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Döhren

Zehn Minuten zwischen Trubel und Idyll

Das Beste an Döhren? "Die Menschen, Junge!"
Der Wochenmarkt in Döhren ist ein beliebter Treffpunkt.

Auf dem Wochenmarkt am Fiedelerplatz werden Einkäufe erledigt, Nachbarn getroffen und geklönt.

© Patrice Kunte

Es zischt und dampft. Die Espressomaschine im Café „Arte e Cucina“ verschwimmt im Nebel. Und Angela, die gut gelaunte Chefin, schneidet schnell noch ein paar Scheiben Parmaschinken. Dann steht sie schon wieder am Tresen. „Zwei Cappuccini sinte fertig“, ruft sie fröhlich. Es ist Freitag, Markttag in Döhren. Und in Angelas Spezialitätengeschäft treffen sich alle. Die alten Döhrener, die Zugezogenen und jene, die den Charme dieses Stadtteils für sich entdeckt haben.

„Döhren“, sagt die Italienerin Angela Spataro, „Döhren ist wie eine kleine Familie.“ Und freitags geht die Familie aus, um auf dem Wochenmarkt am Fiedelerplatz die Einkäufe fürs Wochenende zu erledigen, Nachbarn zu treffen und zu klönen. Der Markt ist ein kleines gesellschaftliches Highlight in Döhren, bei dem es allerdings wenig glamourös und ziemlich uneitel zugeht.

Am Imbisswagen verdrückt Götz von Fromberg, Rechtsanwalt und bekennender Döhrener, gerade eine Currywurst. Von Fromberg weiß, was er an Döhren hat. „Das ist ein unglaublich gemütlicher Stadtteil. Ich fühl mich hier pudelwohl.“

Was wohl auch daran liegt, dass die Leinemasch immer ganz nahe ist. Ein Landschaftsschutz- und Naherholungsgebiet, wie es so dicht an der Stadt wohl nur sehr selten zu finden ist. Keine zehn Minuten braucht man zu Fuß, um dem Trubel am Fiedelerplatz zu entfliehen und einzutauchen in eine Welt, in der Hektik keinen Zutritt hat. Landschaft, so weit das Auge reicht. Teiche, Wiesen, Felder. Hier brüten Störche. Weiden lassen träge ihre Äste ins Wasser hängen, und in Ufernähe wippt eine Schwanenfamilie lässig auf den Wellen.

Die natürliche Grenze zwischen urbanem Wohngebiet und dem ländlichen Idyll zieht die Leine. Und dort, wo sich der Fluss für einige hundert Meter teilt und eine Insel umfließt, ist auf dem ehemaligen Fabrikgelände der Döhrener Wolle ein Stadtteil im Stadtteil entstanden: die Leineinsel. Ein modernes, nicht ganz preiswertes Viertel in einmaliger Lage. Wer hier wohnt, der darf nicht auf den Quadratmeterpreis achten. Aber er bekommt dafür etwas Exklusives geboten. „Wir leben“, sagt der Werbedesigner Uli Helms, „nah an der Stadt und trotzdem wie auf dem Dorf.“

Eine Beschreibung, die genauso auf den „Döhrener Jammer“ zutrifft, das wahre Kleinod des Stadtteils. Vor mehr als 120 Jahren entstand diese Backsteinsiedlung. Hier lebten die Arbeiter der Döhrener Wolle in ärmlichsten Verhältnissen – und es muss wohl wahrhaftig ein „Jammer“ gewesen sein. Heute aber ist eine kleine Wohnoase gewachsen, die unter Denkmalschutz steht.

„Weil wir hier nette Nachbarn haben.“ So erklärt Sabine Löffler, warum sie vor einigen Jahren aus Kirchrode in den Jammer gezogen ist. Und dann nennt die Diplomkauffrau noch drei Gründe: „Der Maschsee ist nah, die Kinder kommen schnell zur Schule, und man braucht nur zehn Minuten bis in die City.“

Erstmal will sie aber zum Fiedelerplatz. Denn es ist Freitag, Markttag in Döhren. Und in Nikos Café ist kein Stuhl mehr frei. Niko Kyparissis lebt seit 1969 in Döhren. Und jetzt unterhält der Grieche seine Gäste. Er kennt sie fast alle. Er scherzt und lacht. Und auf die Frage, was denn nun das Beste an diesem Döhren sei, da hat Niko eine klare Antwort: „Die Menschen, Junge, die Menschen!“


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