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© Christian Behrens

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Hainholz

Die graue Maus zieht ein buntes Fell über

Schönes neues Hainholz: Die "grüne Mitte" kommt.

Wer nach Hainholz will, muss ordentlich in die Pedale treten. Einige Meter Höhenunterschied sind zu überwinden, wenn der Engelbosteler Damm in die Schulenburger Landstraße mündet und über die Bahngleise führt. Dann gehts abwärts. Und aufwärts zugleich! „Wenn man es über die Brücke geschafft hat, gibt es hier viele Überraschungen“, verspricht Della. Der 52-Jährige – Jeans, T-Shirt, eisgraues Ziegenbärtchen, Pop-Art-Meister – steht für das neue Gesicht des Stadtteils, der noch vor einigen Jahren als „Bronx von Hannover“ geschmäht wurde. Und dieses Gesicht trägt folgende Züge: Kultur. Musik. Und vor allem Kunst.

Hainholz wurde früher kaum wahrgenommen. Viele Baumärkte, zwei Möbelhäuser, ein Gefängnis. Eine graue Maus eben. Doch die graue Maus hat sich an vielen Stellen ein buntes Fell übergezogen. Auf dem kleinen Platz an der Fenskestraße, wo sich die leuchtend gelbe Keramikstele in den Himmel schraubt. Im „Kultursommer“, als der Stadtteil mit 45 handgenähten Fahnen Flagge zeigte. An der Fassade des Kulturbunkers mit den futuristischen Stahlskulpturen. In den Ateliers von Malern, Bildhauern und Fotografen in der Kornbrennerei und im Marinebau. An der Mauer der VSM-Fabrik in der Bertramstraße, an der Siegfried Neuenhausens gelbe Hüte zwischen Werken von Timm Ulrichs, C.O. Paefgen und Gerhard Merz hängen. Überall dort, wo „Musik in Hainholz“ erklingt.

Kultur ist der Schlüssel zum Stadtteil. Um Menschen enger zusammenzubringen, Kontakte zu knüpfen, das Nachbarschaftsgefühl zu stärken. Jeden fünften der 6700 Hainhölzer erreicht das auf sechs Jahre angelegte Projekt „Musik in Hainholz“ bereits zur Halbzeit. „Lieder spielen in jeder Kultur eine Rolle“, sagt Leiterin Denise Kahlmann. Mehr als 80 Nationen leben in Hainholz, 40 Prozent der Menschen haben Migrationshintergrund. „Aus dieser Vielfalt kann man schöpfen.“ Zum Beispiel mit der CD „Mama singt“, für die sie Kinderlieder aus sieben Ländern aufgenommen hat.

„In diesem Stadtteils steckt viel Potenzial“, sagt Christiane Brettschneider mit Überzeugung. „Die vielen Künstler, die hier leben, haben das Image verändert. Hainholz ist ein Experimentierfeld“, glaubt Wolfgang Jarnot. „Die Menschen sind sehr engagiert, sie bringen sich ein“, betont Svenja Schlüter. Der Kulturtreff, in dem sie seit 19 Jahren arbeitet, wurde von einer Bürgerinitiative angeschoben, für das Naturbad unter Bürgerregie wird gerade eine Stadtteilgenossenschaft gegründet. Wie das funktioniert?„Man kennt sich hier eben.“

Denn Hainholz war einmal ein Dorf, schon 1394 wurde das steinerne Marienbild der Kapelle urkundlich erwähnt. Und Hainholz ist auch heute noch ein Dorf – zumindest rund um die Marienkirche und in den riesigen Kleingartenkolonien, die verheißungsvolle Namen wie „Feierabend“und „Abendfrieden“ tragen.

Es gibt aber auch das andere Hainholz. Vier Spuren, auf denen man versucht ist, Gas zu geben. „Auf der Schulenburger Landstraße sind die Leute früher nur durchgerauscht“, sagt Detlev Schmidt-Lamontain. Das Ziel:Ein Gewerbegebiet mit 300 Betrieben. Der Bezirksratsherr schüttelt den Kopf. „Hainholz hat keinen Mittelpunkt“.

Das soll sich ändern:Eine Fläche links der Voltmerstraße wird neu gestaltet, für 25 Millionen soll im Rahmen des Programms „Soziale Stadt“ ein Marktplatz geschaffen werden – mit Einkaufszentrum, einer Ladenstraße, Seniorenwohnungen. An diese „Neue Mitte“grenzt dann die „Grüne Mitte“:Eine Parklandschaft soll das Naturbad anbinden. Und noch ein wichtiger Schritt:Der Kulturtreff zieht Anfang 2010 in die frühere Alice-Salomon-Schule, auch die VHS soll dort unterkommen. Schönes neues Hainholz. „Das wird ein Meilenstein. Dieses Viertel ist im Umbruch“, freut sich Schmidt-Lamontain. Und die Brücke aus der Nordstadt wird keine Barriere mehr sein.


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