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Vinnhorst

Hier leben die Gallier von Hannover

Die Vinnhorster fühlen sich immer noch unabhängig.
Ein Relikt aus Gemeindezeiten: das Rathaus

Ein Relikt aus Gemeindezeiten: das Rathaus

© Christian Behrens
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Ein bisschen ist es wie bei Asterix, der mit seinen Galliern sein Dorf gegen das übermächtige römische Reich verteidigt. Denn auch die Vinnhorster würden, das verraten die meisten gleich nach ein paar Minuten, am liebsten immer noch unabhängig sein. Keine Hannoveraner. Vinnhorster eben. Punkt.

Bezirksbürgermeisterin Edeltraut-Inge Geschke zum Beispiel. Sie sitzt im Außenbereich eines Hotels an der Straße Alt-Vinnhorst und schwärmt. „Ich wohn ja selbst hier, und das ist kein Zufall. Unser kleines Gallien – der schönste Stadtteil Hannovers, mindestens!“ An der Straße Kolkhof zum Beispiel, da gibt es einen Parkplatz, eingerahmt von Wohnhäusern mit ausladenden Gärten. Alles ist grün, überall stehen über Jahrzehnte gewachsene Bäume. Und genauso gewachsen sind die nachbarschaftlichen Beziehungen. „Hier kann es jeden Abend passieren, dass alle die Autos zur Seite fahren, wir die Festzeltgarnitur rausholen und einfach zusammen grillen und quatschen. Gern auch die halbe Nacht“, erzählt Geschke.

Dieses ländliche, nachbarschaftliche Gefühl, es zieht sich durch ganz Vinnhorst. Gegenüber der frisch sanierten Grundschule steht das Rathaus – ein Luxus, der mit der Eingemeindung in Hannover 1974 eigentlich überflüssig wurde. Natürlich werden dort inzwischen keine politischen Entscheidungen mehr getroffen. Dafür hat sich die 2002 gegründete Kulturgemeinschaft des Stadtteils hier angesiedelt. Nostalgie-Kinoabende, Lesungen und Theater beim „Lebendigen Café“ – im Rathaus ist Platz für solche Ereignisse.

Aber auch in Vinnhorst zieht die Moderne ein, längst ist nicht mehr der gesamte Stadtteil geprägt von Gemächlichkeit und räumlicher Großzügigkeit. Zwar entdeckt man auf der 1863 erbauten alten Schule noch die Inschrift „Hier lernt die zarte Jugend Weisheit, Sittsamkeit und Tugend“, unweit davon befindet sich dafür als Gegensatz aber das Neubaugebiet Fischteichweg. Es ist nicht historisch gewachsen, sondern am Reißbrett entstanden. Die Häuser stehen hier dichter beieinander, die Bäume am Straßenrand haben noch viel Luft nach oben. Weiße Carports neben fast perfekt wirkenden Häusern, die noch keine Geschichten erzählen.

Ganz anders die unvermeidlich verwitterten Bauten an der 1921 entstandenen Siedlung Rote Reihe. Akkurat gepflegte Vorgärten vor baugleichen Reihenhausreihen. Und, spätestens wenn die Sonne scheint, Kinder überall. Zwei Jungen spielen fangen, ein Mädchen malt Blumen auf den Fußweg. In den Gärten tollen Geschwister im Plantschbecken herum, während die Eltern Oma zum ersten Mal das neue Grundstück zeigen. Auch hier wächst die Nachbarschaftsstruktur, es ist die Verjüngungskur für den ganzen Stadtteil.

Kein Wunder, dass sich junge Familien hier gern ansiedeln. Zum Bauern- und Ponyhof Baumgarte mit seinen Hühnern und Pferden ist es ein Katzensprung. Auf der anderen Seite des Wohngebietes ist der Kanal, viel Grün, die Anlage des TSV Vinnhorst – nur einer von mehreren Sportvereinen im Gebiet. Restaurants sind in Laufnähe, das in den Stadtteil Brink-Hafen übergehende Industriegebiet weit genug weg.

Trotzdem kennt jeder die Bene­cke-Kaliko AG, die zur Conti gehört. Schon allein, weil eine der größten Straßen des Stadtteils nach der ehemaligen „Königlich-privilegierten Wachstuchmacherey“ benannt ist – die Beneckeallee. Hier ist seit 1993 auch der Sitz der Bäckerei und Konditorei von Friedrich Göing, für 32 Filialen in Hannover werden hier Brot, Brötchen und leckere Kuchen hergestellt. Ende des Jahres wird neben der Produktionsstätte eine Bäckerei mit Café und Außenterrasse eröffnet: „Wir schließen eine Baulücke, die seit Kriegsende besteht“, sagt Göing.

Stimmt also, wenn Bezirksbürgermeisterin Geschke erzählt, dass es in Vinnhorst nicht langweilig wird. Ein bisschen stolz ist sie, wenn sie vom Schützenfest, der Freiwilligen Feuerwehr, der Stadtteil-Band Vinn-Rock, dem sehr aktiven Jugendtreff erzählt. „Wie gesagt, wir sind die Gallier. Wenn das römische Reich um uns untergehen sollte – um uns muss sich keiner Sorgen machen“, sagt Geschke und lacht. Fragt sich nur, wo die Vinnhorster ihren Zaubertrank versteckt haben.


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