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Mittelfeld

Mittelfelds Reichtum sind die Menschen

Messemuttis, Pilotprojekte und Kampf gegen Vorurteile
Rübezahlplatz

Soll den Mittelpunkt des Stadtteils bilden: der Rübezahlplatz

© Christian Behrens

Wie ein gewaltiger Hinkelstein ragt der Turm der Gnadenkirche in den Himmel. Größer sind nur der Hermes­turm auf dem Messegelände – und die Vorurteile in Hannover gegenüber diesem Stadtteil.

Mittelfeld ist grau, Mittelfeld ist arm, Mittelfeld ist hässlich. Aber: Wer den Stadtteil besucht, bekommt schnell einen anderen Eindruck. Mittelfeld lebt. Mittelfeld ist grün. Mittelfeld ist bunt. Und was diesen Stadtteil reich macht, sind die Menschen, die hier leben.

Dabei sind die Stadtteilgrenzen schnell erreicht: Im Westen ist es die Bahntrasse parallel zur Hildesheimer Straße, im Norden die Seelhorst, im Süden die Messe – und im Osten der Schnellweg. Von wegen! Wieder ein Irrtum. Mittelfeld reicht über den Schnellweg hinweg. Erst kurz hinterm Annastift an der Wülfeler Straße ist Schluss. Was vielen Nachbarn im Obstgarten-Viertel die Sorgenfalten in die Stirn treibt. Hatten sie sich doch für waschechte Bemeroder gehalten.

Dienstagmorgen, acht Uhr, Grundschule Beuthener Straße. Wenn Schulleiterin Sigrid Promann den Unterricht beginnt, liegt ihr „die Welt zu Füßen“: Elis aus der Türkei, Chavier aus Afrika, Denis aus Russland, Carla aus Polen, Paula aus Deutschland, Weijun aus China. Knapp die Hälfte ihrer 341 Schulkinder hat Migrationshintergrund.

Für Sigrid Promann und ihr Team ist das keine Last, sondern eine Chance. Mit Erfolg: Die Schule ist längst über die Stadtteilgrenzen anerkannt. Teil des Erfolgskonzeptes: Die Schule bindet die Eltern stark ein. „Wenn wir sie haben, kriegen wir auch die Kinder.“ Das Leistungsniveau stimmt, das zeigt die Quote der Empfehlungen für höhere Schulen.

Nur wenige Gehminuten von der Beuthener Schule entfernt ist die evangelisch-lutherische Gnadenkirche von Pastor Karl-Martin Voget (53). Er hat mit der Zukunft zu kämpfen. Nur noch 30 Prozent der Menschen in seinem Revier sind Christen. Und davon sind 30 Prozent über 65 Jahre alt.

Dabei sieht Mittelfeld gar nicht so alt aus: 28 Millionen Eu­ro hat die GBH in ihre Wohnungen gesteckt. An den sonnengelben Mietshäusern hängen Blumenkästen mit roten Geranien. Im Süden des Stadtteils stehen hübsche Siedlungshäuser, genauso wie im Osten. In der Ahornstraße, der ältesten Straße Mittelfelds, gibt es hübsch sanierte Altbauwohnungen. Und mindestens zweimal im Jahr wird Mittelfeld richtig international. Denn dann ist Messezeit. Und so haben viele Familien längst Stammgäste aus aller Welt, die sie regelmäßig wieder begrüßen.

Mittelfeld ist längst mehr als Mittelmaß. Sigrid Promann: „Es gibt viele Projektgruppen, viele gemeinsame und ehrenamtliche Aktivitäten für Kinder und Erwachsene. Mittelfeld wird immer häufiger zum Pilot- und Vorzeigeobjekt.“

Mirko (34) und Kerstin Fahlbusch (33) können das bestätigen: „Die Immobilenpreise für Familien sind erträglich, der Stadtteil liegt verkehrsgünstig.“ Ihre drei Kinder Leonie (8), Paula (5) und Jakob (3) haben es nicht weit zu Schule und Kindergarten, ein Spielplatz liegt gleich um die Ecke.

Natürlich haben die Mittelfelder auch Sorgen und Nöte. Die Stadtteil-Bibliothek wurde dichtgemacht. Sparzwang. Auch viele Kinder und Jugendliche waren regelmäßig in der Bibliothek, trotzdem wurde sie geschlossen. Angeblich lesen in Mittelfeld zu wenige Menschen. Aber vielleicht ist das ja auch nur ein Vorurteil.


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