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Am Forst Mecklenheide zeigt sich der Mittellandkanal von seiner schönsten Seite – Radfahrer und Spaziergänger haben die Wege an der Wasserstraße längst für sich entdeckt.

Am Forst Mecklenheide zeigt sich der Mittellandkanal von seiner schönsten Seite – Radfahrer und Spaziergänger haben die Wege an der Wasserstraße längst für sich entdeckt.© Patrice Kunte

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Hafen-City

Kohle, Kautschuk und ein Schrottspielplatz

Das Drehkreuz am Kanal: In Hafen-City werden tonnenschwere Lasten verladen.

Kurz vor Feierabend, es ist 16.20 Uhr. Das Restmetall auf den riesigen Schrotthügeln am Brinker Hafen glänzt in der tief stehenden Sonne. Allmählich wird es ruhiger, ein harter Arbeitstag geht zu Ende.

Schrottplatzmitarbeiter Joachim Bollo (52) tut das, was zu dieser Uhrzeit immer getan wird: Die Anlieferungsfläche muss von den Überbleibseln rostiger Waschmaschinengehäuse, schwerer Stahlgitter und ausgemusterter Straßenschilder befreit werden. Dafür nutzt Bollo einen überdimensionalen Besen: In den mächtigen Greifer spannt er ein meterlanges Restmetallgewirr und fegt die letzten Schrottkleinteile mit dem Baggerarm schwungvoll beiseite – ein beeindruckendes Schauspiel. Die Maschine steuert Bollo, als wäre sie ein Körperteil. Seit 21 Jahren ist der Schrottplatz seine Spielwiese.

Früher, sagt Bollo, sei es am Brinker Hafen noch etwas beschaulicher gewesen. „So große Schrottmengen hat es damals nicht gegeben. Heute dreht sich alles um eine schnelle Logistik.“ Die Schrottpreise sind gut in diesen Tagen – auf demMittellandkanal legen die Binnenschiffe reihenweise an. Sie schippern den Schrott quer durch Deutschland, überwiegend zu Schmelzbetrieben und Karosseriebauern.

„Wenn man den Schrott einmal angefasst hat, lässt einen das nicht mehr los“, sagt Bollo. Wäre Schreibtischarbeit nicht entspannter? „Niemals. Ich verbinde viel mit meiner Arbeit. Das hat hier einen ganz eigenen Charme.“

Der Brinker Hafen ist eine heruntergekommene Ecke, könnte man auf den ersten Blick meinen. Wer sich zwischen Stacheldraht, endlosen Zäunen und den zahllosen Videokameras wohlfühlen möchte, muss Industrieromantik schätzen. Dann werden die überwucherten Bahngleise, bröckelnden Klinkermauern und verstaubten Fenster der Industriehallen zu spannenden Hinguckern.

Von den 134 Einwohnern im Stadtteil Brink-Hafen ist nichts zu sehen. Die Statistik der Stadt Hannover listet das Viertel und auch Nordhafen (116 Einwohner) als „Geheimhaltungsfälle“ und rechnet sie zu Vinnhorst und Ledeburg. „Sonst könnte man herausfinden, wie der Hausmeister einer Firma gewählt hat oder welcher der Bewohner drei Kinder hat“, erklärt Hubertus Harfst vom Fachbereich Wahlen und Statistik.

Während einer Schrottverladung am Nordhafen hängt die Lebensgefährtin von Binnenschiffkapitän André Rossel (38) Wäsche auf. Das Paar lebt quasi auf demWasser, nur vier Wochen pro Jahr besuchen die beiden ihre Wohnung in der Nähe von Kassel. Meistens fahren sie die Zwei­tagestour von Brandenburg an der Havel zum Nordhafen.

