Gisbert Selke lebt seit 47 Jahren in Misburg-Süd.
Sie setzen sich intensiv mit Ihrer Heimat auseinander?
Ich schreibe an der Chronik der Herz-Jesu-Kirche, sammle alte Postkarten und Bilder, zum Teil sind die aus den 20er Jahren.
Wie würden Sie Misburg-Süd beschreiben? Hat es noch den Charme eines Arbeiterstadtteils?
Die Industrie ist ja in den 80er Jahren zurückgegangen. Das mit dem traditionellen Arbeiterviertel hat sich gewandelt. Heute hat sich die Bevölkerung in Misburg-Süd sehr durchmischt.
Der Unterschied zwischen früher und heute?
Damals lebten hier eben noch viele Industriearbeiter, aber durchwegs rechtschaffene und kultivierte Menschen. Es gab ein Wir-Gefühl und ein enges Sozialgefüge. Mit dem Rückgang der Zementindustrie ist die Kette der Arbeiter-Generationen unterbrochen worden. Das soziale und kulturelle Umfeld hat sich kontinuierlich verändert.
Was schätzen Sie an Misburg-Süd?`
Was mir hier gefällt: Es gibt kein Oben und kein Unten. Jeder ist gleich viel wert. Und ich habe zu allen ein gutes Verhältnis. Es gibt in der Gesellschaft kaum soziale Probleme. Und die ausländischen Mitbürger haben sich gut integriert.
Keine Sorgenfalten?
Wenn man hier quasi groß geworden ist, verzeiht man alle Macken.
Hatten Sie nie das Bedürfnis, einmal wegzuziehen?
Nun, wenn man so manche Wohngebiete in Anderten oder Misburg-Nord sieht, dann muss man schon sagen: Die haben was. Aber unser Stadtteil hat Atmosphäre. Und außerdem haftet mir so etwas wie Stallgeruch an. Ich kann mich noch erinnern: Einige andere Lehrer haben damals die Hände über den Kopf geschlagen, als sie nach Misburg sollten. Und heute wollen sie nie mehr weg.
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