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Sophie Ahrens auf Grannus

Der Reitverein Hannover verdankt seinen Stadtort Am Jagdstall der militärischen Tradition in Vahrenheide.© Christian Behrens

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Vahrenheide

Hier ziehen sich die Gegensätze an

Das junge Vahrenheide ist ein Ort der Annäherung

Es riecht nach Pferd und Stall. Mädchen mit Zöpfen schieben Karren mit Mist vor sich her. Der Parcours-Platz ist zerfurcht von Pferdehufen. Ein ländliches Idyll, inmitten der Großstadt. Einer von vielen Gegensätzen im Stadtteil Vahrenheide.

Als der Stadthistoriker Herbert Zimmermann 1985 über das Viertel im Norden Hannovers schrieb, wählte er den Titel „Junger Stadtteil mit Geschichte“. Vahrenheide ist in den 50er und 60er Jahren aus dem Boden gestampft worden. Gleichzeitig verfügt Vahrenheide über Militärgeschichte, der auch der Reitverein Hannover seinen Standort verdankt. Der erste zivile Flughafen Hannovers entstand auf dem sandigen Boden der „Vahrenwalder Heide“. Am 15. April 1919 flog die erste Linienmaschine nach Berlin.

Die Stadtbahnlinie teilt Vahrenheide in West und Ost – ein weiterer Gegensatz. Während im westlichen Teil Reihenhäuser für Beschäftigte des öffentlichen Dienstes entstanden, wurden im östlichen Teil anonyme Mehrfamilienhäuser und Hochhausblocks hochgezogen. „Die Stadtbahnschiene markiert die soziale Grenze zwischen Mittelstand und Problemviertel“, sagt Lutz-Rainer Hölscher vom Stadtteilforum. Die Stadt habe bei der Entwicklung des Viertels den Fehler gemacht, zu viele Belegrechte auf Vahrenheide zu verteilen. Die Folge: eine Ballung von sozialen Problemlagen.

„Es gibt zu viele Ausländer, die zu viel Stress machen“, sagt ein ausländischer Junge. Unter Stress versteht er Prügeleien und Raubüberfälle. Zusammen mit seinen Freunden spielt der Junge auf dem Bolzplatz des Deutschen Fußball-Bundes. Zu uns gesellt sich Ali (14). Der Kurde lebt seit neun Jahren in Deutschland. Für ihn ist Vahrenheide der „schönste Stadtteil“ Hannovers. „Ich habe hier viele Freunde, es gibt viel Grün“, sagt er. „Vahrenheide ist das Viertel mit den meisten Bäumen in Hannover“, sagt Bezirksbürgermeister Hans Battefeld (CDU). Wieder so ein Gegensatz: Problemstadtteil im Grünen.

Allerdings hat sich die soziale Lage in Vahrenheide entspannt. Ein Grund heißt „Soziale Stadt“. Im Rahmen des Programms sind 53,7 Millionen Euro von Stadt und Land nach Vahrenheide geflossen. Überwiegend wurden Häuser und Wohnungen saniert. Die städtische Wohnungsgesellschaft GBH besitzt 2161 Wohnungen in dem Stadtteil. „Rund 1500 haben wir saniert“, sagt GBH-Geschäftsstellenleiterin Ursula Schroers.

Manchmal hilft aber nur eine Radikallösung, wie im ehemaligen Klingenthal. Dort hat man die Hochhäuser einfach abgerissen und Eigenheime geschaffen. Mittlerweile haben sich überwiegend gut verdienende Menschen mit Migra­tionshintergrund niedergelassen. Hier wohnt die neue Mitte. Im Hause Bliner/Khoch lebt die Gymnasiastin Anna Bliner mit ihren Großeltern und ihrer Mutter. Sie stammen aus Russland. Die Mutter von Anna arbeitet als Internistin in einem Blankenburger Krankenhaus (Sachsen-Anhalt) und ist nur am Wochenende zu Hause. „Früher haben wir in der Alten Heide gewohnt. Aber hier ist es viel besser“, sagt die Schülerin. Mit ein bisschen Stolz erwähnen Enkelin und Großvater, dass sich auch ein Inder hier niedergelassen habe.

Vahrenheide: sicher kein Märchen aus Tausendundeiner Nacht, aber ein Ort der Annäherung. Manchmal ziehen sich Gegensätze an.


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