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Waldhausens Sohn

Schwitters’ Merzbau im Weltkrieg zerstört

Jedes kleine Stück Papier, jede Fahrkarte, Postkarten – egal, was Kurt Schwitters auf der Straße fand, er hat es in seinen Fahrradkorb gelegt. Warum? Für die Kunst natürlich.
Dadaist: Kurt Schwitters ist ein Sohn der Stadt

Dadaist: Kurt Schwitters ist ein Sohn der Stadt

Ein Kauz, fanden die einen. Ein großer Künstler, meinten die anderen. Recht hatten wohl alle, damals in Waldhausen.

Am 20. Juni 1887 wurde Schwitters in der Waldhausenstraße 5 geboren. Dort wuchs er auf und entwickelte sein Interesse an der Kunst. Zuerst in seinem Atelierraum, dann auch in Dachgeschoss und Keller, zuletzt im gesamten Haus, machte er die Zimmer zu kleinen Grotten. Er beklebte sie mit verschiedensten Materialien. So entstand Schwitters’ größtes Werk, der Merzbau, ein Gesamtkunstwerk. Merz hat er seine Collage-Technik genannt – nach einem verarbeiteten Schnipsel aus dem Wort „Commerz“. Seine international bewunderte Kunst wird dem Dadaismus zugerechnet.

Schwitters war in der Szene Hannovers schnell bekannt. Regelmäßig traf er sich an der Waldhausenstraße mit Freunden und Künstlern. Oft kamen mehr als 50 Kunstfreunde, die seinen avantgardistischen Vorträgen zuhörten und sich die acht fertiggestellten, zugeklebten Räume anschauten.

Leider blieb aus dieser Zeit nicht viel übrig – im Zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude und die von 1923 bis 1936 entstandene Kunst zerstört. Der wegen seiner „entarteten Kunst“ vor den Nazis nach England geflüchtete Schwitters schrieb noch seinem Freund Otto Gleichmann – er solle die Reste abdecken und so schützen. Doch bis auf eine zur Dusche umfunktionierte Gießkanne war alles zerstört.

Im Sprengel Museum steht eine Nachbildung des Merzbaus.


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