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© Nader Ismail

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Geflüchtet. Geblieben. Geschafft

„Das hier ist ein tolles Land“

Sie werden nervös gewesen sein, haben sich vielleicht immer wieder vor Aufregung die Hände gerieben, waren zerrissen zwischen Hoffnung und Angst.Und dann war er da, der Moment, als sich der Nachtzug aus Zagreb der jugoslawisch-österreichischen Grenze näherte. Nur noch ein paar Meter, jetzt nur nicht auffallen. Vielleicht merkten die Grenzer ja wirklich nichts. Hoffentlich guckten sie sich die jugoslawischen Pässe, mit denen man 1966 problemlos in den Westen Europas konnte, nicht zu genau an.

Hannover. Sonst würden sie schnell merken, dass es nicht die Ausweise dieser bulgarischen Familie waren und dass der kleine Junge, der da im Arm seiner Mutter lag und schlief, nicht schon drei Jahre, sondern erst ein Jahr alt war. Und wenn doch?

Es ist eine Geschichte, die der Fotograf, Kameramann und Regisseur Nikolaj Georgiew erzählt. Aber es ist nicht eine Filmszene, die er da beschreibt. Dieses Drehbuch hat das Leben geschrieben. In den Hauptrollen: sein Vater Kiril Georgiew, seine Mutter Virginia - und er selbst.

Die Geschichte ging gut aus. Ein Happy End. Die Grenzer waren tatsächlich müde oder lustlos: „Sie haben sich die Pässe wohl nur sehr oberflächlich angesehen. Ich wurde auch nicht geweckt, sonst wären wir sofort aufgeflogen. Für die Grenzer schien alles in Ordnung. Ich war groß gewachsen, hatte viele schwarze Haare und wirkte älter.“ Schlampige Arbeit kann manchmal ein Segen sein. In diesem Fall öffnete sie die Tür in den Westen.

Doch der Weg bis dahin war weit. „Die Situation in Bulgarien war damals extrem. Mein Vater war aber ein sehr unabhängiger Mensch. Er wollte sich nicht in das Schema eines kommunistischen Menschen pressen lassen. Das hatte ihm auch schon einige Monate Haft in Bulgarien eingebracht. Er wollte raus, ausbrechen“, so Nikolaj Georgiew. Deshalb hatte er sich in Sofia um ein Visum für Jugoslawien bemüht, ein Land, das den Sozialismus mit weniger Druck durchsetzte als Bulgarien und das seinen Bürgern sogar weitreichende Reisefreiheiten gewährte. Jugoslawien war für Kiril, der vor 20 Jahren gestorben ist, eine ernsthafte Chance - auf ein freieres Leben in Deutschland. Mit seiner Frau zog er nach Zagreb und arbeitete hier in einer Klinik als Arzt, Virginia wurde als Krankenschwester angestellt. In Zagreb kam Nikolaj auf die Welt. Seine Eltern warteten eineinhalb Jahre, bevor sie es schließlich wagten und sich in den Zug setzten.

„Mein Vater war schon sehr, sehr glücklich in Deutschland“, sagt Georgiew. Tatsächlich lief es auch gut für die kleine Familie. Kurz nach der Ankunft in Deutschland ging es für sie ins Auffanglager nach Zirndorf bei Nürnberg, nur wenig später wurde Georgiews Vater eine Stelle als Arzt auf der Nordseeinsel Föhr angeboten, nach fünf Jahren siedelten sie um nach Langeoog, 1977 kam die Familie dann schließlich nach Hannover. Hier hat Georgiew seine Produktionsfirma und beschäftigt heute drei Mitarbeiter. Als Fotograf porträtierte er Spitzenpolitiker und Rockstars. Als Produzent und Regisseur drehte er Videos für Mel C., die „Superstars“ von Dieter Bohlen, Nicole, Kim Wilde und Duran Duran. Im Filmgeschäft wurde er mit seinem Team für dutzende Produktionen gebucht - von der RTL-Serie „Alarm für Cobra 11“ über den Kinoerfolg „Honig im Kopf“ bis zur US-Produktion „Point Break“, die nächstes Jahr in die deutschen Kinos kommt.

„Ich bin weltweit viel unterwegs“, sagt Georgiew, „ich kenne aber kein Land, das ich gegen dieses eintauschen würde. Das ist ein tolles Land, deswegen wollen ja auch so viele hierher.“ Eine Lösung für die aktuelle Flüchtlingskrise hat er nicht, eine Meinung aber schon: „Wer sich dem Land anpasst, in das er geflohen ist, muss herzlich willkommen sein. Wer aber denkt, dass er die Probleme seiner Heimat hierherbringen muss, um sie hier auszutragen, ist in Deutschland falsch.“ Einen Wunsch schiebt er dennoch hinterher: „Ich hoffe, dass auch die heutigen Flüchtlinge ihre Chance bekommen - und dass sie diese nutzen.“


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