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Die alte Feuerwache dient als Jugendtreff und Veranstaltungsort.

Die alte Feuerwache dient als Jugendtreff und Veranstaltungsort.

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Bornum

Bornums köstlicher Brötchenduft

Einwohner wecken sich selbst aus dem Dornröschenschlaf

Die erste Begegnung mit Bornum ist köstlich. Denn wer von Hannover aus die Bornumer Straße herunterfährt, bekommt die volle Duftladung. Die Großbäckerei Harry hat dort ihr Werk – und ständig riecht es nach Sonntagmorgen, nach Frühstück, nach frischen Brötchen. Eine wunderbare Begrüßung – die passt!

Denn Bornum ist Gemütlichkeit. Nein, natürlich nicht an der Hauptstraße, wo sich Waschanlage, Autoteilehändler und der Scheibendoktor aneinanderreihen. Wo die Schilder zum Großmarkt zeigen und die vierspurige Straße wenig Raum für Sonntagmorgen-Fantasien lässt. Dafür aber im Dorf Bornum. Das, wenn man an der Kreuzung Bornumer Straße und Nenndorfer Chaussee rechts abbiegt, ein ganz anderes Bild zeichnet. Hier ist Ur-Bornum, entstanden aus einem Bauerndorf – und heute im Dornröschenschlaf.

„Ja ja, wir haben schon das Problem, dass viele Menschen nicht einmal wissen, dass es uns gibt. Bornum ist für sie der Großmarkt und fertig“, sagt Erhardt Knübbe. Der 85-Jährige ist Bornums Chronist, er führt das Archiv im Freizeitheim Ricklingen und ist im Stadtteil- und Kulturverein aktiv. Gegen Vorurteile sind die Einwohner immun. „Gut, hier ist vielleicht nicht so viel los wie anderswo. Aber auch nicht nichts“, sagt Knübbe selbstbewusst.

Zum Beispiel gibts den Jugendtreff „Die Wache“ in der ehemaligen Feuerwache. Weil der Platz dort nicht ausreicht, steht daneben noch ein Behelfscontainer. „Das ist so ein bisschen unser Allzweckraum für Diavorträge, Kindertheater, gemütliches Beisammensein“, erzählt der Vereinsvorsitzende Werner Eilers. Auf dem Garagentor zeigen Graffiti: Hier ist was los, jemand hat ein boxendes Känguru gesprayt. Die Naturfreundejugend Bornum koordiniert das Geschehen vor Ort. „Die planen auch Ausflüge. Die Jugendlichen fahren zum Beispiel in Vergnügungsparks“, sagt Eilers. „Wir Älteren vom Kulturverein dafür nach Bad Salzuflen.“

Die Bornumer organisieren sich selbst. Auch, weil ein in anderen Stadtteilen oft wichtiger Kulturträger schlicht nicht mehr vorhanden ist – die Kirche. „So gesehen sind wir der gottlose Stadtteil“, scherzt Jens Menge. Der 35-Jährige ist ebenfalls im Kulturverein, der Bornum auch mit kleinen Maßnahmen aus dem Dornröschenschlaf weckt. Mit einem Bücherschrank an der Hauptstraße zum Beispiel: Jeder kann ausgelesene Bücher hineinstellen, neuen Lesestoff herausnehmen. „Das letzte Mal haben die Glocken der Kirche 2002 bei einem Kindergottesdienst geläutet“, sagt Menge. „Seitdem ist es still hier.“

Still und leise haben sich auch die Bauern aus Bornum verabschiedet. Zwei Höfe gibt es noch aus der Zeit, als der Mühlenberg nur ein Berg und vom Busunternehmen Leo Lauterbach und den Baumärkten an der Bornumer Straße nichts zu sehen war. Und auch die Geschäfte haben sich Stück für Stück verabschiedet. Einzig ein Kiosk ist geblieben, Eklerem Aslan (35) hat hier seit fünf Jahren ein typisches Tante-Emma-Laden-Angebot. „Hier wohnen keine besonders reichen oder armen Menschen, sondern normale Menschen, die unkompliziert sind.“

Auch in Aslans Laden riecht es wie am Stadtteileingang – nach frischen Brötchen. Nur dass die hier nicht in Massen produziert und in ganz Norddeutschland ausgeliefert werden, sondern direkt bei den Bornumern landen – auf dem Frühstückstisch.


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