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Größter Arbeitgeber im Stadtteil ist die Verlagsgesellschaft Madsack.

Größter Arbeitgeber im Stadtteil ist die Verlagsgesellschaft Madsack.© Christian Behrens

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Seelhorst

Ein alter Forst zieht junge Familien an

Seelhorst im Umbruch - nur ein Supermarkt fehlt noch.

Tag für Tag ist er in der Seelhorst unterwegs. Kaum einer kennt den Stadtteil so gut wie Dirk Schulze. Der 43-Jährige ist Briefzusteller. Gut 30 Kilometer legt er bei seiner Arbeit mit dem Rad zurück. „Die Route ist länger geworden – schon wegen der drei neuen Straßen an der Ecke Hoher Weg/Peiner Straße“, sagt der Postbote. Sehr viele junge Familien seien dahin gezogen.

Die Seelhorst ist ein Stadtteil im Umbruch. Bezahlbare Grundstücke lassen für junge Leute den Traum vom eigenen Häuschen Wirklichkeit werden. Wo einst Kleingärten waren, entstehen Neubaugebiete mit Spielplätzen. Und für 1,5 Millionen Euro wurde in der Nähe des Boxerklubs die Kindertagesstätte Windröschen gebaut, Hannovers zweite Kita nach Passivhausstandard.

„Die Atmosphäre im Stadtteil ist fast ländlich“, findet Schulze. An den Sonnabenden, wenn die Busse seltener fahren, falle ihm „die ungeheure Stille“ auf – vor allem am Waldrand an der Straße Vor der Seelhorst, wo sich in das Gezwitscher der Vögel wie ein Dauerbrummen die Autogeräusche vom Messeschnellweg mischen.

Der Forst mit einer Fläche von einem Quadratkilometer wurde 1483 erstmals urkundlich erwähnt. Man könnte vielleicht annehmen, der Stadtteil Seelhorst habe seinen Namen durch den Stadtfriedhof – den Hort der Seelen. Aber nein, er leitet sich ab aus dem Begriff Sehl für eine sumpfige, morastige Stelle. Horst steht für ein kleines Waldstück.

Wer sich so gut auskennt wie Ex-Forstdirektor Gerhard Dirscherl (der früher regelmäßig auf Erkundungstour im Wald war und dort auch Führungen anbot), kann die zwei Stellen zeigen, an denen Quellwasser aus der Erde austritt. Oder die Erhöhungen, die über unterirdischen Bunkern im Osten der Kleinen Seelhorst stehen. Dort hatte die Wehrmacht 1938 ein Lager, das schnell wachsende Pappeln tarnten. 1990 ließ die Stadt Baracken, Bunker und Garagen abreißen. Das Lagergelände wurde renaturiert – und zum Erholungswald. Kinder lieben die Streifzüge an Stieleichen, Buchen und Eschen vorbei und an dem künstlichen Bachlauf, der sich durch den Forst zieht.

„Dieser Stadtteil bietet Familien mit Kindern eine ganz große Lebensqualität“, findet Peter Raabe, Chef des Restaurants und des Hotels „Bei Hölzchen“. Benannt ist es nach den Schwiegereltern Willi und Erika Hölzchen. Die 88-jährige Dame schaut gern aus dem Fenster im Souterrain zu, wie ihre drei Urenkel vorm Haus spielen oder Eichhörnchen über die Straße flitzen.

„Meine Schwiegermutter ist Ureinwohnerin“, erzählt Raabe stolz über die Seniorin. Das Haus war eines der ersten in der Seelhorst, 1947/48 ein Milchladen. Dann kam der Verkauf von Käse und Bier dazu. 1953 entstand die Gaststätte, 1999 das Hotel mit elf Zimmern.

Auch Raabe erinnert sich sehr gut an die alten Zeiten. Genau gegenüber vom kleinen Hotel lag der Bolzplatz. Ringsrum waren Kleingärten, Obstplantagen und Spargelfelder. Der große Bauboom kam Mitte der 50er Jahre. Dann erlebte die Seelhorst eine zweite Neubauwelle mit dem Seelhorster Garten, dem Viertel am Wülfeler Bruch, der Bebauung im Osten der Peiner Straße und den Straßen auf der ehemaligen Kompostieranlage.

Die Stadt müsse auf den Zuzug mal reagieren, findet Briefzusteller Schulze. „Es gibt im ganzen Stadtteil nur einen Friseur und einen Kiosk. Einkaufsmöglichkeiten fehlen völlig.“


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