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Marienwerder

Ein Kloster mit dem Segen von Maria

Nah an Garbsen, aber Hannover im Herzen
Auf dem Hexenturm hat man eine tolle Aussicht über Marienwerder.

Auf dem Hexenturm hat man eine tolle Aussicht über Marienwerder.

© Christian Behrens
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Graf Conrad von Roden dürfte gestaunt haben, als er es entdeckte: Auf einer Sanddüne, angeschwemmt vom Leinefluss, lag ein Bild der Maria. Es musste ein Zeichen sein – hier ist der perfekte Ort für ein Kloster. Dass der Mann, dem beachtliche Teile zwischen Limmer und Wunstorf gehörten, schon länger als Grabstätte für seine Familie ein solches Bauwerk plante, passte da perfekt. Und sogar die Namensfindung erledigte sich von selbst. Maria auf einer Düne, damals auch als Werder bezeichnet? Richtig: Marienwerder.

Legenden haben das Problem, dass niemand so genau weiß, wie hoch ihr Wahrheitsgehalt ist. Aber unabhängig davon, ob es sich im Jahr 1196 so zugetragen hat oder nicht – von Roden hat dieses Fleckchen Erde für immer beeinflusst.

„Das Kloster ist für die Gemeinschaft enorm prägend“, sagt Äbtissin Christel Lehmann. Ihre Wohnung in den Gemäuern, die ein Pflegeheim für Schwestern aus ganz Niedersachsen sind, steckt voll mit historischen Büchern, theologischen Arbeiten. Sie sitzt auf dem schwerem, vornehmem Sofa, aus dem Fenster kann man den Klostergarten sehen. „Wir sind ein großer Kulturträger“, erklärt sie. Und zählt auf: Konzerte, Kunstausstellungen, Bibelzentrum. Zusammen mit dem benachbarten Hinüberschen Garten ist das Kloster so schönste Anlaufstelle für Marienwerder-Touristen. Ein ruhiges Idyll, neben dem Lärm der Großstadt.

„Meine Frau und ich walken hier eigentlich jeden Morgen“, sagt Klaus Scheelhaase. Er ist vielen Hannoveranern als Vater der Stadtbahn und den Menschen in Marienwerder als Vorsitzender des Stadtteil-Gesprächskreises bekannt. „Zur Expo wurde der Garten erneuert, wieder zurück zur ursprünglichen, britischen Art geführt.“ Britische Gärten zeichnen sich durch Weite und großzügige Blickfelder aus. 1766 nach Plänen von Jobst Anton von Hinüber entworfen, ist er einer der ältesten nach englischem Vorbild in Deutschland. „Immer wieder gibt es hier auch Kunstprojekte“, schwärmt Scheelhaase.

Aber auch sonst gibt es viel zu entdecken. Das nahe an einem See gelegene ehemalige Gutshaus, in dem jetzt ein Architekt wohnt. Den malerischen Hexenturm, eine künstliche Ruine, wahrscheinlich aus Resten eines 1724 abgebrochenen Klosterflügels errichtet. Den Obelisken in der Nähe des Gemeindefriedhofs, der im 19. Jahrhundert angelegt wurde.

Jahrhundertelang lagen Kloster und Garten relativ abgeschieden. Erst in den 60er Jahren wurde Marienwerder richtig besiedelt. Die Wohngebiete Alter Gutshof und die Gartenhofhäuser entstanden, Geschosswohnungen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Garbsener Stadtteil Havelse. Tatsächlich sieht man kurz vor dem Einkaufszentrum Große Pranke schon das Stadtschild Garbsen. Und auch in der nördlichen Hälfte des Stadtteils sind die Berührungspunkte zwischen Garbsen und Hannover groß. Die Straßen Planetenring und Auf der Horst setzen sich über Stadtgrenzen hinweg.

Marienwerder liegt eingekeilt zwischen Letter, Seelze und Havelse – und eigentlich „näher an Garbsen als an der Stadtmitte Hannovers“, sagt Bezirksbürgermeisterin Margrit Heidi Stolzenwald. Trotzdem fühlten sich die Einwohner mehr als Hannoveraner. Und sie mögen ihr Viertel. „Weil es grün ist und doch gut angebunden an Autobahn und Buslinien.“ Außerdem werde Marienwerder jünger. „Wir konnten trotz schwieriger politischer Debatten unsere Grundschule halten – ein wichtiger Standortfaktor.“ Hätte man die Kinder nach Garbsen schicken müssen – es wäre keine gute Werbung gewesen. So kann auch der Nachwuchs in Hannover zur Schule gehen. „Wobei es auch egal ist, niemand macht sich zu viele Gedanken darüber. Da kann man die Kirche auch im Dorf lassen.“

Oder, wie es in Marienwerder besser passt, das Kloster.


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