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Der Stadtteil Sahlkamp

© Christian Behrens

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Sahlkamp

Die Sahlkämp(f)er haben ein großes Herz

Viele Nationen, viel Natur: Die Mathematik des Viertels

Wer den Sahlkamp verstehen will, sollte eine Formel aus dem Mathe-Unterricht noch im Gedächtnis haben: Eine Linie ist die Verbindung zwischen zwei Punkten.

Schnurgerade ziehen sich die Wege durch den Stadtteil, Straßen treffen im akkuraten 90-Grad-Winkeln aufeinander, die größeren Wohnblöcke sind Monolithe, im Herzen des Viertels schraubt sich ein Hochhaus 17 Stockwerke in die Höhe. Ecken und Kanten prägen das Viertel, das auf dem Stadtplan als hochkant stehendes Rechteck ins Auge sticht. Ecken und Kanten hat auch der Sahlkämper. Nicht umsonst reimt sich das auf „Kämpfer“.

„Wir sind multikulti hier.“ Der Mann, der das mit einem gewissen Stolz sagt, ist in der Türkei geboren und schickt viele Sahlkämper in den Ferien in ihre Heimat: Muammer Demirans Reisebüro und Postagentur ist die Anlaufstelle für Menschen aus 70 Nationen. Auf 19 Spielplätzen, sechs Bolzplätzen und zwei Skater-Anlagen herrscht babylonisches Sprachengewirr. „Ich mag das viele Grün hier“, schwärmt die Polin Barbara in gebrochenem Deutsch über ihre neue Heimat. Grün?

„Der Stadtteil hat viele Gesichter!“ Bezirksbürgermeister Hans Battefeld gibt sich ebenfalls sahlkämp(f)erisch. Natürlich gebe es das Hochhaus, die Plattenbauten. Aber 77 Prozent der Wohngebäude seien Ein- und Zweifamilienhäuser – nur in Vierteln wie Isernhagen-Süd liegt der Wert höher. „Es gibt keinen Grund, den Sahlkamp schlechtzureden.“ Die Gegenargumente: gepflegte Gärten, Terrassen, individuelle Architektur, ausgezeichnete Nachbarschaft im Märchenviertel und nördlich der Kugelfangtrift.

Der Sahlkampmarkt ist anders: Größere Männergruppen diskutieren, Frauen mit Kopftuch steuern die Supermärkte an, Kinder toben und scherzen in vielerlei Sprachen. Natürlich kreisen hier auch mal Schnapsflaschen, fletschen Hunde die Zähne oder beschweren sich Passanten über den Radau im Schatten des trutzigen Hochhauses.

Hajo Arnds vom Stadtteiltreff sieht jedoch auch die Vorteile des bunten Völkergemischs, der vielen verschiedenen Mentalitäten: „Die Internationalität ist doch unser großer Pluspunkt.“ Gespräche auf den Straßen, Picknicke auf den Wiesen – „die Leute gehen raus, verschanzen sich nicht in ihren Wohnungen“.

Zahra Ostad kann das bestätigen. „Die Menschen sind sehr herzlich“, schwärmt die 50-Jährige, die in ihrem Geschäft „Blumerie“ täglich etwa 40 rote Rosen und am Schuljahresende jede Menge „Dankeschön“-Sträuße für Lehrer verkauft. „Viele hier haben wenig Geld, wollen aber trotzdem Liebe zeigen.“

Diese Liebe zeigen sie auch ihrem Stadtteil. „Die Menschen sind sehr begeisterungsfähig, schnell zu aktivieren“, weiß Arnds. „Natürlich aus einem gewissen Mangel heraus“, gesteht er ein. Keine Cafés, kaum Restaurants, geschweige denn Clubs im Viertel. Dafür eine Masse an Projekten, Aktionen, Initiativen – und eine Stadtteilstiftung, die Gelder an soziale Einrichtungen ausschüttet, Ideen belohnt, Kreativität fördert.

Davon gibt es viel im Sahlkamp. In den „Internationalen Stadttteilgärten“ züchten Familien aus der Türkei, dem Irak oder aus Deutschland auf den Dächern der Tiefgaragen Gemüse – direkt vor den Wohnblöcken in Spessart- und Steigerwaldweg. Im Zirkus „Sahlino“ lernen Kinder Akrobatik. Der Stadtteilbauernhof zieht Familien aus der ganzen Stadt an. Patricia Schulze kommt mit ihren Töchtern seit Jahren extra aus Anderten. „Ich dachte, hier ist alles grau“, stellte sie beim ersten Besuch verwundert fest, „der Sahlkamp ist ja gar keine Steinwüste.“

Nein, ist er nicht. Nicht am Märchensee, wo Valentina (20) aus der Ukraine, Irina (19) aus Russland und Natalia (21) aus Estland auf einer Parkbank sitzen und über Jungs und das Leben diskutieren. Nicht, im Landschaftsschutzgebiet im Norden, wo hin und wieder Schafherden durchziehen und ständig das Keckern der Vögel und leise das Rauschen der Autobahn zu hören ist. Nicht in der Kleingartenkolonie am Mittellandkanal, die den Namen „Neue Hoffnung“ trägt. Und erst recht nicht im Märchenviertel oder nördlich der Kugelfangtrift, wo sich die Häuschen aneinanderreihen wie Perlen auf einer Schnur. Auch hier gilt die Sahlkamp-Formel: Die Ver-bindung zwischen zwei Punkten ist eine Linie.


Aus den Stadtteilen Ost

Sahlkamp

Schneewittchen steht am Schulweg

Die Schüler aus zwei zweiten Klassen der Grundschule Hägewiesen haben mit Tonfiguren Ideen für Skulpturen auf dem Märchenweg geschaffen.

Während einer Projektwoche haben sich die Schüler zweier zweiter Klassen der Grundschule Hägewiesen an den Planungen für die Neugestaltung des an der Schule liegenden Märchenwegs beteiligt. mehr

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Das Video

Die große Stadtteilserie der NP stellt Ihre Heimat vor. Das Video zum Besuch im Zooviertel sehen Sie hier.