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Lindens Bürgermeister Rainer-Jörg Grube (li.) diskutiert mit Prof. Heiko Geiling (neben ihm) über die Entwicklung des Stadtteils.

Lindens Bürgermeister Rainer-Jörg Grube (li.) diskutiert mit Prof. Heiko Geiling (neben ihm) über die Entwicklung des Stadtteils.© Meise

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Linden

Nur geringe Anzeichen einer Gentrifizierung

Gibt es denn nun Gentrifizierung in Linden oder nicht? Prof. Heiko Geiling von der Leibniz Universität kann nur wenige Anzeichen entdecken.

Linden. Kein Grund, Alarm zu schlagen - aber auch kein Anlass, Entwarnung zu geben: Nach Meinung von Heiko Geiling, Professor für Politische Soziologie an der Leibniz Uni, muss Linden durchaus aufpassen, dass ärmere Bevölkerungsschichten nicht durch Verteuerung von Wohnraum aus dem Stadtteil verdrängt werden. Zurzeit kann Geiling allerdings noch keine alarmierenden Anzeichen für einen solchen Prozess erkennen.

Die gegenwärtige öffentliche Debatte um die sogenannte Gentrifizierung hält Geiling allerdings für sinnvoll - aus ihr sollten Ideen erwachsen, mit denen die Politik entsprechenden Entwicklungen entgegenwirken kann, sagte Geiling bei einer Diskussion zum Thema im Stadtteilzentrum der Grünen.

Die Wissenschaft unterscheide in einem Modell vier Phasen von Gentrifizierung eines Stadtteils, erklärt Geiling:

  • Phase eins: Junge, gebildete Menschen - oft Studenten - ziehen vermehrt in ein innenstadtnahes Quartier und verändern dessen Gesicht: Der Stadtteil wird quirliger, belebter, bunter. Wohnraum ist relativ preiswert.
  • Phase zwei: Zahlungskräftige Bevölkerung strebt in den Stadtteil, um an dessen Flair zu partizipieren. Der Wohnungsmarkt richtet sich auf die Entwicklung ein, die Preise steigen. Weil das Quartier bereits dicht bebaut ist, entstehen zu wenig neue Wohnungen, um den Bedarf zu decken. Die steigenden Preise für Wohnraum beginnen, die ärmere Bevölkerung zu verdrängen.
  • Phase drei: Das Tempo dieser Entwicklung nimmt zu, die Preise steigen weiter. Mietwohnungen werden in Eigentum umgewandelt. „Bourgoisie verdrängt Boheme“, sagt Geiling. Das führt zu politischem Protest.
  • Phase vier: Aus dem ehemaligen Studentenviertel ist ein Schicki-Micki-Stadtteil geworden. Er wird wieder langweiliger, bürgerlicher Charakter prägt die Situation in den Schulen, Läden und in der Gastronomie.

„Linden befindet sich derzeit in Phase zwei - wenn überhaupt“, sagt Geiling. Anzeichen für eine fortschreitende Gentrifizierung - wie beispielsweise ein sinkender Ausländeranteil an der Bevölkerung - kann er nicht erkennen. Ängste, dass Bewohner mit geringem Einkommen aus citynahen Stadtteilen an die Peripherie gedrängt werden, gibt es in Großstädten immer dann, wenn entweder Großprojekte geplant sind oder der Wohnungsmarkt unter Druck gerät, erklärt Geiling. Letzteres sei derzeit der Fall. „Hannover hat auf so etwas bislang immer gut reagiert - letztmalig mit dem Bau des Stadtteils Kronsberg zur Expo 2000.“ Heute jedoch habe man eine neue Situation: Die Stadt habe den sozialen Wohnungsbau praktisch eingestellt und lasse damit dem Markt völlig freien Lauf. Erst in diesen Tagen redet die Ratspolitik über neue Pläne zu sozialem Wohnungsbau.

Daniel Gardemin, der die Debatte moderierte, sieht die Aufgabe der Politik nun vor allem darin, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und neue Modelle der Wohnungsförderung zu entwickeln. „In den kommenden Jahren müssen Tausende Haushalte entstehen“, sagt der Politikwissenschaftler, der auch Sprecher des Ortsvereins der Grünen in Linden ist. „Hannover wächst - das ist eine völlig neue Situation für die derzeitige Politikergeneration in den Rathäusern.“

Linden, Hannover

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