Kennt die Sorgen und Nöte: Karl-Martin Voget (53) ist Pastor der Gnadenkirche.
Nennen Sie einen Grund, warum man gerne in Mittelfeld lebt.
Einen? Es gibt viele Gründe, um in Mittelfeld glücklich zu sein. Dieser Stadtteil ist so bunt und so vielfältig. Trotz Messe und Verkehr gibt es viel Grün und Ruhe.
Aber es gibt Vorurteile.
Ja. Das soziale Umfeld hier ist nicht gerade einfach. Die Schere zwischen bedürftigen und gutsituierten Menschen geht weit auseinander.
Wo liegen Probleme?
Besonders belastend sind Verständigungsschwierigkeiten. Ich hatte ein vierjähriges Kind zur Taufe, das konnte kein Wort deutsch. Die Eltern sagten wie selbstverständlich: „Wo ist das Problem? Das Kind lernt es doch bald in der Schule.“ Doch das ist zu spät.
Ist die Integration schiefgegangen?
Nun, viele Familien schotten sich ab, leben zurückgezogen in ihren vier Wänden und leben dort ihre Kultur. Die Kinder leiden am meisten darunter. Es scheitert schon an ganz banalen Dingen. So geht der Koch unserer Kita gemeinsam mit Eltern auf den Wochenmarkt, um ihnen zu zeigen, dass frisches Gemüse nicht teurer sein muss als Supermarktware – und wie man es zubereitet.
In Mittelfeld gibt es viele ältere Menschen ...
Ja, auch das ist eine Entwicklung, die uns als Kirche Sorgen bereitet. Die Alten sterben, und zu wenig Junge finden den Weg in die Gemeinde. In Spitzenzeiten hatten wir 9000 Mitglieder. Jetzt sind es noch 2300.
Haben Sie Wünsche für die Zukunft?
Die Stadtteilbücherei fehlt sehr, man hat ihre Bedeutung für die Menschen unterschätzt. Und ich wünsche mir, dass wir Christen in Mittelfeld nicht noch weiter ins Hintertreffen geraten. Wir müssen als Kirche die Menschen generationsübergreifend ansprechen, das ist unsere Chance.
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