Qualitätskontrolle: Bauer Karl-Heinz Holthus ist aus Nienburg angereist, um sein Gemüse zu verkaufen. Klaus Paisker lässt sich die Ware zeigen. Früh aufstehen ist hier Pflicht - sonst ist das beste Gemüse weg.
Kiste für Kiste wuchtet ein Arbeiter Kartoffeln aus einem Lastwagen. Ein holländischer Transporter fährt vor: frische Sonnenblumen, die schnell in die kühle Halle müssen. Auf Türkisch ruft ein stämmiger Mann einem Fahrer Befehle zu, der sein Auto vor einer Halle parkt. Es ist zwei Uhr nachts. Guten Morgen auf dem Großmarkt Bornum.
Hier ist Hannovers wichtigster Umschlagplatz für Lebensmittel. 80 Betriebe bieten von Fleisch bis Tomaten alles, was Gastronomen und Einzelhändler für den Tag brauchen. Spanier, Griechen, Italiener. Ein Bananenhändler, der die gelben Früchte in verschiedenen Reifestufen – insgesamt gibt es sechs – anbietet. Ausschlafen? Fehlanzeige! Verkaufsstart ist immer um drei Uhr morgens.
„Die ersten Mitarbeiter kommen schon gegen 22 Uhr. Sie bereiten vor, nehmen Lieferungen an, packen Ware aus, die kurz vorher geliefert wurde“, sagt Franz-Josef Sievers. Er ist Geschäftsführer des Großmarktes, den die meisten Hannoveraner nur betreten dürfen, wenn in einer der Hallen Antik- oder Trödelmärkte stattfinden. Nachts hat man ohne Gewerbeschein, wie tagsüber in der angrenzenden Metro, keine Chance.
„Bis neun, zehn Uhr morgens ist dann durchgängig Betrieb“, erklärt Sievers. 700 bis 800 Menschen befinden sich zu Kernzeiten auf dem Gelände, Sievers schätzt die Wirtschaftskraft auf 300 bis 400 Millionen Euro. „Unser Einzugsgebiet reicht von Hannover bis Celle, nach Nordhessen und Minden. Unsere Ware kann in diesem Gebiet 2,3 Millionen Haushalte erreichen.“
So wie die Ware von Bauer Karl-Heinz Holthus aus Nienburg. Seit 30 Jahren verkauft er hier die Erzeugnisse seines Bauernhofes, Kartoffeln, Karotten, Salat. „Um halb eins geht es jeden Morgen los für uns.“ Er ist auf dem Großmarkt, um Menschen wie Raffaele Santangelo zu versorgen. Er hat Marktstände in Hameln, Stadthagen, Gronau – und weiß, dass eine große Auswahl an Erzeugern wichtig ist. „Wir nehmen zum Beispiel nicht irgendwelche Tomaten. Wir suchen uns jedes Mal die schönsten, die frischesten, die besten.“
Aber nicht nur für Markthändler ist der Großmarkt wichtig. Gastronomen kaufen ein und lassen sich beliefern. Zum Beispiel von Ilias Papaef thimion, der griechische Produkte anbietet. „Jeden Tag und vor allem jede Nacht – man muss dafür geboren sein.“
Das weiß auch Frie drich Hermanns vom gleichnamigen Hof bei Wettbergen. Ein Hektar Tomaten in Gewächshäusern, zu sehen von der B 217. Nachts steht er auf dem Großmarkt. „Wer soll es denn sonst machen, wenn nicht ich?“, sagt er. Aber: „Die meisten Kunden hier kenne ich seit ewigen Zeiten. Das ist dann auch immer nett.“
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