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Die Windmühle: das heimliche Wahrzeichen des Stadtteils.

Die Windmühle: das heimliche Wahrzeichen des Stadtteils.© Patrice Kunte

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Anderten

Dieser Stadtteil verleiht Flügel

Das alte Bauerndorf ist der „schönste Platz der Welt“.

Der Blick schweift nach Süden. Über schier endlose Felder, die sich über die sanften Hügel bis hin zum Kronsberg erstrecken. Es ist eine befreiende Weite, in die man hier eintaucht, viele Kilometer lang, viele Kilometer breit. Ein Idyll. Ein tolles Fleckchen. Anderten.

Hier, am Anfang dieser Kulturlandschaft im Gebiet zwischen Südschnellweg, Mittellandkanal und A7, haben sich Kerstin (45) und Jörg Allner (47) niedergelassen. Ihre Wohnung ist gleichsam das inoffizielle Wahrzeichen des Stadtteils: Die beiden leben in der Anderter Mühle. „Das ist der schönste Platz der Welt“, sagt Kerstin Allner. „Wir sind mitten in der Natur. Und ruck, zuck in der City.“ Seit drei Jahren wohnen die beiden Freiberufler in dem kultigen Gebäude, mehrere tausend Euro haben sie in die Sanierung gesteckt, neue Flügel montieren lassen und Mühlsteine als Dekoration in den Gartenboden gesetzt. Als Teil eines Freilichtmuseums fühlen sich die beiden nicht. Selbst dann nicht, wenn ihnen vorbeifahrende Radler staunende Blicke zuwerfen. „Wir sind glücklich.“ Diese Mühle verleiht Flügel.

Sich in Anderten wohlzufühlen, das ist für Bürgermeister Bernd Strauch selbstverständlich. Er ist im Stadtteil aufgewachsen – und möchte auch nie wieder weg. Auf seine Heimat ist er stolz: „Weil es hier ausgezeichnete Naherholungsgebiete gibt. Wegen des Kanals, der Schleuse und der Nähe zum Tiergarten.“

In der Tat ist Anderten ein Stadtteil der vielen Gesichter. Da gibt es die dichten, mehrstöckigenWohnsiedlungen am Königsberger Ring. Den Steinbruch hinterm Kanal. Die Gaim, das Waldgebiet, das Anderten von Bemerode trennt. Oder das Zentrum rund um Goll- und Pumpstraße, in dem man noch den dörflichen Charakter des Stadtteils spürt. Liebevoll restaurierte Bauernhäuser reihen sich hier aneinander.

Doch Landwirtschaft an sich betreibt kaum noch jemand. Von den einst über 60 Höfen sind gerade drei geblieben, nur ein einziger wird noch von einem Bauern direkt aus Anderten bewirtschaftet. In der Freidingstraße, fast schon inmitten eines Wohngebiets mit zweckmäßiger Nachkriegsarchitektur, hat Friedhelm Brandes sein ursprüngliches Anwesen bewahrt. Efeu wuchert auf der Backstein-Fassade des Wohnhauses, Trekker und Landmaschinen stehen vor den Wirtschaftsgebäuden, in denen früher mal Vieh gezüchtet wurde. Früher, als Anderten noch ein Bauerndorf war und es keine Anwohnerbeschwerden wegen Geruchsbelästigung gab. Heute baut Brandes Weizen, Gerste und Roggen an, draußen auf den Feldern hinter dem Schnellweg.

Es ist dieser Hauch des beschaulichen, rustikalen Lebens, den Georg Husak (81) an Anderten schätzt. „Früher haben sie hier noch Pferde gewaschen“, erinnert er sich. Die Pferde, die Gespanne – alles Geschichte. Geblieben seien die Natürlichkeit, die Ruhe und die gute Beziehung zu den Nachbarn. „Man kennt sich. Und man grüßt sich“, sagt er. Eine Meinung, die Bezirksbürgermeister Knut Fuljahn teilt. „Anderten ist sehr familiär, das zeichnet den Ort aus. Obwohl viele zugezogen sind.“

Auch Rolf Rehkopf (65) bezeichnet sich als „Zugereisten“. Dabei war seine Reise kurz – er stammt aus Isernhagen. Aber der Wirt des Alten Bahnhofs will sich nichts vormachen. „Es heißt, man braucht mindestens eine Generation, um hier richtig integriert zu werden – so lange gilt man eben als Neuling.“Aber das sei so eine Eigenart, die man halt hinnehmen müsse. Rehkopf zuckt mit den Schultern. Er lächelt. „Dafür gibt es hier keine Spinner, keine Poser.“

Im Hintergrund hört man das Wasser des Springbrunnens im Biergarten des Alten Bahnhofs plätschern. Rehkopf lehnt sich in einer Hollywoodschaukel zurück. „Und eigentlich“, sagt er zufrieden, „ist es wirklich wunderschön hier.“


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