihren Umzug hat sie nicht bereut. Hier sei alles einen Tick aufgeräumter, einen Tick gemütlicher. Und auch für junge Leute interessant: Schließlich liegt die Uni quasi um die Ecke.

80 Prozent seiner Kunden seien Studenten, erzählt Thomas Schmidt (28), Leiter der Muffin-Mann-Filiale an der Königsworther Straße. Im Laden trifft Retro-Coolness auf esoterischen Öko-Kult. Sanfte Reggae-Musik tönt aus den Boxen, im Gastgarten schlürfen Endzwanziger Latte mit Sojamilch und mampfen Bio-Brownies. Relaxtes, junges Treiben. Schmidt lächelt. „In Linden tobt das Leben, hier hat man die Möglichkeit, sich zurückzuziehen. Und trotzdem lernt man sich schnell kennen“, sagt er. Das liege an den vielen Wohngemeinschaften im Viertel. An­dré Roegglen (32), der als DJ Lunatic auflegt, nickt bei den Worten seines Kumpels. „Aus dem Konflikt Linden-Nordstadt hält sich der Stadtteil raus“, fügt er hinzu, „und das ist gut so.“

Es ist die angenehme Atmosphäre der Calenberger Neustadt, die auch Orlando Brakel (35) schätzt. Seit 14 Jahren betreibt er das „Writers Corner“, ein Fachgeschäft für Farbsprühdosen, eine Institution der hannoverschen Graffiti-Szene, ein Farbklecks im Norden des Stadtteils – und ein Sinnbild für wilde Urbanität. Brakel selbst wohnt wenige hundert Meter von seinem Laden entfernt. Er sagt: „Die Calenberger Neustadt? Sehr entspannt.“ Kein Hundekot auf den Straßen wie etwa in der Nordstadt. Kein nächtlicher Radau wie vielleicht in Linden. „Und nachts bin ich in wenigen Minuten zu Fuß bei den Partyzentren.“ Praktischer gehts nicht.

Läuft man über den Goetheplatz mit seinen Multi-Kulti-Kneipen in Richtung Süden, wird die Calenberger Neustadt vor allem eines – praktisch. Das liegt an der schlichten Architektur der Wohnhäuser und vieler Verwaltungsgebäude, die zu Nachkriegszeiten auf den Ruinen des einstigen Fachwerk-Idylls gewachsen sind. Dennoch hat der Stadtteil seine Ursprünglichkeit bewahrt, etwa in der Calenberger Straße: Bäckereien, Restaurants, Brautmoden-Boutiquen und Friseurläden säumen die verträumte Einkaufsmeile, bis sie in die Calenberger Esplanade übergeht, ein spektakuläres Gebilde aus Glas und Stahl.

Mittendrin bleibt auch noch Platz für Kultur. Und für Kleinkunst. „Wir sind diejenigen, die die Calenberger Neustadt wieder bekannt gemacht haben“, erklärt Wolfgang Werner (68) zwar etwas vollmundig, aber man nimmt es ihm nicht übel. Vor 29 Jahren hat er die Werkstatt-Galerie Calenberg übernommen und aus der früheren Steindruckerei ein Zentrum für Kabarett und Theater geformt. Mit gut 120 Veranstaltungen pro Jahr – von der Lesung bis zum gehobenen Comedy-Abend – trägt die kleine Bühne viel zum kulturellen Leben im Stadtteil bei. Werner lehnt sich zurück. „Man wird hier zwar nicht reich“, erklärt er, „aber dafür gibts auch keinen Konkurrenzkampf. Man kennt sich, man grüßt sich. Das ist einfach liebenswert.“

Deshalb liege ihm der Standort auch so am Herzen. So sehr, dass er beteuert: „Hier will ich so lange auf der Bühne stehen, bis ich mal tot umfalle.“


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