Straßenkampf: 1995 verwandelte sich die Nordstadt innerhalb weniger Stunden in ein Schlachtfeld.
Noch heute denken viele Hannoveraner beim Thema Nordstadt sofort an die Ausschreitungen zwischen Autonomen und Polizei.
Am Donnerstag, 3. August 1995, meldeten Nachrichtenagenturen am frühen Abend, dass bei dem traditionellen Punkertreffen alles ruhig verlaufe. Eine fatale Fehleinschätzung. Dass die Stadt vor den größten Straßenschlachten der Nachkriegszeit stand, wusste niemand.
Schon wenig später kam die Meldung eines Nordstädter Polizisten: Brennende Straßenbarrikaden an der Schaufelder Straße, am Sprengel-Gelände, immer mehr Menschen würden sich zusammenrotten. Freitagmorgen schien die Situation unter Kontrolle. Nur eine kurze Pause – abends warfen Punks an der Heisenstraße Steine auf Polizisten, schossen mit Leuchtraketen. Als sich die Polizei gegen Mitternacht überfordert zurückzog und auf Deeskalation setzte, geriet die Situation außer Kontrolle. Punks griffen die ganze Nacht über immer wieder an, Container und Autos gingen in Flammen auf.
Um die Welt gingen vor allem Bilder des „Penny“-Supermarktes an der Ecke Schaufelder Straße/Kniestraße, den Punks und Anwohner plünderten – unter den Augen der hilflosen Polizei, die erst nach 20 Stunden Eingänge und Fenster vernageln konnte.
Am Sonnabend setzten sich die Ausschreitungen fort. Zuerst in der Nordstadt, dann in Richtung Fährmannsfest. Innerhalb von Minuten brannten dort Bierbuden, die Chaoten zogen weiter Richtung Linden und Steintor. Abermals wurden Barrikaden an der Schaufelder Straße gebaut.
Erst Sonntagmorgen, nach einem Kampf auch mit Wasserwerfern und Molotowcocktails, wurde es ruhiger. Die Chaostage waren beendet. Im Folgejahr kamen nur wenige hundert Punks in die Stadt – und blieben friedlich. Danach ging das Punkertreffen auf Deutschlandtour. Die Ausschreitungen in Hannover blieben bisher einmalig.
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