„Landschaftlich ist das eine sehr schöne Strecke“, sagt Rossel, während ein 50-Tonnen-Verladekran massenweise Autowracks auf die Schiffsladefläche hievt. Der Nordhafen in Hannover sei bei Binnenschiffkapitänen beliebt: „Der Hafen ist sauber, es gibt gute Anlegemöglichkeiten, einen Stromanschluss und eine Stadtbahnhaltestelle.“ Mit der Stadtbahn komme er schnell zum nächsten Supermarkt. „Wenn wir hier anlegen, schauen wir uns immer auch etwas in Hannover an. Das Maschseefest zum Beispiel. Oder das Harley-Davidson-Fest am Steintor.“

Die Hafenkante am Mittellandkanal zählt zu den Dreh- und Angelpunkten des Im- und Exports in Hannover. Rund 1400 Schiffe haben 2008 angelegt. Von hier aus wird zumBeispiel Altpapier nach China verschifft, Heizöl in riesige Tanks gepumpt, Rohkautschuk für Continental gebracht und tonnenweise Material über das hafeneigene Schienennetz in die Hallen von Volkswagen Nutzfahrzeuge geliefert.

Der Großteil der Schiffe bringt aber Kohle, die mit Förderbändern direkt in das Kraftwerk in Stöcken gebracht wird. „Die Kohle kommt meistens aus Übersee. Am Hafen in Nordenham wird sie auf Binnenschiffe verladen“, sagt Hafenmeister Ibrahim Gürcan (41), der schon als 16-jähriger Maschinenschlosserlehrling im Nordhafen Kräne und Lokomotiven repariert hat und sich inzwischen zum Hafenmeister hoch­gearbeitet hat. „Das Reizvolle ist der abwechslungsreiche Alltag. Ich kann mir nicht vorstellen, anderswo zu arbeiten.“ Der Job als Hafenmeister sei auch eine kleine Ehre. „Es gibt ja nur fünf Hafenmeister in Hannover.“

Seit der Fertigstellung eines neuen Terminals verzeichnet das Unternehmen Hafen Hannover immer mehr Containerverladungen. „Wir versuchen, jede Nische zu bedienen und jeden Service von A bis Z zu bieten“, sagt Gürcan. Gegenüber dem Lastwagen-Transport habe die Schifffahrt viele Vorteile. „Immerhin sind für eine Schiffsladung bis zu 25 Lastwagen notwendig.“

Immer wieder gibt es auch spektakuläre Schwerlastverladungen: Im Frühjahr 2008 zum Beispiel hat die Firma Eiffel, ehemals Krupp Stahlbau, im Brinker Hafen Bauteile für eines der imposantesten Bauwerke in den Stadien der Fußball-WM 2010 in Südafrika verladen – zusammen ergeben sie einen 350 Meter langen Stahlbogen, der die Spielstätte in der Küstenstadt Durban überspannt.

„Für uns ist der Brinker Hafen ein Super-Infrastrukturstandort“, sagt Eiffel-Geschäftsführer Uwe Heiland und meint damit nicht nur den Gleisanschluss und die Nähe zur A 2. „Der Hafen ermöglicht es, besonders große und sperrige Produkte auszuliefern.“ In den hart umkämpften Ausschreibungen um Millionenprojekte in Wassernähe sei dies ein wichtiger Wettbewerbsvorteil. „Viele Mitbewerber haben nicht die Möglichkeit, Bauteile so zuverlässig und preiswert zu transportieren“, sagt Heiland. Dank des Hafenanschlusses habe Eiffel schon mehrere Zuschläge für Großprojekte an Land ziehen können.

Auf dem Firmengelände an der Hackethalstraße lagert das nächste Großprojekt – ein Teil der 394 Meter langen Kennedybrücke in Bonn. Die Bauteile für die wichtigste Rheinbrücke der Stadt wurden im Brinker Eiffel-Werk gefertigt. Um Platz für die Bauteile zu schaffen, muss ein Teil der Belegschaft auf den Mitarbeiterparkplatz verzichten. Heiland: „Das ist ein 30-Millionen-Auftrag.“ Heute geht die Brücke im Brinker Hafen auf die Reise.


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