Ein Genie im städtischen Dienst: Karl Jatho sitzt in seinem Drachenflieger.
Das Tragische an der Geschichte ist, dass der städtische Beamte Karl Jatho seinen Flug nicht fotografisch dokumentierte. So gelten die Brüder Wright als Begründer der motorisierten Luftfahrt. Am 17. Dezember 1903 stieg Orville Wright in den Sanddünen von Kitty Hawk (USA) in die Lüfte. „Nach dem 18. August und bis zum Erstflug von Orville Wright unternahm Karl Jatho noch einige weitere Flugversuche mit besserem Ergebnis, bis zu 3,50 Meter hoch und 60 Meter weit“, schreibt der Journalist Hartung.
Dem Autor ist es zu verdanken, dass Jathos Leistung nicht in Vergessenheit geraten ist. Im Jahr 2008 versuchten Hartung und Volker Lohmeyer Jathos Flugdrachen auf dem Airport Hannover wieder zum Fliegen zu bringen. Ende Juli erbrachten sie den ersten Beweis, dass die Erfindung flugfähig ist – von einem Anhänger gezogen, hob der Drache ab.
Alle weiteren Versuche, das Gerät mit Motorkraft in die Lüfte zu heben, scheiterten allerdings. „Pläne oder Detailbeschreibungen, die zu erkennen geben, zu welcher Art und Größenordnung der Verwindung der Propellerschaufeln sich Jatho entschieden haben mochte, waren in Archiven nicht zu finden“, so Hartung.
Am 13. September 2008 scheiterte der letzte Versuch:„Das Zusammenspiel von Vergaser und Motor funktionierte nicht optimal, so dass wir die erforderliche Startgeschwindigkeit nicht erreichten“, sagte Hartung nach dem gescheiterten Versuch. Die Tüftler benötigten eine Startgeschwindigkeit von 47 Stundenkilometern. Ein großes Problem dabei: Niemand weiß, mit welcher Sprit-Mixtur Karl Jatho sich in die Lüfte wagte. 1903 kaufte man den Treibstoff noch beim Apotheker.
Neben dem Tempo fehlte auch noch die Zeit. Jathos Flugdrache wurde für die Ausstellung „Welt der Luftfahrt“ im Flughafen Hannover benötigt. Am 16. September wurde die Maschine mit dem Zwölf-PS-Puchet-Motor auf das Dach des Airport-Zentralgebäudes gehievt. Die NP titelte damals: „Jatho-Drachen geht doch in die Luft“ – eine Anerkennung, wenn auch eine späte.
Gunter Hartung: Tüftler und Querdenker – ein Plädoyer für Karl Jatho aus Hannover, Leuenhagen & Paris, 96 Seiten, 19,90 Euro.
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