Wasserspeicher: An vielen Ecken sind noch Gebäude des Ausbesserungswerks zu sehen.
„Ausbesserungswerk“ steht darauf. Der Schriftzug ist von Büschen umgeben, man muss genau hingucken, um ihn auf dem Üstra-Betriebshof Leinhausen zu entdecken. Andere Hinweise auf die goldenen Zeiten der Eisenbahn sind leichter zu entdecken. Der ehemalige Wasserturm zum Beispiel. Und heruntergekommene Backsteinbauten, in denen hinter inzwischen zerbrochenen Glasscheiben einst die Verwaltung saß.
Mit dem Bau des Ausbesserungswerkes wurde im Juli 1874 begonnen. Neben den Nutzflächen entstand auch die Arbeitersiedlung, die „Colonie Leinhausen“. Auf dem Gelände wuchsen eine Lokreparaturhalle mit 31 Ständen, eine Wagenreparaturhalle, dazu Kesselhaus und -schmiede sowie eine Gießerei. Knapp vier Jahre nach Baubeginn konnte der Betrieb des Werkes mit zunächst 400 Beschäftigten beginnen.
Die bäuerlich geprägten Nachbargemeinden Stöcken und Herrenhausen weigerten sich damals, die neue Siedlung einzugemeinden. Die Arbeiterklasse, eher so zialdemokratisch geprägt, passte nicht in die konservative Weltsicht der Grundbesitzer. Leinhausen galt folglich lange Zeit als selbstständiger Gutsbezirk – mit dem Werkleiter als Gutsverwalter. Er übernahm nicht nur standesamtliche Aufgaben, er war zum Beispiel auch für die Schule verantwortlich, die von der Eisenbahnverwaltung finanziert wurde.
Das funktionierte anfangs, kurz vor der Jahrhundertwende wuchs die Einwohnerzahl Leinhausens aber auf über 1000. Die Aufgaben in der Gemeinde kosteten die Bahn zu viel. Die Landkreisverwaltung forderte zudem die Kommunalisierung. Am 1. Oktober 1928 gemeindete sie Leinhausen nach Hannover ein. Zu diesem Zeitpunkt war es mit 4000 Arbeitern das größte Ausbesserungswerk der Reichsbahn. 30 Jahre später wird die „Colonie Leinhausen“ abgerissen, das Gelände mit Wohnhochhäusern für die Eisenbahner bebaut.
Zu dieser Zeit setzt auch der Verfall ein. Standorte werden ausgelagert, in den 70ern sind große Teile des Geländes ungenutzt. Die Dampflokomotive gerät immer mehr aufs Abstellgleis, viele Bereiche werden überflüssig. Endgültig schließt das Ausbesserungswerk 1992.
Die Üstra übernimmt 1998 Teile des Geländes, die Bahn ist weiter in Leinhausen beheimatet – wartet allerdings nur noch S-Bahnen.
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