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Geflüchtet. Geblieben. Geschafft.

Es ist fast Ironie des Schicksals, dass Hozan Partawie (30) und seine Eltern in dem Land ihre neue Heimat fanden, das wie kein anderes den Irak beim Bau von Rüstungsanlagen unterstützt hat. Und dessen Industrie geholfen hat, ein umfassendes C-Waffen-Arsenal aufzubauen. Giftfabriken made in Germany. Nach Schätzungen der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl wurden 60 Prozent des irakischen Giftgases mit deutscher Technik hergestellt. Und es war eben jenes Giftgas sowie andere Nervenkampfstoffe, die der irakische Diktator in seinem Vernichtungsfeldzug gegen die Kurden einsetzte. „Nur ein Tipp hat meinen Eltern und mir das Leben gerettet“, erzählt der heute 30-jährige Chef des Desigual-Store in Hannover, „in letzter Sekunde konnten wir unsere Stadt Kareza verlassen. Sonst wären wir dort auch qualvoll erstickt. Die Stadt hat Saddam komplett dem Erdboden gleichgemacht.“

Geflüchtet. Geblieben. Geschafft.

„Ich liebe meine Heimat. Ich liebe sie noch immer und werde sie stets in meinem Herzen tragen. Aber ich musste mich zwischen Leben und Tod entscheiden“, sagt Shakila Nawazy, „und ich habe immer nach dem Leben gestrebt.“ Ihre Stimme bricht, man hört den Schmerz. Noch immer, auch nach 24 Jahren.

Geflüchtet. Geblieben. Geschafft.

Sie hat einen deutschen Pass, gestikuliert wie eine Italienerin, beginnt viele Sätze mit dem „jedenfalls“ jener Menschen, die spannende Geschichten zu erzählen haben und sich gern in bunte Details verheddern, und endet manchmal mit dem lustigen „... und trallala, du weißt, was ich meine“. Wenn sie durch Linden schlendert, grüßt sie hier und da, immer bereit für ein Schwätzchen oder eine warme Umarmung. So ein bisschen „Lindener Schnauze“: offen, witzig, viel Herz – und manchmal auch richtig viel Pech. Hanan Hassan ist hier im Stadtteil so verwurzelt wie jeder andere – und niemand, der sie sieht oder hört, würde denken: „Flüchtling“.

Geflüchtet. Geblieben. Geschafft.

Leben oder sterben? Dang Chau Lam (66) entschied sich für sein Leben – und ging. Millionen Vietnamesen waren längst tot, ermordet, einem brutalen Krieg zum Opfer gefallen, als der heute 66-Jährige 1968 sein Land verließ. Südviet- nam. 13 Jahre dauerte der Krieg bereits, „ich ging auf dem Höhepunkt des Konflikts“, erinnert sich Lam.

Flüchtlingsserie

Er legte sein altes Leben in einen Koffer – und ging. „Etwas Unterwäsche, ein Pullover, zwei Fotos. Mehr hatte ich nicht dabei.“ Ein „winzig kleines Köfferchen“ genügte dafür, verstaut vor 59 Jahren. Es war der Koffer von Gábor Lengyel (74). Mit dem Gepäck in der Hand und seinem Bruder György und sieben weiteren jüdischen Frauen und Männern an der Seite floh er am 2. Dezember 1956 vor der kommunistischen Diktatur in Ungarn und verließ den 6. Bezirk in Budapest.

Geflüchtet. Geblieben. Geschafft

Sie hätte an dem System zerbrechen können. Das war Anca Graterol (63) immer klar. „Doch ich war wohl einfach zu stark, um vor die Hunde zu gehen“, sagt Hannovers bekannte Rock-Musikerin. Vielleicht zerbrach sie auch deshalb nicht, weil sie früh genug vor dem menschenverachtenden Regime Nicolae Ceauescus aus ihrer Heimat Rumänien floh. Es ist lange her – 28 Jahre.

