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Peyman Javaher-Haghighi am Rechner. Er arbeitet heute für den Verein Kargah und hilft Flüchtlingen.© Ismail

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Geflüchtet. Geblieben. Geschafft.

"In mir waren 1000 Fragezeichen"

Nie hatte Peyman Javaher-Haghighi (51) den Wunsch verspürt, in einem anderen Land als seiner Heimat zu leben: „Es gab für mich nur den Iran als Ort zum Leben.“ 5554 Kilometer entfernt von seinem Heimatort Shiraz sitzt der 51-Jährige, als er diese Sätze spricht. Mitten im Multi-Kulti-Stadtteil Linden. Europa, Deutschland, Hannover, Linden. Eine andere Welt, eine andere Zeit. „Seit 31 Jahren ist Hannover schon meine Heimat“, erzählt Javaher-Haghighi weiter: „Manchmal kommt es halt doch anders als geplant.“

Hannover. Es war der Sommer 1984, als das Schicksal die Karten für Peyman Javaher-Haghighi neu mischte. „Ich wurde politisch verfolgt, weil ich mich für Demokratie und Menschenrechte starkgemacht habe. Jeder Protest gegen Chomeini wurde bestraft, auf das Verteilen von Flugblättern stand die Todesstrafe“, erzählt der promovierte Sozialwissenschaftler, der insgesamt fünf Jahre in Hannover und Hildesheim gelehrt hat, „ich schwebte in Lebensgefahr, musste das Land verlassen. Freunde hatten meinen Namen verraten, als sie misshandelt wurden.“ Für einen kurzen Moment bleibt er in seinen Gedanken hängen – und spricht weiter: „Ich weiß nicht, ob ich ansonsten heute leben würde.“

Zwei Freunde aus dieser Zeit starben. Hingerichtet. „Die Angst um mein Leben bestimmte mein Handeln. Noch zwei Wochen vor meiner Flucht konnte ich mir kein Leben außerhalb des Irans vorstellen“, erinnert sich Javaher-Haghighi, „doch meine Verhaftung war nur eine Frage der Zeit. Ich musste weg.“ Seine Familie half bei der Flucht: „In mir waren 1000 Fragezeichen, ich war orientierungslos, wusste nicht, wohin es mich verschlagen würde.“

Monate war er auf der Flucht, haderte, zweifelte, hoffte. 31 Jahre sind seitdem vergangen, „dabei wollte ich eigentlich nur vier bleiben“, erzählt Javaher-Haghighi und lacht auf, „das kann man wohl eine kleine Planänderung nennen.“ Seit 15 Jahren hat er die doppelte Staatsbürgerschaft – „ich hätte mich nicht für das eine oder gegen das andere entscheiden können“. Was ist er: Deutscher oder Iraner? „Weder noch: Ich bin ein Mensch.“ Ein Mensch, so sagt es der 51-Jährige heute, der „seine Flucht aus der Heimat nie bereut“ habe.

Mit den Flüchtlingen, die derzeit nach Hannover kommen, hat der Deutsch-Iraner täglich zu tun. Er arbeitet für den interkulturellen Verein Kargah in Linden, koordiniert verschiedene Projekte wie Deutschkurse in Flüchtlingsheimen, bietet Rat und Orientierung: „Ich weiß, wie sich diese Menschen hier fühlen, dass es für sie lebenswichtig ist, hier Fuß zu fassen.“ Dann richtet er den Finger auf die Politik und die Gesellschaft: „Deutschland tut sich unendlich schwer, Flüchtlinge aufzunehmen. Es wird ständig geklagt, dass wir zu viele aufnehmen, dabei ist das nur relativ.“ Das reiche Europa stehe in der Pflicht zu helfen: „Wir sind nicht unschuldig an den Situationen in den heutigen Krisengebieten. Flüchtlingshilfe ist daher schlicht ein Stück Mitverantwortung und auch Wiedergutmachung. Das ganze Leben ist immer ein Geben und ein Nehmen.“


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