Die Grotte ist eine der letzten Arbeiten der Künstlerin Niki de Saint Phalle.
Wenn einer, der erst zugezogen,
dem Stadtteil noch nicht sehr gewogen,
meint, dass es woanders besser wär’,
so irrt sich der.
Fenster zittern in den Rahmen, Rauchschwaden ziehen gespenstisch über die Häuser, es riecht nach Schwarzpulver. Feuerwerk. Ein farbenprächtiges Stück von Herrenhausen.
Das den Herrenhäuser manchmal aber auch nervt. „Wenn es im Sommer fast täglich knallt“, sagt Fleischermeister Heiner Hebel (46). Denn Herrenhausen ist eben nicht nur das, worauf es oft reduziert wird: Königliche Gärten, Feuerwerk, Schloss oder nicht Schloss. Herrenhausen – oder Hageringehusen, wie es bis zum 17. Jahrhundert hieß – war schon lange vorher da.
1891 wurde das Dorf eingemeindet, die Bürger- und Königshäuser nahe den Gärten symbolisieren das alte, feinere Herrenhausen. Die Genossenschaftswohnblöcke seitlich der Haltenhoffstraße und vom Markt bis zum Bahnhof Leinhausen prägen den neuen Teil.
„In Herrenhausen leben angenehme Menschen“, wie Hebel sagt. „Ganz wilde Typen gibts hier nicht.“ Er mag die bürgerliche Nähe. „Man kennt sich. Es ist sehr traditionell.“ Hebels Mutter Elfriede (73) kommt dazu und sagt: „Hier würde ich nie wegziehen.“
Auch um die Seele zu erwärmen,
braucht man nicht lange auszuschwärmen. Die Kirche mit dem Turm lässt hoffen:
Es ist offen!
Die Herrenhäuser Kirche; markantester Punkt, wichtiger Kulturort. Im Schatten der riesigen Platanen und der Luther-Eiche lässt es sich gut aushalten. Hier spürt man die Behaglichkeit des Stadtteils, in dem die Zeit manchmal stehen zu bleiben scheint. Auf einer Bank sitzen Kübra Simsek und Özlen Uzun und quatschen. Die beiden 18-Jährigen sind erst kürzlich nach Herrenhausen gezogen. „Hier ist es so schön ruhig, wenig Verkehr, alles ist geordnet. Der schönste Stadtteil in Hannover“, sagen sie. Die Türkinnen stehen für das sich wandelnde Herrenhausen. Es wird multikultureller.
Der Markt ist das Herz von Herrenhausen. „Hier würde ich sogar mit dem Pferdewagen herfahren“, schwärmt Heinrich Wisseroth, Obst- und Gemüsehändler aus Barsinghausen. Der 47-Jährige kennt die Menschen. „Positiv kritisch sind sie, aufgeschlossen und freundlich.“ Ihm gefällt, dass die Menschen miteinander reden. „Die gehen nicht wie auf anderen Märkten aneinander vorbei.“
Es tut sich was in Herrenhausen. Vor drei Jahren lief die Image-Kampagne „Drinnen oder draußen – ich lebe gern in Herrenhausen“. Zurzeit modelt die Stadt gemeinsam mit der Wohnungsgenossenschaft (WGH) in mehreren Bauabschnitten den Marktplatz um. Der sanierte Wohnblock in der Haltenhoffstraße gewann einen Fassadenwettbewerb. Nur die längst überfällige Bemalung des grauen Bunkers lässt weiter auf sich warten.
Der Stadtteil wird moderner, attraktiver für junge Menschen. Aber: „Wir versuchen, das Dorfgefühl am Leben zu erhalten“, sagt Christine Röttger vom Interessenkreis Herrenhäuser Geschäftsleute. Ein Dorf mit einem Großen Garten.
Am Großen Garten wird es Nacht
Da wird das Feuerwerk entfacht!
Jetzt endlich kann er mich versteh‘n:
Hier ist es schön!
(Auszüge aus Ilse Koppes „Rundgang durch Herrenhausen mit einem Kritikus“)
Ein Unfall mit einer ätzenden Säure hat am Montag einen Großeinsatz der Feuerwehr an der Leibniz Universität ausgelöst. Ein Experiment war schiefgelaufen, die Feuerwehr musste in Schutzbekleidung anrücken. mehr