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Still ruht der See: Der Blaue See liegt mitten im Misburger Wald - Hundebesitzerin Annette Martins liebt die Atmosphäre.

Still ruht der See: Der Blaue See liegt mitten im Misburger Wald - Hundebesitzerin Annette Martins liebt die Atmosphäre.© Christian Behrens

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Misburg-Nord

Wohlfühlen am Wald und im Wasser

In Misburg-Nord kann man sich „schweinewohl“ fühlen.

Es sind 91 Kilometer: Eine gute Stunde fährt Manfred Wilke (50) mit seiner Familie von seinem Wohnort Helmstedt nach Misburg-Nord, an jedem Wochenende, so oft es geht jedenfalls. Ist er angekommen, zieht er sich erst mal aus, und zwar komplett: Wilke ist Schriftführer im Bund für freie Lebensgestaltung Hannover, jenem Verein, der den FKK-Sport- und Freizeit-Park Sonnensee betreibt – Europas größte private Anlage für Freikörperkultur und gleichzeitig die geheime Attraktion Misburgs. 640 000 Quadratmeter ist das Areal groß, allein das Gewässer macht davon ein Viertel aus. Es gibt Wohnwagen-Stellplätze mit Stromanschluss, Liegeflächen, einen Spielplatz, ein Vereinsheim, auch einen Saunabereich, in dem man sich massieren lassen kann. Alles in ungezwungener Atmosphäre. Selbst Volleyball wird hier nackt gespielt. Und zwar international: Im Park verbringen neben Freizeit-Nackedeis aus ganz Deutschland auch Nudisten aus Holland, Schweden oder Dänemark ihre Ferien. „Das mit der Scham“, sagt Wilke, der als Bürokaufmann für einen Automobilkonzern arbeitet, „spielt sich bloß im Kopf ab.“ Alles Einstellungssache. Wilke schmunzelt: „Außerdem hat der Freikörperkult einen ganz entscheidenden Vorteil – es gibt bei uns keinen Konkurrenzkampf, was die neuesten Bademoden angeht.“

Der FKK-Park ist aber bei weitem nicht das Einzige, was der größte Stadtteil Hannovers in puncto Naherholung und Grünflächen zu bieten hat. Da strampeln Fahrradfahrer durch den Misburger Wald, grillen Jugendliche am Blauen See oder laufen Jogger entlang des Mittellandkanals.

Dabei eilte dem Stadtteil lange der Ruf als verstaubtes Arbeiterviertel voraus. Die Zeiten, als viele Misburger in den Zementwerken der Gegend arbeiteten, sind aber längst passé. Valentin Bialecki (95) kennt dieses alte Misburg noch, als der Rauch aus den vielen Schornsteinen den Himmel verdüsterte. Er selbst hat für das Mineralölunternehmen Deurag-Nerag gearbeitet – und über sein Viertel eine Chronik geschrieben. Heute kann er von seinem Haus an der Wittinger Straße direkt auf das brachliegende Raffinerie-Gelände am Stichkanal schauen. Er sagt: „Das mit dem reinen Arbeiterviertel, das stimmt längst nicht mehr.“ Misburg sei vielmehr lebenswert geworden, ergänzt Bezirksbürgermeister Knut Fuljahn. Schließlich sei alles vorhanden: Ärztehaus, Schulen, ein lebendiges Zentrum, eine gute Infrastruktur, sogar zwei Aldi- und zwei Lidl-Märkte. Misburg ist eigentlich eine Stadt für sich.“

Und eine, die wächst. Am Steinbruchsfeld etwa, ein paar Meter vom Mittellandkanal entfernt, reift gerade ein weiteres Stück Misburg heran: Auf dem ehemaligen Gelände einer Landwirtschaft entstehen schmucke Reihenhäuser, sogar ein eigenes Viertel mit Gebäuden im holländischen Stil. Zielgruppe: „Überwiegend Familien“, sagt Maria Schaumkessel von Weber Massivbau, einem der Unternehmen, die hier investieren.

Dass junge Familien aber auch ganz traditionell wohnen können, sieht man an der Anderter Straße. Gleich um die Ecke von Meyers Garten, Misburgs quirliger Ortsmitte, steht ein 500 Jahre altes Fachwerkhaus, eines der wenigen historischen Gebäude, die hier noch existieren. Mittlerweile ist es wunderschön restauriert, aus dem Garten hört man Kindergebrüll. „Wir sind hier so etwas wie eine ursprüngliche Insel“, sagt Nicole Richter (36), „jeder spricht uns auf unser Haus an.“ Seit einem Jahr wohnt die Friseurmeisterin in den ehemaligen Stallungen und fühlt sich „schweinewohl“.

Eine bodenständige Kneipe um die Ecke: Bei „da Enzo“ blinken die Spielautomaten, in der Jukebox läuft Abba, hinter der Holztheke zapft Wirt Giovanni Roncone (59) das Feierabend-Bier für einen seiner Stammgäste, Maler Wolfgang Wilk (53).

Hier lächelt man über den ruppigen Stadtteil von einst, als sich Misburger und Anderter öfter etwas auf die Mütze gaben. „Ein gefährliches Pflaster damals“, erzählt Wilk. „Mittlerweile“, sagt er, habe sich das Viertel gut entwickelt. Weg vom Rabaukentum, hin zum Positiven.

Joachim Elbert (72) kann das nur unterstreichen. Mit seiner Frau Edeltraud (73) löffelt er an einem Spaghetti-Eis bei Meyers Garten. „Ich habe hier alles, was ich brauche“, sagt er. Kurz gesagt: Misburg sei schicker geworden. Deswegen, so betont er, möchte er hier auch niemals weg. „Gut, außer vielleicht einmal im Jahr – zum Urlaub in die Türkei.“


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