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Abdulrahman Afif kann wieder als Übersetzer und Autor arbeiten – die Erfahrungen hat er jedoch nie verarbeitet.© Ismail

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Geflüchtet. Geblieben. Geschafft.

Flucht aus Angst und Depression

Abdulrahman Afif (44) trägt viel Leid auf seinen Schultern. Nicht immer steht am Ende eines langen Weges das ganz große Glück. Afif weiß das nur zu gut. Aber manchmal kann Glück auch bedeuten, dass etwas nicht mehr ganz so schlimm ist wie vorher. Auch das weiß der 44-Jährige.

Abdulrahman Afif kommt aus dem Land, in dem noch heute ein blutiger Bürgerkrieg tobt. Syrien. Allein in den vergangenen vier Jahren seit Beginn des Aufstandes gegen Präsident Bashar al-Assad starben mehr als 240 000 Syrer. Unter ihnen mehr als 12 000 Kinder. Bloße Zahlen, hinter denen sich die Hölle auf Erden auftut. Diese Menschen starben, als der Diktator nach internationalem Kriegsrecht verbotene Fassbomben auf Schulen, Wohngebiete und Marktplätze werfen ließ. Sie wurden totgefoltert in seinen Gefängnissen, weil sie demonstrierten. Sie wurden niedergestreckt von seinen Snipern, als sie Brot kaufen wollten. Syrien liegt in Trümmern, ist aufgesplittet in Gebiete mit unterschiedlichen Machtverhältnissen.

Abdulrahman Afif verließ sein Land, lange bevor all das passierte. „Schon 1995 floh ich aus Syrien“, erzählt er der NP. Zu diesem Zeitpunkt war noch der Vater von Bashar al-Assad, Hafiz al-Assad, an der Macht. Der Sohn galt anfangs noch als liberal.

Der 44-jährige Kurde ist Schriftsteller und Übersetzer. Ein sehr erfolgreicher in seiner alten Heimat. „Und genau dieses Künstlertum wurde mir zum Verhängnis und zwang mich zur Flucht. Die Regierung hatte ein Problem mit uns Künstlern. “ Und somit wurde Afif immer wieder verhaftet und stundenlang verhört. „Mal passierte es nur einmal im Monat, dann bis zu dreimal.“ Man habe Namen aus ihm herauskriegen wollen – „und eigentlich auch alles andere über mich und meine Freunde“. Das machte Afif krank. „Ich wurde depressiv, hatte Angststörungen, war eigentlich nicht mehr lebensfähig.“ Täglich schluckte er viele Tabletten, um den Tag zu überstehen – und das nächste Verhör.

Lebenslust hatte er keine mehr zu diesem Zeitpunkt. Sein Studium der arabischen Literatur hatte er längst abgebrochen. „Ein ganzes Jahr habe ich diese Tortur mitgemacht, dann reifte der Fluchtgedanke in mir“, erinnert er sich.

Sieben Monate dauerte seine Flucht über Istanbul, Kiew, Minsk und Litauen. Anfangs hatte er noch „an ein Zurück geglaubt“. Heute kann er beim Gedanken daran nur mit dem Kopf schütteln. 19 Jahre sind inzwischen vergangen. Viel hat er in seinem Tempo seitdem erreicht: Er spricht deutsch, arbeitet wieder hauptberuflich als Schriftsteller und Übersetzer, gibt Deutschkurse in Flüchtlingsheimen in Hannover. Doch seine Angst ist geblieben – „nicht so dominant wie früher, aber sie ist noch da. Heute breche ich nicht gleich zusammen, wenn ich ein Auto heranfahren höre“. Als der Krieg in Syrien ausbrach, wurden die Angstattacken wieder schlimmer: „Die Bilder von den zerstörten Häusern und den toten Menschen zu sehen, hat meine Wunden wieder aufgerissen“.

Heute helfe ihm die Kunst, sein Schicksal und das Drama in seiner Heimat zu ertragen. Und vor allem helfe ihm das Helfen selbst. Afif: „Die Quelle meines Glücks liegt heute in der Flüchtlingshilfe.“ Denn er weiß nur zu gut: „Diese Menschen, die zu uns kommen, machen das nicht ohne Grund. Das sollten die Deutschen niemals vergessen. Keiner verlässt seine Heimat freiwillig!“ Auch Abdulrahman Afif verließ sein Land vor 19 Jahren nicht freiwillig: „Aber doch war es meine einzige Chance zu überleben. Hier in Deutschland bin ich glücklich und nur hier kann ich sicher und in Frieden leben. Dafür bin ich sehr dankbar!“


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