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Heideviertel

"Tote Hose" macht wunschlos glücklich

Wer im Heideviertel lebt, hat keinen Grund zu klagen
Die gläserne Pyramide ist ein Erkennungsmerkmal des Viertels.

Die gläserne Pyramide ist ein Erkennungsmerkmal des Viertels.

© Patrice Kunte
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Zwei Beschwerden. Oder mehr? Nein, an mehr kann sich Georg Fischer nicht erinnern. Der Bezirksbürgermeister sitzt vor der „Hopfenklause“ im Heideviertel, direkt am Marktplatz, trinkt ein Wasser und beobachtet die ankommenden und abfahrenden Autos. Hier treffen sich die Einwohner beim Blumenkauf, gehen zum Optiker, zur Bank, in den Supermarkt. Hauptsächlich die Einwohner, selten Besucher.

„Wer soll denn hierher finden?“, fragt Fischer mit einem Augenzwinkern. Denn: „Egal, von wo Sie kommen, das Heideviertel steht auf keinem Verkehrsschild. Nirgends.“ Auf den ersten Blick scheint sich der Besuch auch nicht wirklich zu lohnen. „Kein Schützenverein, keine Feuerwehr, kein Kulturverband – tote Hose“, sagt Fischer und lacht herzhaft. „Aber fragen Sie mal die Anwohner. Die fühlen sich hier sauwohl! Wie gesagt: zwei Beschwerden. Mehr habe ich in meinen zwölf Jahren als Bezirksbürgermeister nicht auf den Schreibtisch bekommen.“

Das Heideviertel bietet nicht unbedingt die größte Palette an Unterhaltungsmöglichkeiten. Es erfüllt eher praktische Anforderungen – es ist ein Wohnviertel, überwiegend gutbürgerlich, im Stadtvergleich sind die Einwohner eher älter. Dank der Nähe zur Medizinischen Hochschule haben sich hier aber auch viele der Mitarbeiter niedergelassen, auch ein paar Studenten, die frischen Wind bringen.

Die meisten Häuser stehen allein, sind alt, aber nicht heruntergekommen. Viele Vorgärten sind mit akkurat geschnittenen Hecken eingerahmt, alles ordentlich und gepflegt, ohne zu abgehoben zu wirken. Keine Villensiedlung wie Waldhausen. Aber auch kein sozialer Brennpunkt.

Simone Winterstein sitzt am Spielplatz am Lüneburger Damm auf einer Bank, ihren vier Monate alten Sohn Frederik hält sie auf dem Schoß, ihre Tochter Marie spielt mit Freundinnen fangen. Die Siebenjährige kommt kurz vorbeigelaufen, fragt, wann sie weiter müssen. „Erstmal noch nicht“, antwortet Winterstein entspannt.

Die Sekretärin ist im Mutterschutz, hat viel Zeit für Spielplätze und ausgedehnte Spaziergänge durch den Stadtteil. „Wobei, so groß ist er ja eigentlich nicht“, schränkt sie ein.

Aber ein paar bemerkenswerte Dinge gibt es im Heideviertel doch zu entdecken: Die Grundschule am Lüneburger Damm zum Beispiel – die teilt sich die Räumlichkeiten mit der Montessori-Schule. Den Kleintierzuchtverein, der so viele Preise einfährt. Die Kirchengemeinde mit dem wohl kleinsten Glockenturm. Die vielen Kleingärtner. Und den Polizeisportverein, in dem alle mittrainieren dürfen.

Die 21-jährige Svenja Rothenburg spielt auf der Anlage Tennis. Direkt vor der Haustür ist nicht viel los, gibt sie zu. Aber: „Das Annabad ist nebenan, die Eilenriede auch.“ Für sie ist das der „erweiterte Stadtteil“. Nur Freunde, die sie zum ersten Mal besuchen, brauchen meist etwas Aufklärung. „Heideviertel, häh?“ hört sie oft. „Dann sage ich: Das liegt zwischen Misburg und Kleefeld. Das kann schon jeder zuordnen.“

Das Heideviertel ist vielleicht ein versteckter Stadtteil. Aber eben auch ein glücklicher. Rothenburg bestätigt, was Bezirksbürgermeister Georg Fischer sagt. „Ich wüsste auch nicht, worüber ich mich hier beschweren sollte.“


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