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Das Landschaftsschutzgebiet westlich der B6 gehört zum Stadtteil Stöcken.

Landschaftsschutzgebiet: Die Leinemasch westlich der B6 ist ein beliebtes Areal für Sportler und Ausflügler.

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Stöcken

VW, Multikulti und Teestunde

"Wir unterscheiden einfach nicht nach Nationen"

Die Fabrikhallen aus Backstein scheinen sich endlos Richtung Horizont zu ziehen. Vereinzelt genießen ein paar VW-Mitarbeiter im Blaumann ihre Mittagspause. Daneben: geparkte Autos. Es sind hunderte, wenn nicht tausende.

Auf dem Gelände von Volkswagen Nutzfahrzeuge in Stöcken bekommt das Wort Entfernung eine ganz neue Dimension. Vom Eingang läuft man gut zehn Minuten bis „Block Fünf“, dem Hannover-Sitz von VW-Coaching, einer Volkswagen-Tochter, die sich um Personalentwicklung kümmert. Ralf Meyer (48) sitzt hier im obersten Stock. Er ist der Niederlassungsleiter, führt 80 Mitarbeiter – und er ist Stöckener. So wie sein Vater. Und sein Großvater.

Untrennbar ist der Stadtteil mit der Industrie verbunden. 3000 Menschen arbeiten bei Continental, 11 500 im Werk von Volkswagen Nutzfahrzeuge, dem größten Arbeitgeber in der Region. Kleintransporter rollen hier am laufenden Band vom Band. Aber das Hämmern, Bohren und Schweißen aus den Werkzeughallen ist in Meyers Büro nicht zu hören. Von seinem Fenster aus könne man sehen, wo sein Vater früher eine Landwirtschaft hatte. „Und dort“, er deutet mit dem Finger auf hochgewachsene Pappeln, „da wohne ich“.

Der Manager ist immer im Viertel geblieben. „Ich bin hier verwurzelt.“ Wenn er über seine Heimat spricht, dann spürt man eine innige Verbundenheit, die sich auch in seinem Engagement beim Bürgerverein niederschlägt. Meyer ist dort Vorsitzender. Er sagt: „Stöcken, das ist ein schöner Stadtteil, auch wenn das viele nicht wahrhaben wollen.“

In der Tat erkennt man die „schönen Ecken“, wie sie Meyer nennt, nicht sofort. Aber da gibt es die verträumten Bauernhäuser im alten Dorfkern an der Gemeindeholzstraße, die ein lauschiges Stadtwäldchen umschließt. Oder die beschauliche Leinemasch hinter dem Westschnellweg. Oder den Stadtfriedhof Stöcken mit seinem von Trauerweiden gesäumten Teich.

Und Stöcken wird noch schöner: Mit dem Projekt „Soziale Stadt“ fließen knapp acht Millionen Euro aus öffentlichen Töpfen in neue Häuserfassaden, bessere Dämmungen oder Bolzplätze.

Stichwort: Multi-Kulti. Fast 40 Prozent der Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund. Das macht das Zusammenleben nicht immer einfach. Gegen den Bau einer Moschee regte sich im Viertel Schwarze Heide massiver Widerstand. Mittlerweile wird das Gebäude genutzt – und es ist Ruhe eingekehrt rund um das 16 Meter hohe Minarett.

Die muslimische Gemeinde versucht, auf die Nachbarschaft zuzugehen. „Zu unseren Veranstaltungen laden wir alle ein, auch die Polizei und die Feuerwehr. Dann trinken wir gemeinsam Tee“, sagt Selahattin Ciftci (37) vom Moscheeverein. Konflikte? Ciftci lächelt. Manchmal werde über die Lautstärke gemeckert. Aber das sei es dann auch schon.

Wie Multi-Kulti in Stöcken funktioniert, dafür ist Vera Demicheva (33) der beste Beweis. Die gebürtige Russin lebt mit ihrem Sohn Adam (4) im Stadtteil und hat „tollen Anschluss gefunden“: Ihre beste Freundin stammt aus Algerien, außerdem hat sie gute Bekannte aus Polen und der Türkei. Und auch mit ihren deutschen Nachbarn verstehe sie sich sehr gut. Wie das geht? „Wir unterscheiden einfach nicht nach Nationen.“


Aus den Stadtteilen Nord

Stöcken

Gemeinsames Zuckerfest bei Ahmadiyya

Für einige Frauen, die das erste Mal die Moschee besuchen, war es ungewohnt, nach der Begrüßungsansprache von den Männern getrennt in dem Frauenbereich im zweiten Stock zu feiern. Zum Büfett trafen sich beide Geschlechter wieder draußen.

Stöckener Muslime laden Nachbarn und Politiker nachträglich zum Fastenbrechen in die Sami-Moschee in der Schwarzen Heide ein. Für Muslime weltweit sind die Feiertage nach dem Verzicht vergleichbar mit der christlichen Weihnachtszeit, dennoch ist das Fest hierzulande kaum im Stadtbild präsent. mehr

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Das Video

Die große Stadtteilserie der NP stellt Ihre Heimat vor. Das Video zum Besuch im Zooviertel sehen Sie hier.