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Nordstadt

Ein Szeneviertel für Genießer

Entspanntes Leben und Studieren in der Nordstadt
Leben und studieren in der Nordstadt

Leben und studieren in der Nordstadt

© Christian Behrens
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Szeneviertel. Das klingt nach jungen Menschen, die mit Laptops in Cafés rumhängen. Nach Modetrends und nach großem Ego. Und nach Vergänglichkeit. Trotzdem liegt Annika Peschke auch irgendwie richtig, wenn ihr dieses Wort als erstes in den Sinn kommt, wenn sie nach der Nordstadt gefragt wird. „Hier gibt es so viele nette Geschäfte und Bars. Und das Publikum ist echt angenehm.“

Die 21-Jährige zieht an ihrer Zigarette und nimmt dann einen Schluck aus ihrem Weinglas. Es ist kurz nach 17 Uhr, sie sitzt vor dem „Spandau“, einem der Dreh- und Angelpunkte des nordstädtischen Nachtlebens. Hier trifft man Sozialwissenschaftsdozenten vom Schneiderberg-Institut der Uni. Alternative. Ab und zu den Rapper Spax. Und viele Nordstädter, die es schätzen, bis 17 Uhr frühstücken zu können – falls die Nacht zuvor mal länger war.

Nordstadt heißt Vielfalt. Das Unabhängige Jugendzentrum Korn an der Kornstraße zieht die linke und punkige Szene an, urige Kneipen wie die „Cille“ und das „Klein-Kröpcke“ haben ihr Publikum, der multikulturelle Einschlag des Viertels ist allgegenwärtig.

Vor allem im Sommer ein typisches Nordstadtbild: Menschen, die genießen. Auf den breiten Fußwegen am verkehrsberuhigten E-Damm haben eigentlich alle Gastronomen Tische und Stühle aufgestellt. Und dort ist immer was los. Mütter mit Kindern, türkische Großfamilien, und – eigentlich zu jeder Tageszeit – Studenten.

Dass das Hauptgebäude der Leibniz-Universität in der Nordstadt steht, ist nicht nur an den vielen Kopiergeschäften zu erkennen, in denen sich immer grad irgendwer seine Hausarbeit binden lässt. Wer mit der Stadtbahn vor der Universität aus dem Untergrund auftaucht, sieht im Georgengarten Boule-Spieler, Jogger und Grillfeste – auch mal spontan zwischen zwei Vorlesungen organisiert.

„Der Park ist unser Naherholungsgebiet“, sagt Peter Heck, der hier fast jeden Abend spazieren geht. „Ich beobachte so gern die jungen Leute, das erinnert mich an die Zeit, als ich Student war.“ Der 72-Jährige wohnt seit drei Jahrzehnten in der Nordstadt. „Hier ist alles so entspannt. Am E-Damm habe ich ein richtiges Großstadtgefühl, weil es so viele verschiedene Menschen dort gibt.“

Heck hat fasziniert beobachtet, wie sich die Nordstadt verändert hat. „Dreckig und grau – das war früher das Vorurteil“, erinnert er sich. Heute sei es ein spannender und bunter Stadtteil. „Vor Kurzem habe ich ‚Die kleine Bäckerei‘ entdeckt, die auf Bio und Vollkorn setzt. Klasse, dass man hier auch Spezielles bekommt.“ Aber es gibt auch den Bäcker „Gutes von gestern“, der Backwaren vom Vortag günstiger verkauft. „Es gibt eben auch Bedarf an solchen Angeboten“, weiß Heck.

Die Gartenkolonie Königsworth ist eine Ruhezone. Ältere Damen mit Setzlingsbatterien. Pärchen mit der Pflaumenernte. Kinder mit bunten Gießkannen. Rentner Dieter Dicke (66) sitzt mit Freunden im Garten. „Es ist so ruhig hier hinter dem Wilhelm-Busch-Museum – einfach traumhaft.“

Auch er wohnt in der Nordstadt, an der Rehbockstraße. „Manchmal besuchen mich alte Freunde, die finden den Stadtteil gewöhnungsbedürftig. Aber ich störe mich nicht daran, wenn mal eine Ecke nicht so ordentlich ist. Die vielen jungen Menschen hier – das gefällt mir. Der Stadtteil hat Flair.“ Ein Szeneviertel? Dicke überlegt. „So würde mein Enkel das vielleicht nennen. Der wohnt auch hier. Und ist ziemlich modern.“


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