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Hannover Schlechte Note für Martinshof
Hannover Schlechte Note für Martinshof
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18:06 07.09.2017
Quelle: NP
hannover

Die Note 1,9 klingt gut. Für die Bewertung von Alten- und Pflegeheime gilt das nicht. So hat das Seniorenzentrum St. Martinshof (Misburg) bei der Befragung der Bewohner eine 1,9 erhalten. „Das ist ein schlechter Wert“, sagt ein Pflegeexperte. Aus der Note gehe aber nicht hervor, womit die Senioren unzufrieden seien. Der Prüfdienst der Privaten Krankenversicherung (PKV) hat das Misburger Seniorenzentrum Ende Juni 2017 geprüft. Es gab die Gesamtnote 1,4. Der bundesweite Gesamtnotendurchschnitt beträgt 1,3.

Gegen einen Ex-Pfleger des Martinshofes läuft ein Ermittlungsverfahren. Er soll am 18. Oktober 2016 einen 83-Jährigen beim Füttern den Mund zugehalten haben. Der Senior erstickte am verschluckten Essen. Es gibt Hinweise, dass Vorgesetzte den Vorfall vertuschen wollten. Und Ex-Mitarbeiter berichten, dass Fachkräfte das Haus verlassen. Gründe: schlechte Bezahlung und geringe Wertschätzung der Arbeit. Das evangelische Johannesstift, zu dem der St. Martinshof gehört, weist diese Vorwürfe entschieden zurück.

Die Heimaufsicht hat die Stadt Hannover. Stadtsprecherin Konstanze Kalmus teilte gestern mit: „Zu den konkreten Prüfungen der Heimaufsicht können wir wegen des laufenden Verfahrens leider keine Auskunft geben.“ Diese Aussage klingt doppeldeutig. Eine Konkretisierung dieser Information gab es nicht. An der Fachkräftequote hatte die Heimaufsicht nichts zu bemängeln. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) prüfte das Seniorenzentrum in 2016. „Wir haben keine Auffälligkeiten dokumentiert“, teilte MDK-Sprecher Martin Dutschek mit.

Die Pflegeexpertin Susanne Moritz kritisiert die regelmäßigen Überprüfungen der Heime als „zu weitmaschig“. Auch die Notengebung des sogenannten Pflege-TÜV`s sei wenig aussagekräftig, weil nur Bestnoten vergeben wurden. Dabei werde das Thema Gewalt in der Pflege ausgespart.

Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) hat eine Studie zu dem Thema erstellt. Darin heißt, dass körperliche Gewalt gegen Pflegebedürftige immer wieder vorkomme. Häufiger seien aber freiheitsentziehende Maßnahmen und verbale Gewalt. Das Thema alltägliche Gewalt in der Pflege laufe „unter dem Radar“.

Ex-Mitarbeiter im St. Martinshof berichten, dass seit Ende 2016 rund 17 überwiegend Fachkräfte das Heim verlassen haben. Sie werden zum Teil durch Zeitarbeiter ersetzt. „Es kommt immer wieder zu Personalengpässen“, so ein Ex-Bediensteter.

Von thomas nagel

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