Navigation:
Die ersten sieben Container der Modulsiedlung, die auf dem Parkplatz des Schulzentrums entstehen soll, sind schon da – aber noch können sie nicht genutzt werden.

Die ersten sieben Container der Modulsiedlung, die auf dem Parkplatz des Schulzentrums entstehen soll, sind schon da – aber noch können sie nicht genutzt werden.© Mario Moers

Ahlem

Turnhalle bleibt weiter Notunterkunft

Wie lange bis zu 100 Flüchtlinge noch in der Turnhalle des früheren Schulzentrums Ahlem leben müssen, ist weiter unklar. Auf ein genaues Datum will sich die Stadt nicht festlegen.

Hannover. Voraussichtlich „bis zum Sommer“ sollten die Flüchtlinge in eine Containersiedlung auf dem Parkplatz des Schulzentrums umsiedeln, teilte die Verwaltung in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Ahlem-Badenstedt-Davenstedt mit. Der Leiter der Flüchtlingsunterkunft zeigte sich allerdings skeptisch, dass die Sporthalle in absehbarer Zeit frei wird. „Nach einigen Erfahrungen, die wir in den vergangenen Monaten gemacht haben, bleiben da Zweifel“, sagte Steffen Gremmelt vom DRK. Er hatte sich in der Bürgerfragestunde zu Wort gemeldet und äußerte sich besorgt: „Ich kann Ihnen nur sagen, dass die Situation im Schulzentrum noch akzeptabel ist - aber nicht gut.“

Kritik an der Stadt: Der Heimleiter, Politiker und Bürger kritisierten in der Bezirksratssitzung das Krisenmanagement der Stadt in Ahlem. Sie wollen erreichen, dass die Turnhalle, die bereits seit November als vorübergehende Flüchtlingsunterkunft dient, schnellstmöglich wieder dem Vereinssport zur Verfügung gestellt wird. „Ich will eine verbindliche Zusage für wenigstens zwei Jahre, dass die Halle frei bleibt“, formulierte Rainer Göbel, Chef der SPD-Fraktion im Bezirksrat, seine Forderung an die Adresse von Verwaltungsvertreter Michael Heesch.

Zeitplan ungewiss: Der Leiter des Fachbereichs Planen und Stadtentwicklung bremste die Erwartungen. Die Turnhalle werde erst geräumt, wenn die Containersiedlung auf dem Schulparkplatz bezugsfertig sei, sagte Heesch, der in der Bauverwaltung die Unterbringung der Flüchtlinge im Stadtgebiet organisiert. „Wir versuchen nach Kräften, die Halle wieder in Betrieb zu nehmen“, betonte er. Ob dies tatsächlich bis zum Sommer dauern wird oder doch schneller gehen könnte, blieb ungeklärt. Es sei jedoch nicht auszuschließen, dass die Stadt in einer erneuten Notlage wieder auf die Halle zurückgreift, kündigte Heesch an. „Bei 57 Millionen Flüchtlingen weltweit kann ich Ihnen keine Versprechungen machen.“ Angesichts der angespannten Lage bei der Einquartierung der Flüchtlinge in Hannover bat er um Verständnis: „Die Frage ist, was ist die Alternative, wenn wir keine Alternative haben?“ Er ließ durchblicken, dass die Stadt nun auch nach Gewerbehallen Ausschau hält, die für eine Nutzung als Notunterkunft infrage kommen.

Pläne für Modulanlage: Anders als für weitere im Stadtgebiet geplante Containerunterkünfte muss die Stadt am Standort Ahlem keine europaweite Ausschreibung für die Modulbauten starten - was die Abläufe noch weiter verzögert hätte. Die ersten sieben Container der auf dem Schulparkplatz vorgesehenen Siedlung stehen bereits. Nach Auskunft von Stadtsprecher Dennis Dix sind sie aber noch nicht nutzbar, weil sie erst hergerichtet werden müssen. Wann das so weit ist, ließ er ebenso offen wie einen Termin für die Lieferung der weiteren benötigten Module. Jeder Container am Schulzentrum soll Platz für vier Personen bieten; für alle 100 Flüchtlinge aus der Turnhalle würden etwa 25 Module benötigt. „Wir werden, so gut es geht, eine Art Wohngemeinschaft schaffen“, sagte Heesch. Die endgültige Formation solle den Charakter einer kleinen Siedlung haben.

Beschwerden der Bürger: In der Bezirksratssitzung musste Heesch sich auch mit der Kritik von Anwohnern auseinandersetzen, die sich darüber beschwerten, dass auf unbestimmte Zeit die Container vor ihrer Haustür aufgestellt wird. „Wir wurden weder informiert noch gefragt“, erzürnte sich eine Anwohnerin. Die Nachbarn kritisieren, dass sich von den zweistöckigen Containern in ihre Häuser und Gärten blicken lässt. „Ich finde das unzumutbar“, sagte eine aufgebrachte Anwohnerin - und bekam Applaus aus den Besucherreihen. Die Politiker des Bezirksrats hielten sich bei der Kommentierung der Situation zurück. Grundsätzlich gibt es parteiübergreifend keine Einwände gegen die Unterbringung von Flüchtlingen im Stadtbezirk. Der Vorsitzende der Grünen-Fraktion René Rosenzweig warnte aber vor einer Überstrapazierung. „Nach den Modulen muss Schluss sein: Wir schaffen da Zündstoff bei so einer Ballung.“ Heesch wiederum erklärte, dass der Stadtbezirk weiterhin mit neuen Standorten für Flüchtlingsunterkünfte rechnen müsse. Derzeit werden zwei Wohnheime und drei Containersiedlungen vorbereitet.

Reaktion der Sportvereine: Nicht alle Besucher der Bezirksratssitzung waren unzufrieden mit der Stadt. „Ich freue mich, dass die Dinge eine Wendung genommen haben“, zeigte sich Monika Barthel zufrieden. Die Vorsitzende des Kunstradvereins VfK Ahlem und die dessen Mitglieder sind von der Hallenschließung betroffen. Barthel interpretierte die Ausführungen von Heesch zumindest als eine unverbindliche Zusage, dass die Halle schnellstmöglich wieder frei wird. In den vergangenen Wochen hatten sie und andere Vertreter der betroffenen Sportvereine deutliche Kritik an der Stadt geübt. Vereine seien durch den Wegfall der Trainingsstätte existenziell bedroht, hieß es.

Situation des DRK: Heimleiter Gremmelt schlug den Verwaltungsvertretern vor, die Planungen für das Schulzentrum transparenter zu gestalten. Er wünscht sich, dass auch die Bürger und die Leitung der Flüchtlingsunterkunft besser eingebunden werden. Das DRK ist von der Stadt mit der Leitung der Notunterkunft beauftragt. Derzeit sind im Schulzentrum etwa 200 Flüchtlinge in den früheren Klassenzimmern einquartiert.

Von Mario Moers


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige

City Click

"Märchenhafte Stimmung über dem Tiergarten" - so betitelte NP-Leserin Catharina Cordes ihr Foto. In der Tat: Ein märchenhaftes Bild.

zur Galerie

Schicken Sie uns Ihren City Click!

Haben Sie ein tolles Motiv fotografiert? Die Redaktion wählt mehrmals pro Woche die schönsten Leserfotos aus und veröffentlicht sie in der City Click Galerie.