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Interview

Peter Schachschneider: "Leinhäuser waren unter sich"

Peter Schachschneider (60) lebt seit 1957 in Leinhausen. Sein Vater hatte bereits bei der Bahn gearbeitet – der Sohn seine Ausbildung dort gemacht.
Alles original: Peter Schachschneider vor der Achse der letzten 01-Lok, die in Hannover gelaufen ist.

Alles original: Peter Schachschneider vor der Achse der letzten 01-Lok, die in Hannover gelaufen ist. Er machte seine Ausbildung bei der Bahn.

© Christian Behrens

Seit über 50 Jahren Leinhäuser – was haben Sie hier die ganze Zeit gemacht?

1957 sind wir hierher gezogen, vorher hat mein Vater in Letter gearbeitet und gelebt. Die Bahn hat aber umstrukturiert, statt in Seelze arbeitete er dann hier. Ganz Leinhausen bestand damals nur aus Gebäuden, die der Wohnungsbaugenossenschaft Niedersachsen gehörten – einem Tochterunternehmen der Bahn.

Und Sie sind dann in die Fußstapfen Ihres Vaters getreten?

Zumindest habe ich am 1. April 1964 meine Ausbildung bei der Bahn begonnen. Allerdings bin ich nach den vier Jahren nicht geblieben, sondern zur Berufsfeuerwehr Hannover gewechselt.

Wie war die Ausbildung?

Es war eine sehr große Lehrwerkstatt, im Vergleich zu anderen Betrieben. Jedes Jahr begannen 30 bis 40 Lehrlinge ihren Dienst. Es war unglaublich viel los auf dem Gelände. Als ich dort anfing, arbeiteten noch immer 4000 Menschen dort. Heute sind es ja nur noch um die 60, die S-Bahnen warten – kein Vergleich.

Die 4000 Bahner – lebten die alle in Leinhausen?

Nein, auch außerhalb. Ich erinnere mich noch an die Betriebszüge, die morgens ankamen. Damit wurden am Hauptbahnhof die Arbeiter eingesammelt und direkt ins Ausbesserungswerk gefahren.

Wie hat sich der Stadtteil Leinhausen seit dieser Zeit verändert?

Vor allem als Kind kannte man natürlich alle Gleichal trigen, das war klasse. Wir gingen in die Schule an der Fuldastraße, die es heute nicht mehr gibt. Die Arbeiterhäuser hatten damals nicht mal Toiletten, man musste über den Hof gehen. Und die Häuser hatten Gärten, in denen viele Hühner züchteten und Gemüse anbauten. Außerdem gabs natürlich kaum Autoverkehr – es arbeiteten ja alle gleich nebenan. Das ist heute alles anders. Es wurde in den 70ern viel neu gebaut. Und das Viertel war dann natürlich nicht mehr exklusiv für Eisenbahner.

Wie war das soziale Leben im Bahner-Leinhausen?

Es gab zwei Gaststätten, so richtige Eisenbahnerkneipen eben. Zum einen das „Herrenhäuser Fass“, das damals noch „Scharfe Ecke“ hieß. Und dann noch „Burmanns Stübchen“. Da war man immer unter sich. Und man traf sich beim Einkaufen in den Kolonialwarenläden.

Sie haben aber nie ganz die Bahn-Welt verlassen ...

Nach meiner Pensionierung bei der Feuerwehr habe ich mir einen Kindheitstraum erfüllt und bin jetzt Lokführer bei der Harzer Schmalspurbahn. Das kann man dort in einem Seminar lernen – und ist wirklich toll. Man fährt zwar als ‚Laie’ nicht allein, aber man fährt Dampflokomotive.


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