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Für den Mann, dessen Nachname Salim auf Arabisch ,Frieden‘ bedeutet, beginnt die Flucht mit Krieg. Mahmud Salih Salim ist noch ein Junge, als er gegen äthiopische Soldaten kämpft, die sein Land Eritrea besetzen. Es ist Anfang der 1960er Jahre, „die Äthiopier wollten unsere Hafenstädte“, erzählt Salim 50 Jahre später. Und so zieht der damals 15-Jährige in einen Krieg – ohne Abschied, ohne Wissen seiner Eltern, ohne zu ahnen, wie das Ganze enden würde. Und wo.

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Am Morgen ihrer Flucht aus der DDR war Heike Richter noch gar nicht klar, dass sie alles liegen und stehen lassen und ihre Heimat Leipzig verlassen würde: „Ich hatte keinen Stress, von selbst wäre ich nicht unbedingt abgehauen.“ Dass die damals 17-Jährige dennoch am selben Tag – irgendwann im Herbst 1989, mit hunderten anderen Ostdeutschen im Zug Richtung Prag stehen würde, hatte sie ihren Gefühlen zu verdanken: „Ich bin aus Liebe weg.“

BLICKT ZURÜCK: Dass für ihn dieFlucht nicht zum Trauma wurde,habe er seinen Schwestern zuverdanken, sagt Negt. Fotos: Ismail

Krieg, Verfolgung, Armut ließen schon immer Menschen aus ihrer Heimat fliehen. Die NP-Serie „Geflüchtet. Geblieben. Geschafft.“ stellt Menschen vor, die daraus in Hannover etwas gemacht haben. Fotografiert werden sie von Nader Ismail – einem Flüchtling aus Syrien. Heute: Oskar Negt über seine Flucht und die aktuelle Krise.

Geflüchtet. Geblieben. Geschafft.

„Niemals allein, wir gehen Hand in Hand, zusammen sind wir groß und stark wie eine Wand.“ Wie oft er diese Zeilen schon gesungen hat, Oswald Pfeiffer, besser bekannt als Osssy, weiß es nicht mehr. „Unzählige Male“, sagt der 45-Jährige. Es ist die erste Liedzeile der 96-Vereinshymne „96 - alte Liebe“. Pfeiffer hat den Song nicht geschrieben, aber er ist es in Hannover, der dem Lied seine Seele einhaucht, diesen besonderen Gänsehaut-Moment. „Niemals allein“ - das galt auch damals im November 1975 für seine Eltern Claudette und Peter und ihn, den fünfjährigen Oswald.

Geflüchtet. Geblieben. Geschafft

Sie werden nervös gewesen sein, haben sich vielleicht immer wieder vor Aufregung die Hände gerieben, waren zerrissen zwischen Hoffnung und Angst.Und dann war er da, der Moment, als sich der Nachtzug aus Zagreb der jugoslawisch-österreichischen Grenze näherte. Nur noch ein paar Meter, jetzt nur nicht auffallen. Vielleicht merkten die Grenzer ja wirklich nichts. Hoffentlich guckten sie sich die jugoslawischen Pässe, mit denen man 1966 problemlos in den Westen Europas konnte, nicht zu genau an.

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Denkt man an Flucht, drängen sich einem Bilder von Strapazen, Anstrengung und Not auf. Von tagelangen Märschen durch Gebirge oder Wüste. Riskanten Meerpassagen. Und gefährlichen Nacht-und-Nebel-Aktionen. Diese Geschichte ist anders. Es ist die Flucht-Geschichte von Jasmin Arbabian-Vogel. Die 47-Jährige ist Unternehmerin und Gründerin des Interkulturellen Sozialdienstes Hannover. Arbabian-Vogel sitzt auch im Vorstand des SPD-Stadtverbandes. Sie ist eine Frau mit vielen Ideen und einer bewegten Vergangenheit.

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