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Ahlem

In diesem Paradies dürfen alle Äpfel pflücken

Mönche, Mahlzeiten und ein Obstgarten in Ahlem
Thailändisches Kloster

Seit 2007 ist der Ahlemer Turm ein thailändisches Kloster.

© Tim Schaarschmidt

Die Pokale stehen fein säuberlich auf dem Regalbrett aufgereiht, rechts vom Tresen hängt der gelb-blaue Schal des SV Ahlem und in der Luft ein angenehmer Duft von Pommes. Die serviert der Chef des Restaurants am Sportzentrum wenig später der G-Jugend des Vereins. „Schließlich sollen sich die Jungs hier richtig wohlfühlen“, sagt Uwe Kreimeyer.

Wohlfühlen wird in Ahlem großgeschrieben. Und nicht nur hier im Verein, in dem rund 1000 Mitglieder Sport treiben. „Die Jugendteams sind voll. Wir haben durch die Gemütlichkeit hier schon viele Jungs von der Straße geholt.“ Die Augen von Jugendleiter Ralf Vogelsang leuchten, wenn er über seinen Verein spricht – und über Ahlem. „Der Stadtteil hat seinen dörflichen Charakter behalten. Hier kennt jeder fast jeden.“ Wenn man zum Einkaufen 15 Minuten einplane, würden daraus oft zwei Stunden.

Der 43-Jährige mag Ahlem auch, weil es so grün ist. „Wir haben hier die Anbindung zur Autobahn, die Stadtbahn, die in die Stadt führt, und die Nähe zur Region. Es fehlt einem hier nichts.“ Auch keine Disko? „Na gut, die suchen sie hier vergeblich“, gesteht Vogelsang. Bezirksbürgermeister Wilfried Gunkel bringt es auf den Punkt: „Als Student lebt man in Linden, als Familie dann in Ahlem.“

Sehr engagiert bemüht sich der Stadtteil um sozial Benachteiligte. Seit Jahresanfang gibts in der Kirche Maria Trost die „Ahlemer Mahlzeit“. Jeden Freitag werden dort Lebensmittel für die verteilt, „die es nicht so dicke haben“, erzählt Dieter Drell, der das Projekt ins Leben gerufen hat und gleichzeitig Vorsitzender des Ahlemer Wirtschaftskreises ist. Gesponsert wird es durch die lokalen Geschäfte. „Die halten hier alle zusammen.Wie auch die Einwohner.“

Ahlem ist ruhig und beschaulich – aber auch exotisch. Phra Maha Thongnark und Phra Maha Witaya fallen auf, wenn sie durch die Straßen spazieren. Doch die beiden thailändischen Mönche gehören in ihren orange­farbenen Gewändern mittlerweile zum Stadtteil wie der Ahlemer Turm, den sie seit 2007 bewohnen. Mit einigen Helfern haben sie das Gebäude zu einer Begegnungsstätte des Vereins „Wat Dhammavihara“ umgebaut. Das ehemalige Ausflugslokal stand lange leer, war marode. Die Bud­dhisten investierten 400 000 Euro in das Gebäude, das seit 1985 unter Denkmalschutz steht. Heute schmücken Gebetsbänke aus edlem Holz, eigens aus Thailand eingeflogen, das Fachwerkhaus.

Nicht weit entfernt ist „unser Willy-Spahn-Park“, wie Bezirksbürgermeister Gunkel das grüne Kleinod liebevoll nennt. Auf der 40 000 Quadratmeter großen Fläche des ehemaligen Kalkbruchs wachsen 16 verschiedene Apfelsorten, ein halbes Dutzend Birnen- sowie zahlreiche Pflaumen- und Kirsch­arten. „Hier kann jeder so viel pflücken und essen, wie er will“, verrät Gunkel. Klingt paradiesisch. Und ist ein weiterer Grund, warum sich die Ahlemer so sehr mit ihrem Stadtteil identifizieren.

Dabei sind viele der Einwohner hier neu. Denn Ahlem, bis 1974 noch selbstständig, bietet mit großen Neubaugebieten viel Raum für junge Familien. Die gute Anbindung mit der Stadtbahnlinie 10 ist sicher ein Anreiz. Genauso wie die Nähe zur Leineaue und die freien Felder Richtung Westen. Sich einzuleben, fällt leicht: „Alle wichtigen Infos gibts im ,Ahlemer Boten’, der alle zwei Wochen erscheint“, sagt Siegfried Frohner, Leiter des Heimatmuseums. „Und das seit 48 Jahren!“

von Tim Burchardt


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