Navigation:
Idylle zwischen Fachwerk und Wohnblöcken

Idylle zwischen Fachwerk und Wohnblöcken: Gross Buchholz© Christian Behrens

|
Gross-Buchholz

Wie ein Hauptgewinn in der Lotterie

Gemeinschaftgefühl zwischen Fachwerk und Wohnblöcken

Träge hängen die Äste der Linden und Rotbuchen über der schmalen Straße. Idyllisch wirkt er, der Kapellenbrink, malerisch und und beschaulich. Alte Bauernhäuser mit niedrigen Holzzäunen säumen den Weg, der durch das Herz des Stadtteils verläuft. Quer durch das alte Groß-Buchholz.

Ein paar Schritte weiter ist es vorbei mit der Ruhe. Im Schatten der Bäume rattern Mischmaschinen, dröhnen Bagger, brüllen sich Vorarbeiter im aufgewirbelten Staub Kommandos zu. Mehrere Doppelhaushälften wachsen hier heran, schicke Passivhäuser mit bis zu 160 Quadratmetern Wohnfläche, hochgedämmt, teilweise mit Solaranlage ausgestattet. Die Modelle heißen „Soho“ oder „Greenwich“, die Reklame verspricht etwa eine „großzügige Raumaufteilung“ oder einen „offenen Charakter“. Das ist das neue Groß-Buchholz.

„Wir haben das große Los gezogen“, sagt Andrea Grabosch (37), die vor wenigen Wochen mit ihrer Familie an die Karla-Schmidt-Straße gezogen ist, denn ihr Passivhaus ist bereits fertig. Groß ist das Interesse an der Gegend, die innenstadtnah ist und trotzdem dörflich, ein gutbürgerliches Refugium eben. Um hier wohnen zu können, musste sich Grabosch bei einer Lotterie beteiligen: „40 Leute haben sich für elf Grundstücke beworben.“ Gra­bosch wurde als Erste gezogen. „Super“, sagt sie knapp, aber voller Freude. Dass ihr neues Zuhause mehrere hunderttausend Euro kostet, scheint sie gern in Kauf zu nehmen. „Kindergarten, Schule, alles gleich nebenan“, sagt die Betriebswirtin. Nichts anderes habe sie sich gewünscht, zumal sie selbst aus Groß-Buchholz stamme.

Quasi um die Ecke taucht man wieder ein in das alte Dorf. Und in die Welt einer Familie, die in einem Fachwerkhaus lebt – in einem Gebäude, in dem 250 Jahre Groß-Buchholzer Handwerksarbeit stecken. Nun, nicht nur, denn Architektin Meike Uphoff (37) musste ihr schmuckes, aber „total verfaultes“ Erbstück erst wieder aufpäppeln, bevor es zu dem wurde, was es heute ist.„Beim Restaurieren ist nur das Gerippe geblieben“, erinnert sich die dreifache Mutter. Fundamente, Bodenplatten, Dachstuhl – alles ist neu. Nun ist sie glücklich, schließlich wollte sie die Familientradition nicht sterben lassen: „Ich bin hier aufgewachsen.“

Es ist diese enge Verbundenheit mit dem Stadtteil, der Katja Steen (39) immer wieder nach Groß-Buchholz zurückkehren lässt. Auch, wenn es nur einmal im Jahr ist, während des Urlaubs. Denn die Lehrerin lebt heute in Chicago. Ihr Heimatbesuch hat sie eben zum Einkaufen in die Silberstraße geführt, nun setzt sie ihren Jüngsten auf den Babysitz ihres Fahrrads. „Das vermisse ich“, sagt sie wehmütig, „das Fahrradfahren.“ Die Fachwerkhäuser und das Kopfsteinpflaster auch, ergänzt sie. „Und das Gemeinschaftsgefühl.“

Deutlich wird diese Atmosphäre, wenn man die Sternschnuppe betritt, eine Buchhandlung an der Ecke Silberstraße/Pinkenburger Straße. „Sehen Sie mal, was mir die Kunden mitbringen“, sagt Chefin Birgit Nerenberg (52) mit breitem Grinsen. Sie deutet auf einen prallen Erdbeerkuchen, den ihr Frau Kucera mal eben so geschenkt hat. „Unglaublich, wie man hier verwöhnt wird.“ Normal sei so etwas in der Stadt nicht, in Groß-Buchholz aber durchaus. Selbstverständlich jedoch auch nicht: Vernetzung lautet das Motto, mit dem die SPD-Ratsfrau Kunden- und Freundeskreis bewahrt – und gleichzeitig etwas für Bildung und Kultur im Stadtteil tut: Nerenberg gibt Vorlesestunden in Kitas, ist Schirmherrin eines Lese-Mentoring-Projekts, stellt im Kulturtreff Roderbruch Bücher vor. Sie sagt: „Ich mache das auch, um soziale Hemmschwellen zu überwinden.“

Der Roderbruch, von Bewohnern selbstironisch auch „Roderbronx“ genannt, ist der Kontrast zum dörflichen Groß-Buchholz nördlich des Schnellwegs: Fachwerk hier, anonyme Hochhaussiedlungen da.

Besonders der Osterfelddamm, in dem viele Migranten leben, gilt als schwieriges Umfeld. „Unser Sorgenkind“, erzählt Petra Volk (51), die Geschäftsführerin des Kulturtreffs Roderbruch. Seit 25 Jahren fördert ihre Institution mit Kursen und Aktionen das friedliche Miteinander der unterschiedlichen Nationen – mit Erfolg: Unlängst wurde das Projekt „Mein Nachbar, der Clown“ von der TUI-Stiftung mit einem Preis belohnt. „Wir wollen aufeinander zugehen und Verständnis füreinander aufbringen“, sagt Volk. „Und wir sind stolz drauf, wenn das gewürdigt wird.“


Aus den Stadtteilen Ost

Sahlkamp

Schneewittchen steht am Schulweg

Die Schüler aus zwei zweiten Klassen der Grundschule Hägewiesen haben mit Tonfiguren Ideen für Skulpturen auf dem Märchenweg geschaffen.

Während einer Projektwoche haben sich die Schüler zweier zweiter Klassen der Grundschule Hägewiesen an den Planungen für die Neugestaltung des an der Schule liegenden Märchenwegs beteiligt. mehr

KommentareKommentar/e



Anzeige

Das Video

Die große Stadtteilserie der NP stellt Ihre Heimat vor. Das Video zum Besuch im Zooviertel sehen Sie hier.