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Seit 1978: Das Kettenkarussell „Wellenflug“ von Mario Blume ist fester Bestandteil der Schaustellerfamilie.

Reportage

Hannover: Ein Fest der großen Traditionen

Seit Freitag läuft das 487. Schützenfest in Hannover. Das ist zwar kein rundes Jubiläum, doch zur Feier des Jahres setzen die 
Veranstalter auf altbewährte Traditionen. Kettenkarussell, Reitbahn, Orgel, Etagen-Karussell, Hau den Lukas - diese Unterhaltungsklassiker 
freuen nicht nur die Schausteller, sondern auch viele nostalgieverliebte Gäste. Eine NP-Reportage vom Schützenplatz.

Hannover. Das weiße Pferdchen reitet ein ums andere Mal im Kreis. Seit 150 Jahren schon, immer gegen den Uhrzeigersinn, eine Runde nach der nächsten – aber einen Drehwurm kriegt es nicht. Das Pferdchen ist aus Holz und reitet auf Tanja Hartmanns nostalgischem Etagen-Karussell über den Schützenplatz.

In der Kutsche hinter dem Pferd sitzen Anastasia Luza (21) und ihre Tochter Mia (fast 2) aus Seelze. Die Zweijährige strahlt übers ganze Gesicht, ihre Oma Larissa Luza (41) steht neben dem Fahrgeschäft und winkt aufgeregt: „Es ist richtig toll hier. Die Kleine hat ihren Spaß, und ich mag das Konzept mit dem Mix aus Alt und Neu“, sagt die 41-Jährige.

Direkt neben dem Etagen-Karussell steht eine der historischen Orgeln, die das Fest mit Musik beschallen. Hinter den Kulissen sorgt Alexander Zauker (44) aus Landau dafür, dass die Orgeln funktionieren. Er prüft regelmäßig die langen Notenblätter aus Pappkarton: „Wenn es zu warm draußen ist, leidet das Material, und die Pappe reißt durch“, erklärt Zauker. Wenn der 44-Jährige seine Orgel anwirft, wirds richtig laut drumherum.

Dort, wo die Musik ein wenig leiser spielt, sitzen Manfred und Marion Hochfeld aus Wennigsen. Der 63-Jährige kann sich noch genau an eines seiner ersten Schützenfeste erinnern: „Ich war damals acht Jahre alt. Um drei Uhr nachts wurde ich von der Schützenkapelle geweckt. Das war toll, ich war richtig aufgeregt.“ Ein paar Jahre später lernte er Marion kennen. Sie sagt: „Das war 1977. Wir haben überall auf dem Schützenfest geknutscht, wir waren so verliebt damals und sind es heute noch.“ Das Ehepaar findet, das Fest habe sich verändert: „Alles ist schneller geworden. Das ist nicht so gut“, sagt Manfred Hochfeld. Deswegen freuen sich beide sehr über die Entscheidung der Veranstalter, das Traditionelle wieder hochzuhalten.

Darüber freut sich auch Mario Blume (50), Betreiber des 1978 erbauten Kettenkarussells „Wellenflug“. Seine Eltern haben es gekauft: „Das war richtig aufregend. Heute gehört das Karussell einfach zu unserem Leben dazu. Ich kann mir nicht vorstellen, es durch ein neueres oder moderneres zu ersetzen“, sagt Blume. Er fahre damit gut, seine Kunden würden es ihm danken.

Auch Schausteller Philip Thelen (21) aus Nienburg hängt an den Traditionen: „Unser Schlittenfahrtkarussell gibt es seit 1980. Immer wieder kommen Menschen zu uns und erzählen, sie hätten sich das erste Mal in einem unserer Wagen geküsst. Das ist toll.“ Deswegen ist das Knutschen auch heute noch „ausdrücklich erlaubt“ in den Wagen.

Bei Thelens Kollegen Anton und Edmund Kaiser bekommen höchstens die Pferde einen Kuss. Anton Kaiser (54) sagt: „Bei uns stehen die Tiere traditionell an erster Stelle. Das haben unsere Eltern uns beigebracht, und das geben wir an unsere Kinder weiter“, fügt er hinzu. Die Kinder, die beim Reitsalon Alt Wien anstehen, scheinen das zu merken. Die Reitbahn in Familienhand funktioniert seit sechs Generation – und wenn die Kundschaft so wohlgesonnen bleibt, soll sie auch noch einmal sechs Generationen lang funktionieren. Na dann: Horrido!

Tobias Welz


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