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Die Kleingartenkolonie in Ledeburg

Das stille, grüne Herz Ledeburgs ist die Kleingartenkolonie Tannenkamp-Mecklenheide. Für Horst Wagner (74) ist sein Garten ein Paradies.© Patrice Kunte

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Ledeburg

Ledeburgs Herz schlägt im Kleingarten

Perfektes Vorstadtleben im eigenen Häuschen

Die Hecken sind gestutzt. Alle auf gleiche Höhe. Akkurat. Die Kolonie des Ledeburger Kleingärtnervereins Tannenkamp-Mecklenheide wirkt perfekt, wie aus dem Bilderbuch. Blitzsauber, ruhig, beschaulich, ein Ort zum Durchatmen. Ein laues Lüftchen lässt die kleinen Flügel der weißen Miniatur-Windmühle in Horst Wagners (74) Parzelle wenige Augenblicke rotieren. Dann kehren sie wieder in den verträumten Stillstand zurück. „Selber gemacht“, brummt Wagner und deutet mit seinem kräftigen linken Arm in Richtung Mühle. Er schiebt ein gutmütiges Lächeln hinterher. Für den ehemaligen Mitarbeiter einer Glaserei ist sein Ledeburger Garten ein Paradies. „Mein Leben“, wie er betont. Vor allem jetzt, nachdem seine Frau verstorben ist. Denn hier, so sagt er, habe er immer etwas zu tun: „Die Arbeit wächst nach.“

Tatsächlich wirken die Quadratmeter neben Wagners Laube idyllisch. Rosen, Sonnenblumen und Astern stehen in voller Blüte, dahinter wachsen Erdbeeren, Brombeeren, Kartoffeln, es reift sogar wilder Wein. Ein Stückchen heile Welt. Ein Ort der Zuflucht vor dem Alltag.

Mit rund 600 Parzellen und einer Gesamtfläche von 30 Hektar ist der Tannenkamp die größte Einzelkolonie der Landeshauptstadt. Mehrere Preise hat der Verein schon gesammelt. Für die Ledeburger schlägt hier das grüne Herz des Viertels in einem ruhigen, gemächlichen Rhythmus. „Aber der Stadtteil ist nicht wirklich bekannt“, weiß Wagner. Ledeburg gehe zwischen Stöcken und Herrenhausen unter.

Diese Zurückgezogenheit ist vielleicht der Grund, warum Ledeburg so beschaulich wirkt. Fährt man unter der Überführung des zur Expo gebauten S-Bahnhofs Ledeburg Richtung Norden, wiegen sich die Äste von Hannovers wohl schönster Linden-Allee im Wind. Links und rechts der Ledeburger Hauptverkehrsader reihen sich Gebäude mit gepflegten Vorgärten aneinander. In den Seitenstraßen das gleiche Bild: Einfamilienhäuschen neben Einfamilienhäuschen (sie machen etwa 70 Prozent der Gebäude im Viertel aus), davor Mittelklassewagen, die meisten aus deutscher Produktion. Einige sind in einem Carport abgestellt. Vorstadtleben in Hannover.

„Viele Gebäude wurden hier Ende der 20er Jahre gebaut. Die meisten sind im Krieg auch nicht zerstört worden“, sagt Bezirksbürgermeisterin Margrit Heidi Stolzenwald, die selbst in Ledeburg wohnt. Vor allem Eisenbahner hätten damals in den Häusern gelebt – und sie sich mit Eisenbahner-Darlehen auch gekauft. Wegen der Nähe zum Stöckener Volkswagen-Werk wurde Ledeburg dann auch als Wohngegend für die Mitarbeiter des Autokonzerns attraktiv.

Für manche gilt das heute noch. „Ich bin hier groß geworden, habe bei VW gelernt und arbeite dort“, sagt Andreas Bock (46). Er und sein Sohn Julian (14) sind zum Eisessen ins kleine Ledeburger Zentrum an der Bodelschwinghkirche gefahren. „Die Arbeit ist da, die Verwandtschaft ist da, mein Haus ist da. Was willst du mehr?“ Vor kurzem ist er mit seiner Familie innerhalb des Stadtteils umgezogen. Wegziehen, das würde er nicht. Warum auch? Dafür gebe es viel zu schöne Ecken. Das Stadtwäldchen Spannriede etwa. Oder den Abenteuerspielplatz am Ende der Heusingerstraße.

Dort, hinter einem der wenigen Hochhäuser in der Gegend, sitzen Ayse Kahraman, (35) ihre Freundinnen und ein halbes Dutzend Kinder an einem Campingtisch. Es gibt Salat, Joghurt mit Nudeln und Hirse. „Nur fleischlose Kost“, wie Kahraman betont. Die Türkinnen wohnen eigentlich in Stöcken, treffen sich zum Picknicken aber gern mal jenseits der Stadtteil-Grenze. „Weil uns hier niemand stört. Und wegen der schönen Grünflächen.“

Eben wegen des vielen Grüns haben Dunja Scheel (36) und ihr Mann ein Niedrigenergiehaus in Ledeburg gekauft: im Neubaugebiet am Kurländer Weg. Stolz steht die hochgewachsene Frau vor einem Rohbau, hält ihre Tochter Lotte (2) im Arm und flüstert ihr ins Ohr: „Schau, da wohnen wir bald.“ Anschließend erzählt sie: „Eigentlich haben wir eine alte Immobilie gesucht. Eine, die wir restaurieren wollten.“ Auf keinen Fall hätte es etwas Neues sein sollen. Aber genau dafür haben sich die Scheels dann letztlich entschieden. „Weil Ledeburg ein schöner, gewachsener Stadtteil ist.“

Kleingärtner Horst Wagner laufen indes Schweißperlen über Stirn. Er gönnt sich eine kurze Arbeitspause, stützt sich auf die Schaufel, atmet durch. Ein Leben ohne seinen Garten? „Das kann ich mir nicht vorstellen.“ Dann lacht er. „Mich tragen sie hier mal weg.“


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