Vinnpost-Büro: Im Keller von Siegfried Walter hat sich die Redaktion eingerichtet.
Wieso gönnt sich ein Stadtteil wie Vinnhorst eigentlich eine eigene Zeitung?
Weil wir uns eigentlich immer noch als eigenständige Gemeinde sehen, auch wenn wir inzwischen zur Stadt gehören. Im Ernst: Nachdem Vinnhorst 1974 eingemeindet worden war, berichtete die Zeitung aus Langenhagen nicht mehr über uns – in Hannover hat man sich aber auch noch nicht so richtig für uns interessiert. Die Arbeitsgemeinschaft der Vinnhorster Vereine empfand das als unhaltbaren Zustand.
Und hat dann einfach alles selbst gemacht?
Genau. Allerdings sah die „Vinn-Post“ anfangs noch etwas anders aus. Es waren deutlich weniger Seiten im A5-Format. Die Ausgaben beinhalteten neben Serviceadressen und Jobangeboten vor allem Vereinsnachrichten.
Und die wollte keiner lesen? Oder wieso gibt es jetzt auch eigene Geschichten?
Die Vereinsnachrichten waren schon populär, allerdings erreichten sie nur eine Auflage von 800 Exemplaren, die auslagen. Heute verteilen wir 5600 Stück, haben sechs Schreiber und bekommen Texte von Einwohnern dazu. Viele, die aus Vinnhorst wegziehen, abonnieren die Zeitung. Wir schicken sie nach Stuttgart genau wie nach Schleswig-Holstein.
Geht Ihr Engagement über die journalistische Arbeit hinaus?
Absolut. Wir sind Partner beim jährlichen „Lebendigen Adventskalender“. Vom 1. bis 23. Dezember öffnen sich an verschiedenen Häusern in Vinnhorst die Fenster und die Kinder bekommen etwas. Beim Weihnachtsmarkt wirken wir mit, natürlich auch beim Schützenfest. Mit der Grundschule zusammen haben wir auch mal ein „VinnPöstchen“ gemacht. Wir gestalten das Leben des Stadtteils mit.
WerdenSie auch politisch gehört?
Ja. Wir haben zum Beispiel eine Debatte um die Ampel an der Beneckeallee losgetreten. Die wird von Autofahrern häufig beim Abbiegen ignoriert. Zuerst wurde umgebaut, das hat aber nichts geändert. Inzwischen schaut der Kontaktbeamte deutlich häufiger dort vorbei.
Sie suchen die Anzeigenkunden selbst, Sie layouten, schreiben. Wieso die ganze Mühe?
Unser ehemaliger Bezirksbürgermeister Alptekin Kirci hat das mal schön ausgedrückt. Er meinte, was der Zaubertrank für das kleine unbeugsame gallische Dorf bei Asterix und Obelix sei, ist den Vinnhorstern ihre „Vinn-Post“. Die Zeitung ist unsere eigene kleine Geheimwaffe, um unser Leben hier einfacher und schöner zu gestalten. Und wir hoffen, dass das noch viele Jahre so bleibt.
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